Tote Bäume für mehr Artenvielfalt

Förster Arndt nagelt Specht-Icon an toten Baum

Tote Bäume für mehr Artenvielfalt

Von Corina Wegler-Pöttgen

  • Knapp 15.000 Biotopbäume erfasst
  • Stehendes Laubholz am wertvollsten
  • Specht kennzeichnet Biotopholz

Die Eiche im Waldgebiet Himmelpforten bei Arnsberg ist um die 150 Jahre alt. Sie liegt auf dem Boden. Tot. Morsch. Förster Carsten Arndt reißt ein Stück von der Rinde ab. Darunter krabbelt es: Dicke Larven winden sich,  daneben huscht ein Käfer. An einer Seite des Stammes wächst Moos, an der Seite sind mehrere große Baumpilze zu sehen.

Lebensraum Totholz

Förster zeigt auf Pilze auf liegendem Baumstamm

Nährboden für prächtige Pilze

Ein Drittel aller Tierarten im Wald brauchen alte, absterbende und tote Bäume als Lebensraum. Klein- und Kleinstlebewesen, aber auch Fledermäuse und Spechte. Wildkatzen lieben sonnige Verstecke in den Wurzeltellern umgefallener Bäume, und seltene Vögel wie der Rotmilan bauen ihre Horste in den Kronen uralter Bäume.

Die Experten sprechen von Biotopholz und Biotopbäumen, mit dem Prädikat "besonders wertvoll". Wobei es durchaus Unterschiede gibt: Laubholz ist wertvoller als Nadelholz, aufrecht stehendes Totholz bedeutsamer als liegendes, und solches mit Rinde bietet mehr als Totholz ohne Rinde.

 Urwälder im Mini-Format

In größerem Stil blieben abgestorbene Bäume bisher nur im Nationalpark Eifel und in den 170 Naturwaldzellen und Wildnisgebieten in NRW im Wald liegen. Also in Wäldern, in denen die Natur sich selbst überlassen bleibt und der Mensch nicht eingreift. Durch die Biotopbäume entstehen dagegen auch im bewirtschafteten Staatswald "Mikro-Urwälder" – ein Miteinander von Ökonomie und Ökologie 

Das Netz der Biotopbäume soll engmaschig werden. Denn: Viele seltene Tier- und Pflanzenarten können sich nicht weit bewegen. Sind die Biotope weit voneinander entfernt, bleiben sie isoliert. Die Biotopbäume wirken wie Trittsteine, über die sich die Arten austauschen können. 

Kennzeichen Specht

Die Förster markieren die morschen Bäume mit einer Plakette, auf der ein Specht zu sehen ist, und erfassen sie in einem Geoinformationssystem. "Bis jetzt sind knapp 15.000 Bäume ausgesucht worden. Das entspricht 55.000 Kubikmeter Biotopholz", rechnet Ökologe Burkhard Herzig von Wald und Holz NRW vor.

Mit den Biotopplaketten wollen die Förster den Waldbesuchern zeigen, dass die alten und toten Bäume bewusst der Natur überlassen werden. "Wir haben manchmal Wanderer, die stört die Unordnung", sagt Förster Arndt. "Aber das ist das, was wir wollen: Viel Totholz am Boden, mit vielen Ästen, das ist das, was die Natur auch produzieren würde."

Weiße Maden auf Totoholz

Reichlich Leben unter der Rinde

Stand: 21.04.2017, 09:24