Wenn Wespen an Gartenmöbeln knabbern

Wenn Wespen an Gartenmöbeln knabbern

Bald ist die Wespensaison vorbei. Leere Nester erinnern an die Plagegeister. Schauen Sie mal genau hin - vielleicht sind auch Raspel Ihrer Gartenmöbel darin verarbeitet ...

Wespennest

Fragile Pracht: Das ist keine ausgefallene Tischlampe, sondern ein Wespennest - sorgfältig in tagelanger Arbeit zusammen gefügt. Das Baumaterial: Papier.

Fragile Pracht: Das ist keine ausgefallene Tischlampe, sondern ein Wespennest - sorgfältig in tagelanger Arbeit zusammen gefügt. Das Baumaterial: Papier.

Das stellen die Wespen selbst her - aus Bambus, Schilfrohr oder aus Holz. Eigentlich sind verfallene Bäume im Wald die erste Wahl, die Tiere verwerten aber auch Gartenmöbel, Bootsstege und Brücken.

Wenn das Holz ein bisschen verwittert und nicht lackiert ist, können sie sich Schicht für Schicht hinein raspeln. Es sieht aus, als würden sie es fressen - aber der Eindruck täuscht.

Gleichgültig, ob behandelt oder nicht: Haben die Wespen das Holz erstmal zerkleinert, tragen sie es zur Baustelle. Dort wird es, vermischt mit dem Speichel, zum Nest verbaut. Eine Technik, die alle echten Wespenarten und Feldwespen anwenden. Deswegen heißen sie "Papierwespen". Andere Arten setzen dagegen auf Lehm als Baumaterial.

Das Ergebnis ist so klein wie ein Tischtennis- oder so groß wie ein Fußball - je nachdem, ob eine Wespenlarve untergebracht werden muss oder der Nachwuchs eines großen Staates.

Die einzelnen Zellulose-Schichten sind hauchdünn. Drei dieser Schichten werden so ineinandergebaut, dass Kammern entstehen. Sie sind für den Nachwuchs reserviert. Die ausgewachsenen Wespen leben außerhalb - anders als Bienen in ihrem Stock.

Innen, in der kleinsten Kammer, sind die Larven untergebracht. Dort werden sie mit Nahrung versorgt, bis sie schlüpfen.

Wespen brauchen tierisches Eiweiß, besonders in der Phase, wenn die Brut aufgezogen werden muss. Sie fressen Nektar und Früchte, bohren sich in Trauben und Pflaumen. Deswegen machen sie sich im Sommer über die Grillwurst und den Pflaumenkuchen her.

Mitte August löst sich der Staat auf. Die Königin stirbt, nur ein paar Arbeiterinnen fliegen auf der Suche nach Nahrung aus. Das Nest bleibt leer - bis zur Besiedelung im nächsten Jahr. Dann wird es recycelt: gründlich zerkaut, mit Speichel vermischt - und wieder verbaut.

Stand: 22.08.2017, 12:49 Uhr