Nazis auf dem Straßenschild

Generalfeldmarschall-Rommel-Straße in Augustdorf, Kreis Lippe

Nazis auf dem Straßenschild

Von Marion Werner

Mit dem Datensatz aller Straßennamen des Landes, den der WDR analysiert hat, kann erstmals ein landesweites Bild über die Verwendung von Straßennamen in NRW gezeichnet werden. Die Recherchen konnten insbesondere zeigen, wie verbreitet umstrittene Straßennamen immer noch sind und wie unterschiedlich die Diskussionen in NRW verlaufen können.

Seit ein paar Jahren mehren sich die Diskussionen um Namensgeber für Straßen. Eine der umstrittensten Personen in dieser Debatte ist der frühere Reichspräsident Paul von Hindenburg – ein häufiger Namengeber. So diskutierte man erst im vergangen Jahr in Viersen die Umbenennung der Hindenburgstraße. Sie blieb. Ähnlich verlief die Diskussion 2012 in Bonn um den Hindenburgplatz und die Hindenburgallee. Hindenburg gilt vielen Menschen als antidemokratisch und antiparlamentarisch. Andere argumentieren, er habe in vergreistem Zustand Hitler an die Macht geholfen, ohne klaren Blick für die Gefahren der braunen Diktatur.

Ganz anders in Münster, wo man sich seit 1947 nicht mehr richtig wohl fühlte mit dem bereits 1927 vergebenen Namen Hindenburgplatz. Am Ende dauerte es 53 Jahre und 15 Umbenennungsanträge, bis der Hindenburgplatz 2012 in Schlossplatz umbenannt wurde. Trotz der zahlreichen Diskussionen um die Ehrwürdigkeit Hindenburgs, gibt es allein in NRW heute noch 65 Straßen und Plätze, die seinen Namen tragen. Unsere Karte zeigt deren genaue Lage.

Straßen, deren Namensgeber zu Diskussionen führen

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Eine ganze Reihe von Straßenschildnamen sind in den letzten Jahren in lokale Diskussionen geraten. Diese Karte zeigt die Verbreitung einiger dieser Namen auf Straßenschildern in NRW. Ausgewählt wurden Persönlichkeiten mit einer umstrittenen Vergangenheit in Bezug auf den Nationalsozialismus.
Haben Sie Hinweise/Anregungen/Meinungen? Dann schreiben Sie uns: meinSchild@wdr.de

Es gibt aber noch eine ganze Reihe anderer Straßen, die nach umstrittenen Persönlichkeiten benannt wurden. Augustdorf im Kreis Lippe beispielsweise leistet sich eine Generalfeldmarschall-Rommel-Straße; ebenso sind in Düsseldorf und Paderborn Straßen nach dem als "Wüstenfuchs" verklärten Wehrmachtsgeneral benannt. Aber auch bei Rommel gehen die Meinungen auseinander: Die einen sehen in ihm einen tollen Kriegsstrategen und sogar Widerstandskämpfer, während andere auf seine engen Verquickungen mit dem NS-Regime abheben.

Es gibt weitere Beispiele: In 34 nordrhein-westfälischen Städten und Gemeinden (u.a. in Remscheid, Wuppertal und Höxter) erinnern Straßennamen bis heute an die ostpreußische Schriftstellerin Agnes Miegel, die – wie der Historiker Horst Matzerath 2010 in einem Gutachten feststellte - nach außen hin aktiv den Nationalsozialismus vertreten habe und deswegen nicht als Leitbild für eine demokratische Gesellschaft gelten könne. Manche Städte fanden diese Namengebung tatsächlich nicht mehr zeitgemäß und benannten sie um, so u. a. Bielefeld-Sennestadt (2009, neue Namensgeberin: Nelly Sachs), Detmold (2009, neue Namensgeberin: Maria von Maltzan), und Schwerte (2014, neuer Name: Kleine Feld-Straße).

Die Diskussion um Straßennamen wird weitergehen. Oft werden dabei nur die überregional bekannten Persönlichkeiten ins Blickfeld geraten. Unsere Straßennamerecherche mit Abfragemöglichkeiten für Nutzerinnen und Nutzer kann dieses enge Blickfeld nun aber erheblich erweitern.

Stand: 27.01.2017, 06:00