Die wilde Verwandtschaft der Honigbiene

Die wilde Verwandtschaft der Honigbiene

Von Katja Goebel

Über 360 Wildbienenarten gibt es in NRW und häufig werden sie gar nicht gleich erkannt. Denn: Die Tiere tarnen sich auch schon mal im Wespenkostüm oder werden glatt mit Fliegen verwechselt.

Wollbiene an einer Lavendelblüte

Im Gegensatz zur Honigbiene sind Wildbienen Spezialisten. "Die deutschlandweit 500 Arten haben ganz unterschiedliche Mundwerkzeuge und sind an ganz unterschiedliche Blüten angepasst. So können sie zusammengenommen im Gegensatz zur Honigbiene alle heimischen Blütenarten bestäuben", sagt Thomas Hövelmann, Projektleiter, NABU-Naturschutzstation Münsterland. Wir werfen einen Blick auf ein paar Wildbienenarten und ihre Fähigkeiten.

Im Gegensatz zur Honigbiene sind Wildbienen Spezialisten. "Die deutschlandweit 500 Arten haben ganz unterschiedliche Mundwerkzeuge und sind an ganz unterschiedliche Blüten angepasst. So können sie zusammengenommen im Gegensatz zur Honigbiene alle heimischen Blütenarten bestäuben", sagt Thomas Hövelmann, Projektleiter, NABU-Naturschutzstation Münsterland. Wir werfen einen Blick auf ein paar Wildbienenarten und ihre Fähigkeiten.

Sandbiene: Die überwiegende Anzahl der heimischen Wildbienen benötigt lehmige oder sandige Böden, um darin Bruthöhlen anzulegen. Viele Wildbienen leben solitär und bilden keine Staaten wie die Honigbiene. So bohrt zum Beispiel auch die Sandbiene einen kleinen Tunnel in die Erde, um dort ihr Nest zu bauen. In die Nistkammer werden ein Ei und Nahrungsvorrat gelegt, dann wird der Erdgang verschlossen. Ihre Brut bekommen die so lebenden Wildbienen also gar nicht erst zu Gesicht.

Seidenbiene: Auch die Seidenbiene bevorzugt Gänge in Lehm - oder Sandböden. Ihren Namen verdankt sie nicht ihrem Aussehen, sondern einer bestimmten Technik, ihre Bruthölle zu tapezieren. Mit einem Drüsensekret sorgt sie für eine seidenartige Auskleidung. "Eine Art der Seidenbiene, nämlich die Gemeine Seidenbiene, nutzt auch von Menschen gebaute Bienenhotels. An der Außenverkleidung erkennt man schon, wer in den Röhren sein Nest gebaut hat", erklärt Biologin Berit Philipp vom Nabu (Naturschutzbund) Münster. "Bei dieser Art sieht es so aus, als wäre das Eingangsloch mit Zellophan verschlossen worden."

Mauerbiene: Auch Mauerbienen sind in unseren Gärten zu finden. Gerne nutzen sie Totholz für ihre Brutnester oder besetzen die verlassenen Behausungen anderer Insekten. "Gerne zum Beispiel die Fraßgänge von Käferlarven im Holz", so Berit Philipp. Sie nimmt ebenfalls gerne von Menschen gebaute Nisthilfen für Bienen an - die aber müssen immer sonnig und trocken stehen. Wird das Bienenhotel nass, können sich schnell Pilze ausbreiten und die Brut gefährden. Die Bruthöhle der Mauerbiene verschließt das Tier mit einer Art Mörtel, den sie aus Speichel und Lehm selbst herstellt. Zu erkennen sind Mauerbienen an ihrer Bauchbürste, mit der sie Pollen sammeln

