Bochumer forschen für sichere Baustellen

Kräne auf einer Baustelle

Bochumer forschen für sichere Baustellen

Von Maren Bednarczyk

  • Fast 40 Prozent aller tödlichen Arbeitsunfälle passieren auf Baustellen
  • Bochumer Forscher wollen Baustellen sicherer machen
  • Sie setzen auf neue Sensoren und digitale Simulation

Um Baustellen sicherer zu machen, entwickeln Forscher der Ruhr-Universität Bochum gemeinsam mit mehreren Industriepartnern eine neue digitale Plattform. Auf einer virtuellen Baustelle sollen mögliche Risiken schon vorab aufgespürt werden.

"Wir wollen dem Bauleiter auf der Baustelle anzeigen: Morgen, an diesem Ort, ist das Unfallrisiko sehr hoch und sorge dafür, das es zu keinem Unfall kommt.“ Das ist das Ziel, erklärt Jochen Teizer, der das neue Projekt gemeinsam mit Markus König leitet.

Dreidimensionale Modelle auf dem Bildschirm

Zwei Männer sehen sich einen Computerbildschirm an.

Das 3D-Modell hilft, Gefahren zu erkennen

Die Forscher wollen große Bauprojekte schon vorab auf dem Computer auf potenzielle Gefahren überprüfen. Die dreidimensionalen Modelle der Bauplaner werden in die neue Software integriert und auf diese Weise überprüft. Gefahren können zum Beispiel zu niedrige Geländer an einem Baugerüst sein, wodurch ein Arbeiter abstürzen könnte. Außerdem geht es auch um die Sicherheit innerhalb der Gebäude. Zum Beispiel wenn es bei einem Deckendurchbruch ein Loch gibt, in das jemand hineintreten könnte.

"Dieses Loch wird im 3D-Modell erkannt und kann dementsprechend in der digitalen Planung abgedeckt werden. Dann wird eine Platte vorgesehen, die dort montiert werden muss. Dann kann man mit einem Tablet auf die Baustelle gehen und sagen: An diesen Stellen muss diese Abdeckplatte hin und somit wird der Unfall vermieden.

Neue Sensoren für Helme und Westen

Auf dem Schreibtisch von Jochen Teizer steht ein schwarzer Kasten mit Kabeln und einer Antenne, daneben liegt eine Art Fernbedienung. Mit dem System soll verhindert werden, dass Arbeiter von großen Maschinen überrollt werden, erklärt Teizer: "Man gibt einem Menschen quasi ein handygroßes Gerät mit, das integriert wird in die Arbeitssicherheitsweste und sollte er sich zu nahe an einen Gefahrenbereich begeben, dann gibt es einen Alarm."

Außerdem haben die Wissenschaftler einen neuen Sensor für Bauhelme entwickelt. Er zeigt zum Beispiel die Temperatur an und warnt davor, zu lange unter sehr warmen Bedingungen zu arbeiten, weil dann die Konzentration nachlassen kann.

Statistik beweist Gefahren auf Baustellen

Für Jochen Teizer und sein Team ist die Forschung zur Sicherheit auf Baustellen enorm wichtig. Denn die Statistik zeigt, dass sich 40 Prozent aller gemeldeten tödlichen Arbeitsunfälle in Deutschland auf Baustellen ereignen. "Von den 150 Todesfällen, die jährlich auf deutschen Baustellen stattfinden, wird ein Drittel durch Abstürze von Höhen verursacht, circa ein Viertel hat mit Baumaschinen zu tun.

Mensch trotz Technik verantwortlich

Mit den Forschungsergebnissen wollen die Bochumer Wissenschaftler auch digitales Schulungsmaterial für Baufirmen anbieten. Denn trotz aller Technologie ist nach wie vor der Mensch verantwortlich, erklärt der Projektleiter: "Natürlich bedarf es immer der menschlichen Kontrolle. Deswegen werden die Sicherheitskräfte dort ein bisschen entlastet, aber nicht komplett entbunden von ihren Aufgaben.

Das Forschungsprojekt ist im Frühjahr dieses Jahres gestartet. Es wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit rund 1,5 Millionen Euro für drei Jahre gefördert.

Stand: 10.07.2017, 06:00