Wie steht es um das Wattenmeer?

Wie steht es um das Wattenmeer?

Von Anke Fricke

Vor 20 Jahren haben die Niederlande, Deutschland und Dänemark ein gemeinsames Schutzabkommen für das Wattenmeer verabschiedet. Welchen Erfolg hat es gebracht?

Sandbänke und Prile im Wattenmeer

Die weltweit einmalige Wattfläche erstreckt sich von den Niederlanden über Deutschland bis Dänemark. Gemeinsam haben diese drei Staaten am 22. Oktober 1997 den trilateralen Wattenmeerplan vereinbart.

Die weltweit einmalige Wattfläche erstreckt sich von den Niederlanden über Deutschland bis Dänemark. Gemeinsam haben diese drei Staaten am 22. Oktober 1997 den trilateralen Wattenmeerplan vereinbart.

Dieser soll den Schutz des Wattenmeers gewährleisten. "Naturschützer waren zunächst froh über die vielen Restriktionen", sagt Alexander Bartholomä, Geologe der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung in Wilhelmshaven. Dadurch sind direkte Umweltverschmutzungen etwa durch Einleitungen ins Meer nicht mehr möglich gewesen.

Nicht alle Anwohner sind von den Einschränkungen begeistert, Fischer fürchten um ihre Existenz. Die Angst ist unbegründet, ist Bartholomä überzeugt. "Diejenigen, die seit Jahrhunderten mit dem System leben, zerstören es in der Regel nicht." Industrielle Ausbeutungen kämen in der Regel von außerhalb der Naturschutzregionen. Heute würden in Schutzprogrammen die Menschen vor Ort enger einbezogen.

Für den Wissenschaftler Bartholomä ist das Schutzabkommen ein wichtiger Schritt für das einmalige Ökosystem gewesen: "Wenn man eine Fläche in Ruhe lässt, hat sie größere Chancen sich zu renaturieren."

Immerhin geht es einigen Bewohnern heute besser als vor 20 Jahren: "Nachdem Ende der 1980er Jahre eine Massenepidemie die Anzahl der Seehunde stark dezimiert hatte, haben wir heute den höchsten Bestand seit der Aufzeichnung der Zählungen", erklärt Bartholomä.

Besonders froh sind Naturschützer über die Rückkehr der im Wattenmeer fast ausgerotteten Kegelrobbe. Sie hat von Großbritannien aus wieder den Weg an die Nordseeküste gefunden. Das Abkommen verbietet die Jagd auf die Tiere.

Auch die Salzwiesen haben vom Schutzprogramm profitiert. Die grünen Flächen beherbergen rund 2.300 Pflanzen- und Tierarten, etwa 400 Insektenarten ernähren sich nur von den 25 Pflanzenarten der Salzwiesen.

Für Zugvögel ist das Wattenmeer im Herbst ein wesentlicher Rastplatz auf dem Weg in ihre Winterquartiere. Allerdings sieht die Bilanz im Vogelschutz nicht ganz so gut aus, bei einigen Brutvogelarten nehmen die Bestände ab.

Auch neue Bewohner sind seit 1997 eingezogen: Da sich die Nordsee in den vergangenen Jahren um bis zu 1,5 Grad erwärmt hat, konnte sich die pazifische Auster im Wattenmeer etablieren. Die Ansiedlung ist jedoch - wie bei den meisten invasiven Arten - umstritten.

Zudem kritisieren Umweltschützer, dass die Unterwasserwelt durch das Abkommen nicht ausreichend geschützt sei. "Dazu müsste die Fischerei zumindest in weiten Teilen des Wattenmeers eingeschränkt werden", sagt Hans-Ulrich Rösner, Leiter vom Wattenmeerbüro WWF. Auch werde noch immer Gas- und Öl gefördert.

Eine der größten Herausforderungen für das Wattenmeer war 1997 noch gar nicht akut: Der Klimawandel und der Anstieg des Meeresspiegels. Derzeit versuchen Wissenschaftler in mehreren Projekten, die Auswirkungen des Klimawandels auf das Wattenmeer und die Bewohner zu erforschen.

Seit 2009 ist das Wattenmeer mit einer Fläche von 11.500 Quadratkilometern UNESCO-Weltnaturerbe. Neben der reinen Wattfläche gehören zahlreiche andere Lebensräume wie Dünen, Salzwiesen, Marschflächen und Sandbänke zur Schutzzone.

Stand: 20.10.2017, 06:00 Uhr