Physiknobelpreis: Was bringen die Gravitationswellen der Menschheit?

Physiknobelpreis: Was bringen die Gravitationswellen der Menschheit?

Der Physiknobelpreis geht an drei US-Forscher, die zum ersten Mal Gravitationswellen direkt nachweisen konnten. Die Ergebnisse erlauben eine vollkommen neue Wahrnehmung unseres Universums.

Was hat es der Menscheit gebracht?

Einfach gesprochen: einen komplett neuen Sinn der Wahrnehmung. Bislang konnten wir sichtbares Licht mit optischen Teleskopen, Röntgenstrahlung mit Radioteleskopen, Wärmestrahlung und vieles mehr erfassen. Aber auch wenn das alles sehr unterschiedlich klingt: Es ist alles elektromagnetische Strahlung.
Und elektromagnetische Strahlung zu messen ist zwar schön und wichtig, doch nur vier bis fünf Prozent des Universums lassen sich so erfassen. Schwarze Löcher beispielsweise könnte man nur mit elektromagnetischer Strahlung nie wirklich beobachten, denn sie verschlucken sie einfach und lassen nichts nach außen dringen. Mit Gravitationswellen lassen sich nun auch schwarze Löcher direkt beobachten - und noch vieles mehr, was uns bisher verborgen blieb.

Warum bekommen die Forscher den Nobelpreis gerade in diesem Jahr?

Weil es im vergangenen Jahr zu knapp war. Die Forscher entdeckten die Gravitationswellen zwar schon 2015, gingen mit ihren Ergebnissen aber erst im Februar 2016 an die Öffentlichkeit - etwas mehr als ein halbes Jahr vor der Nobelpreisbekanntgabe. Ein halbes Jahr ist in der Wissenschaft ein relativ kurzer Zeitraum, das Nobelpreiskomittee wollte damals vermutlich noch ein bisschen abwarten, ob die Ergebnisse der Forscher so auch wirklich stimmen. Seitdem gab es dann insgesamt vier weitere Nachweise der Gravitationswellen - es führte also eigentlich kein Weg dran vorbei.

Ach, übrigens...

Rainer Weiss, einer der Nobelpreisträger ist gebürtiger Deutscher, immigierte aber in die USA. Ein anderer Deutscher ist leider leer ausgegangen: Karsten Danzmann. Der Physiker vom Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik beschäftige sich intensiv mit der Laserapparatur, die zum Nachweis der Gravitationswellen nötig ist. Für viele galt er als Mitfavorit auf den Preis. Kleiner Trost, vor kurzem erst bekam er den renomierten Körber-Preis. Im Interview gab er an, dass der Nobelpreis zwar schön wäre, es ihm aber schon reichen würde, wenn irgendwer aus der Gravitationswellenforschung den Preis bekomme.

Stand: 03.10.2017, 14:25