Lernen, mit dem Wolf zu leben

Wolf

Lernen, mit dem Wolf zu leben

  • Naturschützer und Schäfer: Erste Einigung zum Umgang mit Wölfen
  • Wolfsmanagement in den Bundesländern
  • Investition in Schutzzäune und schnellerer Schadensausgleich

"Es geht nicht mehr darum, ob das Zusammenleben mit Wölfen funktioniert, sondern wie", sagt Moritz Klose, Wildtierexperte beim Umweltschutzverband WWF, am Donnerstag (31.08.2017) in Berlin. Naturschützer, Tierfreunde und Schäfer haben sich erstmals auf eine gemeinsame Strategie im Umgang mit Wölfen in Deutschland geeinigt.

Zum ersten Mal haben sich Naturschützer und Nutztierhalter geeinigt

Proteste in Spanien gegen das Töten von Wölfen (Mai 2016)

Viele Menschen setzen sich für Wölfe ein

Bisher habe es beim Thema Wolf eher Grabenkämpfe zwischen verschiedenen Interessengruppen und emotionale Diskussionen gegeben, so Klose. In dem neuen Programm "Weidetierhaltung und Wolf in Deutschland. Eckpunkte für ein konfliktarmes Miteinander" ziehen nun unter anderem BUND, Nabu, WWF, der Bundesverband der Berufsschäfer, der Tierschutzbund und der Ökologische Jagdverband an einem Strang.

Abschuss von "Problemwölfen"

Schäfer, Hund und Schafe

Schäfer und Hund passen auf die Schafe auf

Gemeinsam sprechen sich die Verbände für ein Wolfsmanagement in den Bundesländern und einen schnellen Schadensausgleich nach Wolfsattacken auf Nutztiere aus. Das neue Bündnis plädiert zudem für 1,20 Meter hohe Elektrozäune, um Nutztiere vor Wölfen zu schützen. Als weitere Möglichkeit werden ausgebildete Herdenschutzhunde wie Pyrenäenberghunde empfohlen, die anders als Hütehunde, Wölfen Paroli bieten.

Die Einigung umfasst auch den Abschuss von "Problemwölfen" durch Naturschutzbehörden als letztes Mittel. "Einzelne Wölfe dürfen nicht die Akzeptanz für die ganze Art gefährden", so Klose.

Schmidt: " Wolf ist nicht pauschal unantastbar"

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) sagt, Deutschland brauche ein Wolfsmanagement, das bestandserhaltend ist, aber nicht zu wachsenden Konflikten führt: "Der Wolf darf nicht pauschal als unantastbar betrachtet werden. Dort, wo er in zu großer Zahl auftritt und der Schutz der Nutztierbestände vor dem Raubtier nicht möglich ist, brauchen wir eine Bestandsregulierung."

Wölfe haben seit 2000 bundesweit 3.500 Nutztiere gerissen

Gerissene Schafe liegen auf einer Wiese in Kummersdorf, Teltow-Fläming, Brandenburg (Mai 2017)

Viele gerissene Schafe in Brandenburg

Seit ihrer Rückkehr nach Deutschland vor rund 17 Jahren haben Wölfe mehr als 3.500 Nutztiere gerissen. Das berichtet die "Neue Osnabrücker Zeitung" am Donnerstag (31.08.2017) und beruft sich dabei auf eine eigene Umfrage in den Bundesländern. Die größten Verluste verzeichneten demnach Brandenburg mit 1.100 und Sachsen mit 895 gerissenen Tieren. 16 Risse meldet das NRW-Umweltministerium. Seit 2009 wurden in NRW insgesamt 18 Wölfe nachgewiesen. Es handelt sich um durchziehende, nicht sesshafte Einzeltiere.

Stand: 31.08.2017, 13:00