Holzbiene: Richtig dicke Brummer sind die Holzbienen, die noch größer sind als Hummelköniginnen. Holzbienen wandern langsam vom Süden her ins Land und breiten sich auch in NRW aus. Im Münsterland ist sie noch nicht angekommen, aber im Rheinland sei sie schon gesichtet worden, so die Biologin. Die Holzbiene frisst sich die Gänge zur Bruthöhle selber und nistet gerne im Totholz. Auch wenn sich Menschen häufig vor dem großen Insekt erschrecken, gibt Berit Philipp Entwarnung. Wildbienen seien friedlich. "Sie haben ja auch kein Volk zu verteidigen." Auch ihr Stachel könne die menschliche Haut gar nicht durchstechen. "Der Stachel hat keine Widerhaken, so wie bei der Honigbiene." Einzig die Hummeln, die auch zu den Wildbienen zählen, könnten schmerzhaft zustechen.

Die Garten-Wollbiene: Auf den ersten Blick könnte man die Garten-Wollbiene glatt für eine Wespe halten. Ihr schwarz-gelb gestreifter Leib signalisiert "Achtung". Doch wer sie beobachtet, stellt fest, dass sie nicht nur Blütennektar sammelt, sondern auch wie ein Hubschrauber in der Luft stehen kann. Männliche Wollbienen besetzen eigene Reviere und verteidigen sie kämpferisch - mit fünf Zacken, die sie am Hinterleib zur Waffe wandeln können - werden Rivalen in die Flucht geschlagen. Die Weibchen polstern ihre Nester mit wolligem Material, das sie von verblühten Pflanzen sammeln. Daher stammt ihr Name.

Blattschneiderbiene: Ist die Blattschneiderbiene am Werk, findet man bei Rosenblättern oder zum Beispiel Weiden - oder Birkenblättern kleine kreisrunde Fraßstellen. Die Blattstückchen braucht die Biene ebenfalls zum Nestbau. "Sie transportieren die Blattstücke gerollt unter ihrem Körper zur Niströhre und dort formen sie aus dem Blattmaterial und ihrem Speichel ihre Brutzellen", erklärt Berit Philipp. Die Gerbsäure aus den Blättern hat für die Bienen gleichzeitig eine Schutzfunktion. "Sie schützt die Brut vor Verpilzung."

Bienen brauchen Blumenwiesen: Hauptursache für den dramatischen Schwund der Wildbienen sei die fehlende Struktur in der Landschaft. Blumenreiche Wiesen und Weiden, strukturreiche Waldränder und Totholz sind vielerorts aus der Landschaft verschwunden.

Das Gleiche gelte natürlich für heimische Gärten. Bei gepflegtem Golfrasen, Buchsbaum und Geranien ist für Bienen nichts zu holen. "In so einem Garten würde eine Biene glatt verhungern und was noch schlimmer ist, sie hätte keine Nahrung für ihren Nachwuchs", so Thomas Hövelmann von der Nabu-AG Botanik. Dabei braucht es gar nicht viel für die naturnahe Gestaltung im Garten. Schon blühende Kleeblumen auf dem Rasen sind eine echte Bienenweide.

Im Gegensatz zu der von Menschen gepäppelten Zuchtbiene (Foto), wird die Lage für die wilde Verwandtschaft immer bedrohlicher. Von den über 500 Wildbienenarten in Deutschland steht schon die Hälfte auf der Roten Liste. Laut Umweltministerium sind von den 364 Wildbienenarten allein in NRW schon 45 ausgestorben.

Würden die Wildbienen aussterben, würde ein Großteil der Wildpflanzen und Obstbäume nicht mehr bestäubt. "Das könnte man auch durch Honigbienen nicht auffangen," so Hövelmann. Aussterbende Pflanzen und Ernteeinbrüche wären die Folge. Etwa ein Drittel der weltweiten Nahrungsmittelproduktion wird von Bestäubung beeinflusst. Laut NABU habe eine internationale Studie zudem gezeigt, dass die wildlebende Verwandtschaft effektiver arbeitet als die Honigbienen.

Stand: 03.07.2017, 06:00 Uhr