Physiknobelpreis: Vom Stauchen und Dehnen der Erde

Gravitationswellen

Physiknobelpreis: Vom Stauchen und Dehnen der Erde

Der Physiknobelpreis geht an drei US-Forscher, die zum ersten Mal Gravitationswellen direkt nachweisen konnten. Die Ergebnisse erlauben eine vollkommen neue Wahrnehmung unseres Universums.

  • Nobelpreis für Physik geht an drei Forscher aus den USA.
  • Sie haben Gravitationswellen erstmals direkt nachgewiesen.
  • Forschung bringt einen neuen Blick auf das Universum.

Wofür haben die drei den Preis bekommen?

Kip Thorne, Rainer Weiss und Barry Barish haben es mit ihren internationalen Teams tatsächlich geschafft, Gravitationswellen direkt nachzuweisen, und damit eine alte Theorie des berühmten Albert Einsteins bestätigt. Der hatte die Wellen schon vor hundert Jahren in seiner Relativitätstheorie beschrieben. Gravitationswellen kann man sich extrem grob vereinfacht so vorstellen wie Wellen in einem Teich, in den man einen Stein reinschmeißt. Für Gravitationswellen braucht es allerdings wesentlich "größere" Massen als ein Steinchen. Wenn sich sehr massereiche Objekte, zum Beispiel schwarze Löcher, im Universum bewegen, bringen sie dabei das Gerüst unseres Universums, die sogenannte Raumzeit, zum schwingen. Diese Schwingungen werden als Gravitationswellen bezeichnet.
Sie wandern in unserem Universum durch alles hindurch und dehnen und stauchen es dabei - also auch unsere Erde. Aber keine Sorge, davon kriegen wir überhaupt nichts mit. Die Größenordnung ist winzig, gestaucht und gedehnt wird nur um den Bruchteil der Größe eines einzelnen Atoms. Einstein glaubte auch deswegen nicht daran, dass man die Gravitationswellen jemals nachweisen würde können. Da lag er - ausnahmsweise - mal falsch. Die technische Meisterleistung dieser extrem genauen Messung gelang.

Was sagt die Community?

Die ist nicht überrascht. Selten war man sich so sicher, für was es den Nobelpreis geben würde. Und dass er verdient ist, daran besteht kein Zweifel.

Dass der Nachweis der Gravitationswellen generell gelang, darüber hat sich auch der Meister gefreut:

Wer steckt noch dahinter?

Unheimlich viele andere Forscher. Albert Einstein, klar, der legte ja die theoretische Grundlage. In den 90ern gab es außerdem schon einmal einen Nobelpreis für die Gravitationswellen - allerdings für einen indirekten Nachweis. Am direkten Nachweis, für den es jetzt den Nobelpreis gab, sind rund 1000 Wissenschaftler und zahlreiche Institute weltweit beteiligt gewesen. Ein Problem, denn nach den offiziellen Statuten darf das Nobelpreiskommitee maximal drei Forscher auszeichnen. Das haben sie zwar auch dieses Mal gemacht, aber die drei Wissenschaftler stehen stellvertretend für eine ganze Forschungsrichtung, der damit Anerkennung gezollt wird.

Stand: 03.10.2017, 13:54