Friedhofsgestecke schmecken Wildtieren gut

Friedhof Dortmund

Friedhofsgestecke schmecken Wildtieren gut

Von Andreas Sträter

  • Wildtiere zieht es zu Allerheiligen auf die Friedhöfe
  • Tipps, um Tiere von Gräbern abzuschrecken
  • Friedhöfe als "Hot-Spots der Biodiversität"

Wildtiere verstehen Allerheiligen als eine Einladung zum Abendmahl. Zum Gedenken an ihre verstorbenen Angehörigen legen Menschen in katholischen Gegenden Grabschmuck, Blumensträuße und frische Kränze aufs Grab – für Rehe, Füchse, Dachse, Eichhörnchen und Wildschweine ein gefundenes Fressen.

Reh, Fuchs, Engel, montiert

Friedhöfe locken Wildtiere mit abwechslungsreichem Büfett

"Die Tiere wissen ganz genau, dass es auf den Friedhöfen was zum Futtern gibt", erläutert Eva Goris, Sprecherin der Deutschen Wildtier Stiftung. Angelockt werden sie von ihrem guten Geruchssinn. Rehe mögen zum Beispiel nicht nur frische Rosenblätter, Brombeerblätter und Tannenzweige: "Sie finden auch getrocknete Kranz-Beeren echt lecker", sagt Goris. Solange Blumen nicht hochgiftig sind, probieren sie alle Sorten, die sie auf einem Friedhof finden.

Füchse mögen Kerzenöl

Füchse und Waschbären hingegen interessierten sich vor allem für Abfälle, die die Besucher in Parks oder auf Friedhöfen hinterlassen. Nach Angaben der Deutschen Wildtier-Stiftung knabbern Füchse auch an Grablichtern: "Weil sie den öligen Geschmack des Kerzenwachses mögen." Von Dachsen ist bekannt, dass sie sich auf einigen Waldfriedhöfen bereits eigene Toiletten – die so genannten Dachslatrinen – eingerichtet haben.

Ein einzelnes Wildschwein neben einem Baum

Wildschweine mögen Friedhöfe

Nachts zieht es auch Wildschweine auf die Friedhöfe. Sie wühlen zwischen Kreuzen und lockerer Graberde, um dort nach Insekten zu suchen. Statt im Wald mühsam nach Futter zu suchen, zieht es die Tiere ans gemachte Büfett.

Fünf Tipps, um Wildtiere abzuschrecken

  • Blütenblätter von Rosen mit Buttermilch besprühen
  • Blüten, Beeren und Knospen mit Pfeffer und Chillipulver bestreuen – Wildtiere mögen keine Scharfmacher
  • Gräber mit Dornenhecken oder Berberitzen umranden
  • Pflanzen setzen, die Wildtiere verschmähen: zum Beispiel Flieder, Hortensien, Knoblauch, Fingerhut, Salbei, Thymian oder Liebstöckel
  • Flatterndes Absperrband in Beetnähe – wirkt wie eine Vogelscheuche

Artenreiche Naturoasen mitten in der Stadt

Der Kölner Melatenfriedhof

Naturparadies Kölner Melatenfriedhof

Große Friedhöfe in Städten seien für Wildtiere echte Naturoasen, erläutert der Botaniker Bernd Machatzki, Mitarbeiter des Landesbeauftragten für Natur- und Landschaftspflege der Stadt Berlin.

"Friedhöfe sind die Hot-Spots der Biodiversität in unseren Innenstädten", sagt er und ergänzt: "Sie sind oft artenreicher als gleichgroße Parkanlagen." Weil es auf den Friedhöfen oft noch viele alte Baumarten, seltene Zwiebelgewächse, wilde Ackerunkräuter und üppige Hecken gibt.

Rücksicht auf bedrohte Pflanzen

Immer mehr Pflanzen- und Tierarten nutzen den Friedhof als Rückzugsort, so dass sogar bedrohte Arten überleben können – mitten in Berlin, Dortmund oder Köln. Viele Verwaltungen haben mittlerweile den Wert der Natur auf Friedhöfen neu erkannt, so Machatzki.

Wo früher Ordnung herrschte, wird jetzt Rücksicht genommen: Wiesenstreifen werden nicht mehr wöchentlich gemäht, und abgestorbene Bäume werden stehen gelassen – ein guter Lebensraum für Spechte und holzliebende Käfer.

Stand: 30.10.2017, 06:00