Ausflugsschiff auf dem Baldeneysee fährt elektrisch

Brennstoffzellenschiff Baldeneysee

Ausflugsschiff auf dem Baldeneysee fährt elektrisch

Von Lars Tepel

  • Erstes Ausflugsschiff mit Elektromotor auf dem Essener Baldeneysee
  • Strom für das Schiff wird am See produziert
  • Brennstoffzelle als emissionsarme Alternative zum Dieselmotor

Bei Autos setzen sie sich immer mehr durch: Elektromotoren. Sie sind leise, sehr effizient, wartungsarm – und da sie nichts verbrennen, stoßen sie auch keine Abgase aus. Das Problem: Der Strom kommt meist aus Akkus, die teuer und aufwändig zu produzieren sind. Für Verkehrsmittel mit noch höherem Strombedarf, wie Lkw, Flugzeuge oder Schiffe, sind Elektroantriebe mit Batterien daher keine wirkliche Option.

Zwei Batterien speichern den Strom

Brennstoffzellen-Pack auf der MS Innogy

Eine Brennstoffzelle produziert aus Wasserstoff Strom

Wie eine Alternative aussehen könnte, können Besucher seit Freitag (25.08.2017) auf dem Baldeneysee erleben. Dort fährt das Passagierschiff "MS Innogy" – und zwar komplett elektrisch. Zwei Batterien speichern den Strom und treiben das Schiff an, wären aber nach vier Stunden entleert. Um das zu verhindern, gibt es eine Brennstoffzelle an Bord, die aus Wasserstoff Strom produziert.

Getankt wird das Schiff jedoch nicht mit Wasserstoff, sondern mit dem Bioalkohol Methanol. Erst direkt an der Brennstoffzelle wird der Wasserstoff wieder aus dem Methanol herausgelöst. Was umständlich klingt, bietet aber einen großen Vorteil: In einem Liter Methanol ist drei Mal mehr Energie gespeichert, als in einem Liter Wasserstoffgas – bei 700 Bar Druck. Außerdem ist Methanol eine Flüssigkeit, die man wie Benzin lagern, transportieren und tanken kann.

Methanol wird umweltfreundlich hergestellt

Aggregat zur Methanolherstellung

Ein Aggregat stellt Methanol her

Auch die umweltfreundliche Herstellung des Methanols kann man sich in Essen anschauen. Ein Container filtert CO2 aus der Luft, ein Laufwasserkraftwerk an der Staumauer liefert den Strom. In einem weiteren Container erzeugen Enzyme aus Strom, Wasser und CO2 dann das Methanol.

Die Tagesproduktion der dort installierten Anlage reicht allerdings nicht aus, daher wird aktuell zusätzliches Methanol angekauft. Doch nicht nur für Binnenschiffe ist Methanol eine Option, auch am Einsatz auf Hochseeschiffen wird getüftelt. Im Verbund "e4ships" forschen große Werften wie Thyssen-Krupp oder die Meyerwerft an ähnlichen Lösungen, die dann auf großen Passagierfähren oder Kreuzfahrtschiffen Strom liefern könnten, ganz ohne Ruß-, Feinstaub- und Stickoxidemissionen.

Brennstoffzellen als emissionsarme Alternative

Die Antriebe dieser großen Schiffe sind heute schon meist mit Elektromotoren ausgestattet, der Strom dafür wird allerdings bislang noch mit Schiffsdieseln produziert, die mit Schweröl, Diesel oder Flüssiggas betrieben werden können. Hier können Brennstoffzellen eine effiziente, leise und emissionsarme Alternative darstellen.

Stand: 25.08.2017, 18:00