Wiesen als wirksamer Hochwasserschutz

Überschwemmte Wiesenflächen beim Rheinhochwasser am Niederrhein

Wiesen als wirksamer Hochwasserschutz

Hochwasser kann katastrophale Folgen haben. Beim Hurrikan Harvey hätte es noch schlimmer kommen können. Salzwiesen hätten noch größere Schäden verhindert, beweist eine aktuelle Studie.

Feuchtgebiete an Küsten können katastrophale Verwüstungen wie durch Hurrikan Harvey effektiv verringern. Das zeigt eine neue US-Studie, die am Donnerstag (31.08.2017) im Fachjournal "Scientific Reports" veröffentlicht worden ist.

Die Forscher der University of California in Santa Cruz hatten die Salzwiesen in einem Landstrich im US-Bundesstaat New Jersey untersucht und herausgefunden, dass die Wiesen die jährlichen Schäden durch Überschwemmungen um durchschnittlich 16 Prozent senken.

Natürlicher Hochwasserschutz spart Geld

Die Ergebnisse ließen sich aber auch auf extremere Überflutungen übertragen. Allein im Fall des Hurrikans Sandy, der 2012 die Ostküste der USA traf, hätten Feuchtgebiete einen Schaden in Höhe von 625 Millionen US-Dollar (523 Mio Euro) verhindert. Damit sei der Gesamtschaden, den Sandy anrichtete, um etwa ein Prozent kleiner geworden. In Gebieten, die direkt hinter Feuchtgebieten lagen, war der Schaden um immerhin elf Prozent geringer.

Feuchtgebiete bieten doppelt Schutz

Auch am Golf von Mexiko, wo Harvey derzeit wütet, entfalten die Feuchtgebiete ihre doppelte Schutzwirkung - durch das Abschwächen hoher Flutwellen und durch das Aufsaugen von Wasser, wie die Forscher erklären. In den derzeit betroffenen Gebieten gebe es noch zahlreiche vor- oder eingelagerte Feuchtgebiete. Ohne diese natürlichen Hochwasser-Schutzzonen wären die Folgen des Hurrikans womöglich also noch schlimmer.

Natürlicher Hochwasserschutz in NRW

Die Erkenntnisse sind nicht wirklich überraschend: "Dass solche Rückhalteflächen, auch Retentionsflächen genannt, vor Hochwasser und damit auch vor Folgen des Klimawandels schützen, ist eigentlich ein alter Hut", sagt Peter Schütz vom NRW-Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV). Dass dieser natürliche Hochwasserschutz auch hierzulande einen Stellenwert hat, zeigen Projekte wie die Renaturierung der Emscher sowie zahlreiche Deich-Rückverlegungen in NRW. "Problematisch sind solche Maßnahmen oft, weil es Streit um die Flächen gibt: Die Wiesen-Flächen stehen dann eben nicht mehr als Bauland oder für die intensive Landwirtschaft zur Verfügung", erklärt Schütz weiter.

Vor allem das extensive, regellose Bauen wird auch im Zusammenhang mit Houston und Harvey immer wieder kritisiert. Und laut der aktuellen Studie lohnt sich natürlicher Hochwasserschutz. "Wenn es an den Wiederaufbau geht, sollten wir in diese grünen Ressourcen investieren", betont auch Michael Beck, Co-Autor der Studie.

Stand: 31.08.2017, 15:00