Was bringt das den Menschen?

Gewinner des Nobelpreises für Medizin 2017

Was bringt das den Menschen?

Von Christina Sartori

Die genetische Basis unserer inneren Uhr ist nun entschlüsselt. Doch welchen praktischen Nutzen hat die Forschungsleistung der US-amerikanischen Nobelpreisträger für die Menschen?

Was hat es der Menschheit gebracht?

Die Forschung bringt uns grundlegende Erkenntnisse darüber, wie unser Körper funktioniert. Er ist nicht immer gleich aktiv, sondern folgt einem Rhythmus von etwa 24 Stunden. Was man heute auch weiß: Wird dieser innere Rhythmus gestört, zum Beispiel durch Schichtarbeit, dann kann das krank machen. Studien zeigen, dass langjährige Schichtarbeit das Risiko für Brustkrebs erhöht, ebenso wie für Übergewicht und Diabetes.

Auch die Wirksamkeit von Impfungen oder Medikamenten ist unterschiedlich zu verschiedenen Tageszeiten. Experten vermuten, dass mancher Test von Medikamenten anders verlaufen würde, wenn man vorher bei den Testteilnehmern bestimmt hätte, wie ihre innere Uhr tickt.

Nobelpreismedallie

Nobelpreis: Medaille und rund 940.000 Euro

Forscher der Charite Berlin entwickeln derzeit einen Bluttest, mit dem man unkompliziert feststellen könnte, zu welchem Chronotyp ein Mensch zählt: Frühaufsteher oder Abendmensch. Mit diesem Ergebnis könnte man Teilnehmern von Medikamentenstudien die Medikamente dann geben, wenn es nach ihrer inneren Uhr am günstigsten ist. Die Hoffnung: So könnten manche Medikamente eine Wirkung zeigen, die man jetzt nicht sieht, weil sie zum falschen Zeitpunkt gegeben wurden. Der Test ist noch in der Entwicklung und wird frühestens in ein bis drei Jahren auf den Markt kommen.

Warum bekommen die Forscher den Nobelpreis gerade in diesem Jahr?

Das kann keiner so genau sagen, jedenfalls gab es keinen speziellen Anlass. Es handelt sich um wichtige und grundlegende Erkenntnisse, die die Basis für viel weitere Forschung sind, und an denen auch nach mehreren Jahrzehnten nichts zu kritisieren ist.

Ach übrigens …

Jeffrey C. Hall gilt als etwas eigener Mensch. Er forscht nicht mehr und betreibt einen Biobauernhof. Michael Rosbash soll nach Aussagen eines Kollegen ein meinungsfreudiger Wissenschaftler sein, der zum Beispiel bei Konferenzen darauf achtet, dass der wissenschaftliche Standard hoch gehalten wird – also jemand, der gerne auch mal die Arbeit anderer kommentiert.

Er forscht noch in den USA, besitzt aber seit einiger Zeit einen deutschen Pass. "Weil er das deutsche Rentensystem gut findet", sagt Prof. Achim Kramer, "aber das war eher ein Scherz von Rosbash." Der Grund liegt wohl eher in seiner Familiengeschichte: Seine Eltern flohen damals aus Deutschland vor den Nazis – in den vergangenen Jahren ist er sich seiner deutschen Wurzeln bewusst geworden.

Stand: 02.10.2017, 13:31