Trübe Aussichten für Sternengucker

Eine Sternschnuppe leuchtet  über dem Sternbild "Großer Wagen"

Trübe Aussichten für Sternengucker

Von Andreas Sträter

  • Höhepunkt des Perseiden-Schauers am Wochenende (12./13.08.2017)
  • Helle Mondphase nimmt uns die Sicht auf den Nachthimmel
  • Nur in Wolkenlücken lassen sich Sternschnuppen beobachten

Wer eine Sternschnuppe sieht, darf sich etwas wünschen, heißt es. In den kommenden Nächten könnte es sich also lohnen, in den Himmel zu gucken. Bei idealen Lichtbedingungen und außerhalb der Stadt sind stündlich rund 100 Sternschnuppen zu sehen - theoretisch.

Der Höhepunkt des Perseiden-Schauers wird am Wochenende in der Nacht von Samstag (12.08.2017) auf Sonntag (13.08.2017) erwartet, erläutert Susanne Hüttemeister, Leiterin des Planetariums in Bochum, dem WDR.

Sternschnuppen verschwinden im Mondlicht

Allerdings ist vom Mond nach dem Vollmond am Montag (07.08.2017) noch so viel zu sehen, dass er viel Helligkeit in den Nachthimmel abstrahlt. "Die schwächeren Sternschnuppen verschwinden im Mondlicht, so dass wir nur die starken Sternschnuppen sehen können", erläutert die Astronomin.

Viele Wolken am Wochenende

Sternschnuppen der Perseiden am frühen Morgen

So klar wird es nur an der Küste, nicht aber im Westen

Das Wetter spielt auch nicht mit. Über Nordrhein-Westfalen hängen am Wochenende viele Wolken, erläutert WDR-Meteorologe Norbert Becker-Flügel. "Mit Glück sind auch mal größere Wolkenlücken drin", ergänzt er. In der Nacht zu Sonntag (13.08.2017) könne es auch noch zusätzlich regnen. Am besten sind die Perseiden an der Nord- und Ostsee zu sehen. "Die Küste ist wetterbegünstigt, dort wird es weniger Bewölkung geben", sagt Becker-Flügel.

Wer eine Wolkenlücke findet, könnte aber Glück haben, weil die Sternschnuppen zwar aus dem Sternbild des Perseus im Nordosten kommen, aber über den gesamten Himmel flitzen. Am besten sieht man den Perseiden-Schauer mit dem bloßen Auge. Ein Fernglas würde eher stören, weil man es bei der kurzen Leuchtdauer der Meteore gar nicht so schnell nachführen kann.

Tipps für Sternschnuppengucker

  • Weit draußen auf dem Land in den Himmel schauen – abseits der Lichtverschmutzung durch Städte.
  • Nicht mit dem Handy spielen – das stört die Nachtsicht, die Augen sind dann nicht mehr so sensibel.
  • Beste Sicht gibt es in der Morgendämmerung oder abends kurz bevor der Mond aufgeht, in Köln beispielsweise gegen 23.14 Uhr

Einer Staubspur entsprungen

Die Sternschnuppen stammen aus einer Staubspur, die der Komet 109P/Swift-Tuttle hinter sich herzieht. Jedes Jahr im August kreuzt die Erde bei ihrer Reise um die Sonne die Spur dieses Kometen. Wenn die stecknadelkopfgroßen Staubteilchen des Kometen mit 216.000 Stundenkilometern in die Erdatmosphäre eindringen, verglühen sie – und leuchten.

Fotostrecke: Was sind Sternschnuppen?

Von Andreas Sträter

Ein Sternschnuppenschauer ist wie ein Feuerwerk am Himmel. Woher kommen Sternschnuppen eigentlich? Wie sind sie entstanden? Und: Worin unterscheiden sich Meteoroiden und Meteoriten?

 Eine Sternschnuppe ist in der Nacht am Sternenhimmel

Ein heller Lichtstreifen am Nachthimmel - und der Beobachter hat einen Wunsch frei. Dem Volksmund zufolge muss er die Augen schließen und kann sich etwas wünschen, darf aber niemandem davon erzählen. Auch die Wissenschaft beschäftigt sich mit diesen Leuchterscheinungen in der Atmosphäre.

Ein heller Lichtstreifen am Nachthimmel - und der Beobachter hat einen Wunsch frei. Dem Volksmund zufolge muss er die Augen schließen und kann sich etwas wünschen, darf aber niemandem davon erzählen. Auch die Wissenschaft beschäftigt sich mit diesen Leuchterscheinungen in der Atmosphäre.

Sternschnuppen entstehen, wenn kleine Objekte aus dem All mit der Atmosphäre kollidieren und durch die Reibungshitze verglühen, erklärt der Berliner Planetenforscher Ulrich Köhler. Dabei würden Moleküle entlang der Flugbahn des Meteoroiden ionisiert und so zum Leuchten angeregt, so dass für Sekundenbruchteile eine helle Spur am Himmel sichtbar ist. Dies geschieht meist in einem "schmalen Einschusskanal" in einer Höhe von 80 bis 120 Kilometern.

