Programmieren als Kulturtechnik

Minicomputer Caliope

Programmieren als Kulturtechnik

Die Welt ist durch Internet und Computertechnik bestimmt – ein Allgemeinplatz. Aber verstehen wir eigentlich genug davon? Ein Kölner will mit seinem Minicomputer schon Grundschülern das Programmieren beibringen, als Kulturtechnik von morgen.

"Wenn die Kinder, die heute eingeschult werden, in 20 Jahren die Schule verlassen, dann werden die in einer Welt leben, die zutiefst von digitaler Technologie durchdrungen ist", sagt der Unternehmer Stephan Noller. Das werde am Arbeitsplatz so sein, in der Wohnung oder im Sozialleben. "Und die Schule bereitet darauf in keinster Weise vor", so der Kölner.

Das will Noller, gefördert vom Bundeswirtschaftsministerium, bald ändern. Sein Lösungsansatz ist der Calliope Mini. Dabei handelt es sich um eine handtellergroße Platine mit Minibildschirm, die zu vielfältigen Funktionen aus dem Alltagsleben programmiert werden kann. Eingesetzt werden soll der Calliope ab der dritten Klasse. Möglichst früh sollen so viele Kinder begeistert werden. Vor allem auch Mädchen, denn die konnten mit den bisherigen Lern-Konzepten kaum an die Thematik herangeführt werden.

Lehrplan hinkt der Lebenswirklichkeit hinterher

Symbolbild: Binärzahlen

Code selber verändern?

Allerdings seien die Grundschulen längst nicht bereit dafür, meint Marco Thomas, Professor am Institut für Didaktik der Mathematik und Informatik der Universität Münster. Er hat die Informatiklehrpläne für das Land NRW begutachtet. In seinen Augen fehlt den Grundschulen bisher der Lehrplan für den Einsatz solcher Technik. "Es gibt einige Projekte, die erproben, welche Konzepte in der Grundschule realisierbar sind. Es gibt Empfehlungen", so Marco Thomas. Konkrete Pläne für einen neuen Lehrplan fehlen aber noch.

Informatik betrifft alle Lebensbereiche

Stephan Noller hat gemeinsam mit Grundschullehrerinnen und dem Informatikdidaktiker Ludger Humbert von der Universität Wuppertal einen theoretischen Rahmen für den Einsatz von Calliope entwickelt. Während Ludger Humbert in dem Zusammenhang ein Pflichtfach Informatik in der Grundschule fordert, will Noller den Minicomputer nicht in einem eigenen Fach, sondern in bereits bestehenden Fächern wie Sachunterricht, Kunst und Sport einsetzen.

Pilotprojekte laufen im Saarland

Programmierer mit seinem Laptop

Jeder sein eigener Programmierer

Bisher wird der Minicomputer an zwei Schulen im Saarland im Rahmen eines Pilotprojekts getestet. Ab Februar 2017 soll er in Grundschulen im ganzen Saarland eingesetzt werden. Und auch andere Bundesländer haben bereits Interesse angekündigt. Noller steht in Gesprächen mit Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Bremen und Berlin. "Das Ziel", sagt Noller, "ist natürlich, Programmieren näher zu bringen und den Kindern mitzugeben, dass das nichts magisches ist, was sich irgendwelche Menschen im Silicon Valley ausdenken, sondern dass das verstehbarer Code ist, den man selber ändern kann."

Autor des Radiobeitrags ist Felix Schledde.

Stand: 03.03.2017, 10:14