Vom Kellerraum auf die Weltbühne

Katar Roboterolympiade

Schüler bei Roboterolympiade

Vom Kellerraum auf die Weltbühne

Von Andreas Sträter

Ausgerechnet ein Roboter für die Kältesteppe: Mit ihrer Methansensor-Maschine punktete ein Team aus Schwerte am Wochenende im heißen Katar. Beim Weltfinale der Roboterolympiade belegten die Nachwuchs-Konstrukteure als bestes Team Europas Platz vier.

Der Kellerraum in der Gesamtschule in Schwerte sieht nicht nach High-Tech aus. Die Schulband hat hier mal gespielt, doch das ist Vergangenheit. Seit einigen Jahren werden an diesem Ort Roboter entwickelt. In diesem Jahr ist dort eine Maschine entstanden, die es bei der Roboter-Olympiade im Wüstenstaat Katar auf die Weltbühne geschafft hat. Die Oberstufenschüler Tim Luhmann (18), Lea Jehn (17) und Pascal Höhnel (18) haben einen Roboter entwickelt, der Menschen beim Erforschen gefährlicher Gebiete helfen kann. In der offenen Entwickler-Kategorie (Open Senior) sind die Schwerter in ihrer Altersklasse am Sonntag (8.11.2015) als bestes europäisches Team mit dem vierten Platz ausgezeichnet worden.

Das Weltfinale der Roboter

Roboterolympiade Dortmund

Bei der "World Robot Olympiad" (WRO) in Katar sind 500 Teams aus der gesamten Welt gegeneinander angetreten. Die Teilnehmer maßen sich in verschiedenen Kategorien. In einer Kategorie konkurrierten die Roboter im Fußball, in einer anderen wurden die Maschinen über einen Parcours geführt. Zusätzlich gab es eine dritte Kategorie, die offen gestaltet war. Begutachtet wurden die Leistungen der Roboter und der acht bis 19 Jahre alten Tüftler – je nach Aufgabenstellung – von Schiedsrichtern oder einer Jury. Deutsche Teams mussten sich im Juni in der Dortmunder Helmut-Körnig-Halle, einer Leichtathletikhalle direkt neben dem Westfalenstadion, bei der bundesweiten Finalveranstaltung qualifizieren. Veranstalter der WRO in Deutschland ist der Verein "Technik Begeistert".

Ausgerechnet einen Lösungsansatz für die Kältesteppe in Russland präsentieren die Schüler aus dem Kreis Unna in einem der heißesten Staaten der Welt. "Wir haben uns für die Tundra entschieden, weil die Kältesteppe als ein gefährliches Gebiet gilt", erläutert Luhmann. Dort schlummerten Methangase im Boden, die plötzliche Explosionen auslösen könnten, so Luhmann. Das Gebiet sei viel zu gefährlich für einen Menschen, nicht aber für das Robotermodell aus Schwerte.

Komination aus Informatik und Ingenieurwesen

Roboter-Team aus Schwerte vor einem Plakat

Im Gesamtschul-Kellerraum entstand der Methanroboter

Der Roboter der Gesamtschüler kann das Gas durch einen Methansensor erschnuppern. Entdeckt die Maschine Methan, werden die Daten an einen Rechner weiter gebeben. Außerdem piept es. In Katar präsentierte die Mannschaft den Roboter in einer künstlichen Steinlandschaft, die die Landschaft der russischen Tundra darstellen sollte. Das farb- und geruchslose Gas ist ein Hauptbestandteil von Erdgas und wird als Heizgas eingesetzt. Die chemische Industrie setzt Methan für die Zusammensetzung neuer Stoffe ein.

Die Entwicklung des Schwerter Roboters begleitete die Pensionärin Gabriele Kordel. Für die ehemalige Mathematik- und Physik-Lehrerin ist der von asiatischen Mannschaften dominierte Roboter-Wettbewerb ein Herzensprojekt. Schon beim bundesweiten Finale der Roboterolympiade platzierte sich das Teams weit vorne. "Die Teilnahme am Weltfinale, das war die Cocktailkirsche auf der Sahnetorte", sagt Kordel. "Der vierte Platz ist unglaublich." Ihre Schüler würden nicht nur die Wettbewerbsatmosphäre mitnehmen, sondern auch was lernen: "Denn das, was wir hier machen, ist eine Kombination aus Mathe, Informatik, Bauingenieurwesen und wissenschaftlichem Arbeiten", sagt sie.

Teams aus Asien besonders stark

Technisches Verständnis sollte an auch deutschen Schule intensiver gefördert werden, sagt die Lehrerin. "Zunächst mal benötigt man einen Raum und Equipment", so Kordel. Der Roboter-Wettbewerb sei auch deshalb von den Teams aus Asien dominiert, weil in diesen Ländern das Technik-Thema vor allem an privaten Eliteschulen stärker gefördert werde. In ihrer Altersklasse war die Mannschaft aus Schwerte das einzige deutsche Team in der "Open Category". In dieser Kategorie geht es um das Erschaffen neuer Roboter, die den Menschen in irgendeiner Weise voran bringen.

Roboterkonstrukteur bei der Arbeit

Konstrukteur Tim Luhmann werkelt am Methanroboter

Roboterprojekte oder Robotik-AGs in der Schule, das ist auch eine Forderung aus der Industrie und der Wissenschaft. "Mein Wunsch wäre, dass vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels in Deutschland, junge Menschen zukünftig noch einfacher Zugang zu diesem spannenden Thema finden", sagt Robotik-Professorin Martina Lehser von der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Saarbrücken. Beim Entwickeln von Robotern stehe immer auch das selbstständige Ausprobieren und die Entwicklung kreativer Problemlösungen im Vordergrund, so Lehser.

Wie gehts mit dem Roboter-Modell weiter?

Roboter Team Schwerte

Das Technik-Trio aus Schwerte

Dass das Schwerter Technik-Trio ihren Methansensor-Roboter auf der Weltbühne zeigen konnte, könnte sich lohnen. "Vielleicht hat uns ja in Katar eine ausländische Firma entdeckt, die unseren Roboter nachbauen möchte", sagt Lehrerin Gabriele Kordel. "Aus unserem Modell ließe sich ein Roboter für den wirklichen Einsatz in der Tundra entwickeln."

Stand: 08.11.2015, 15:25