Sternschnuppen sind ein atmosphärisches Phänomen. In der Astronomie und der Meteorologie nennt man das Phänomen einen "Meteor". Sternschnuppen sind also allesamt kleine Meteoroiden (mit weichem "d"). "Nur sehr selten sind die in die Atmosphäre eindringenden Teilchen größere Brocken von mehreren Zentimetern oder gar Metern Größe, die dann für mehrere Sekunden einen sehr spektakulären Meteor ausbilden", erklärt Köhler vom Institut für Planetenforschung. Diese Meteore werden auch als Feuerkugeln bezeichnet.

Es kann allerdings auch sein, dass Reste eines solchen Boliden – wie hier im Jahr 2013 bei Tscheljabinsk in Russland – auf die Erde fallen. "Die werden aber durch die in Richtung des Bodens immer dichter werdende Atmosphäre immer stärker abgebremst", erläutert Köhler. Bei einem solchen Phänomen spricht der Fachmann von einem Meteoriten (mit hartem "t"). Ein solcher Meteorit besteht aus Stein und Eisen oder – das kommt sehr selten vor – aus reinem Eisen und Nickel. Meteoriten werden häufig in der Wüste gefunden. Dort fallen sie schneller auf und verwittern oder rosten nicht so stark.

Um Meteorit, Meteor und Meteoroid nicht zu verwechseln, hilft dieser kosmische Merksatz als Eselsbrücke: "Der Meteoroid endet auf d, weil er sich um die Sonne dreht. Der Meteor endet auf r, weil er zur Erde rast. Und der Meteorit endet auf t, weil er den Erdboden trifft."

Meistens treten Sternschnuppen verteilt auf, doch manchmal lässt sich ein regelrechter Meteorschauer – so wie in diesen Tagen mit dem Perseidenschauer – mit bis zu 60 Sternschnuppen pro Stunde beobachten. Die Perseiden sind recht schnelle Sternschnuppen, denn sie treten mit rund 216.000 Kilometer pro Stunde in die Erdatmosphäre ein. Mit dieser Geschwindigkeit würde ein Flug von der Erde zum Mond nur eineinhalb Stunden dauern.

Die Perseiden sind abgelöste Trümmerstücke des Kometen 109P/Swift-Tuttle. In den 1860-er Jahren bemerkte der italienische Astronom Giovanni Virginio Schiaparelli zunächst, dass die regelmäßig im August auftretenden Sternschnuppen offenbar im Zusammenhang mit einem Kometen stehen, der 1862 von Lewis Swift und Horace Tuttle entdeckt worden war und die Sonne alle 130 Jahre auf einer langgestreckten Ellipsenbahn umrundet. Wenige Jahre später konnte er auch einen Zusammenhang zwischen den "Leoniden" im November und dem Kometen "Tempel-Tuttle" aufzeigen.

Es gibt zwei große Sternschnuppenschauer, die Himmelsgucker im Jahresverlauf beobachten können. Um den 12. August herum treten Jahr für Jahr die Perseiden auf, während die so genannten Geminiden im Advent erscheinen. Der Name der Geminiden leitet sich vom Sternenbild der Zwillinge ab. Nur wenige Tage später tritt ein weiterer Meteorensturm auf: "Um Weihnachten herum kommen noch die Ursiden", erläutert Planetenforscher Ulrich Köhler. Allerdings ist dieser Meteorensturm, der aus dem Sternenbild des Bären kommt, mit nur bis zu 20 Sternschnuppen pro Stunde deutlich schwächer als die Perseiden oder die Geminiden.

Weitere Sternschnuppenschauer sind die Quadrantidenen im Januar, Überreste eines Asteroiden, oft hell und groß. Im April treten gdie Lyriden und Puppiden auf Und im Sommer gibt's dann zwar auch noch die Aquariiden und Capricorniden, aber die "Stars" sind die Perseiden. Sie sind eindeutig sind die bequemste und beeindruckenste Form der Sternschnuppen-Nächte.

Um sich das regelmäßige Auftreten von Sternschnuppenströmen verständlich zu machen, sollte man sich ein Kettenkarussell auf der Festwiese eines Dorfes vorstellen. In unmittelbarer Nachbarschaft dazu befindet sich einen aktiver Bewässerungssprenger, dessen Wasserstrahl das Karussell an einer Stelle streift. Ein Kirmesbesucher, der sich auf dieses Karussell setzt, wird dann regelmäßig immer an der gleichen Stelle nass gespritzt, so wie die Erde immer an der gleichen Stelle ihrer Bahn (und damit Jahr für Jahr zur gleichen Zeit) durch die Staubwolke entlang der ursprünglichen Kometenbahn treibt.

Legende: Märtyrer Laurentius weint feurige Tränen

Nach einer Legende werden die Perseiden auch als "Laurentiustränen" bezeichnet. Der Name erinnert an den heiligen Laurentius, der am 10. August 258 unter der Herrschaft des römischen Kaisers Valerian den Märtyrertod starb.

Seither regnet es an diesem Tag feurige Himmels-Tränen – auch, wenn man sie von der Erde nicht immer erkennen kann. Dieses Jahr sei für uns insgesamt ein schwacher Perseiden-Jahrgang, ordnet die Bochumer Astronomin Susanne Hüttemeiser ein: "Nächstes Jahr wird viel besser, zumindest von der Mondphase her", verspricht sie.

Stand: 11.08.2017, 06:00