"It's a Man's World"

Pina-Bausch-Straße in Solingen

"It's a Man's World"

Von Marion Werner

Männlich oder weiblich? Auf den Straßennamenschildern in Nordrhein-Westfalen herrschen die Männer. Die Recherche ergab: Von allen persönlich gewidmeten Straßennamen sind unter 10 Prozent weiblich.

Die frauenfreundlichste Kommune ist nach Auswertung der Straßennamen Steinhagen in Westfalen. Hier gibt es sogar mehr Straßen, die nach weiblichen Persönlichkeiten benannt sind als nach männlichen. Zum Beispiel in Nettetal im Kreis Viersen sieht es ganz anders aus: In dem Städtchen kommt auf 55 Straßen, die männliche Namen tragen, nur eine einzige weibliche Benennung: Die Soziologin Hanna Meuter hält hier tapfer ihre Fahne in den niederrheinischen Wind. Die Gleichstellungsbeauftragte von Nettetal, Nina Paland, war überrascht von diesem Rechercheergebnis. Das Ungleichgewicht sei wohl noch niemandem aufgefallen, so der Kommentar. Möglicherweise hat dies nun Einfluss auf die Benennung von Straßen in Neubaugebieten der Gemeinde.

Seit einigen Jahren versuchen die Kommunen tatsächlich, mehr Straßen nach Frauen zu benennen, um diese Vorherrschaft der Männer zurückzudrängen. In Berlin Friedrichshain-Kreuzberg wurde 2005 sogar eine Frauenquote durchgesetzt. Dort sind 50 Prozent Frauennamen das Ziel. Bis die Quote erreicht ist, sollen nur noch weibliche Namen vergeben werden. Aus diesem Grund wurde im April 2013 auch die Benennung des Platzes vor dem Jüdischen Museum nach Moses Mendelssohn abgelehnt. Der jüdische Philosoph hatte einen Nachteil: Er war keine Frau. Schließlich einigte man sich auf den Namen Fromet-und-Moses-Mendelssohn-Platz – eine Ehrung für den Philosophen und seine Gattin gemeinsam.

Auch in nordrhein-westfälischen Städten wird die Gender-Debatte geführt. So diskutierte 2013 in Düsseldorf der Gleichstellungsausschuss ebenfalls über eine Frauenquote auf den Straßennamenschildern. Die Linken beantragten, so lange keine Straßen mehr nach Männern zu benennen, bis ein Gleichgewicht zwischen Männern und Frauen hergestellt wäre. Die Lokalausgabe des Express schaltete sich in die Diskussion ein und zählte die Straßen, die nach Personen benannt waren, um herauszufinden, wie lange das dauern würde. Heraus kam, dass 867 männlichen nur 69 weibliche Straßennamen gegenüberstanden. Die Frauenquote setzte sich in Düsseldorf nicht durch.

In Dortmund sorgte man sich ebenfalls um die Gleichstellung auf den Straßennamenschildern. Um die öffentliche Erinnerungskultur ein wenig in Richtung Frauen zu lenken, brachte das dortige Frauenbüro 2001 ein Buch heraus, das sich dem Thema "Dortmunder Frauen-Straßen-Namen" widmete. Es analysiert nicht nur die Frauenstraßennamen, sondern macht auch 145 Vorschläge für weibliche Neubenennungen. Ein dringende Aufgabe, waren doch von den rund 3.500 Dortmunder Straßen nur rund 40 nach historischen Frauenpersönlichkeiten benannt.

Frauennamen in der Diskussion

Seit den 1980er Jahren taucht das Thema "Frauen in Straßennamen" immer wieder auf. Blickt man auf das immer noch existierende Ungleichgewicht, so muss man feststellen: Der politischen Wille, die Leistungen der Frauen mit einer Straßenbenennung zu ehren, ist nicht in jeder Gemeinde ausgeprägt. Und nicht nur das: Oft wurden die Bemühungen der Frauen für mehr Geschlechterdemokratie in den Straßennamen ins Lächerliche gezogen. Am radikalsten waren die Reaktionen, als das Thema neu aufkam. So regte sich 1986 ein Bürger in Köln über die Umbenennung des "Seidmachergässchens" in "Seidmacherinnengässchen" auf und meinte, das falle unter die Kategorie "Neues aus Schilda". Weiter plädierte er spöttisch für die Umbenennung der Straße Unter Fettenhennen in Unter Fettenhähnen: "Fette Henne" klänge doch nach Diskriminierung einer Frau.

Die Frau, die die meisten Straßenschilder in NRW schmückt, ist auch die, die auf unseren alten 20-DM-Scheinen zu sehen war: Annette von Droste-Hülshoff, Dichterin und Komponistin aus Münster, ist mit 142 Benennung das weibliche Vorbild in NRW, dicht gefolgt von der Künstlerin Käthe Kollwitz mit 93 Straßennamen.

Stand: 26.01.2017, 18:16