Klare Gewässer lassen Wasserpest wuchern

Das Mähboot vom Ruhrverband mäht am 19.07.2017 auf dem Baldeneysee in Essen

Klare Gewässer lassen Wasserpest wuchern

Von Andreas Sträter

  • In den Ruhrseen verbreitet sich die Wasserpest schnell
  • Wassersportler stören sich an hochwüchsiger Pflanze
  • Ökologisch gesehen ist nichts gegen die Pflanze einzuwenden

In den Ruhrstauseen wuchert im Sommer die Wasserpest, die auch unter dem Namen Elodea bekannt ist. Denn im wieder sauberen Ruhrwasser fühlen sich nicht nur Badende, sondern auch Wasserpflanzen wohl. Seit mehr Licht ins klare Wasser dringen kann, verbreitet sich die Wasserpest schnell und üppig.

Bootsrennen sind bei dem dichten Wuchs allerdings teilweise gar nicht möglich. Die Boote, Riemen und Paddel verfangen sich in den hochwüchsigen Pflanzen – und verderben Seglern, Ruderern und Kanuten den Spaß.

Warum die Elodea so üppig wachsen kann

Der Baldeneysee in Essen wird ebenso wie der Hartkortsee, der Hengsteysee oder der Kemnader See von der aufgestauten Ruhr gebildet. Durch verbesserte Kläranlagen seien die Phosphor- und Stickstoffwerte in der Ruhr in den vergangenen Jahrzehnten erheblich zurückgegangen, erläutert Britta Balt vom Ruhrverband dem WDR.

Die Wasserpest wuchert nicht nur im Ruhrgebiet, sondern auch in der Listertalsperre im Sauerland. Betroffen sind auch der Chiemsee, der Tegernsee oder der Starnberger See in Bayern.

Das Mähboot vom Ruhrverband mäht am 19.07.2017 auf dem Baldeneysee in Essen

Die Wasserpest – ein Sauerstofflieferant

Wo früher das Sonnenlicht vom trüben Gewässer abgefangen wurde, dringt nun das zur Fotosynthese nötige Licht durch. Die Folge: Bei starker Lichteinstrahlung können Wasserpflanzen wie die Elodea regelrecht wuchern.

Wasserpflanzen sind wichtige Sauerstofflieferanten

Ökologisch gesehen gibt es gegen die Wasserpest eigentlich nichts einzuwenden. "Wasserpflanzen sind wichtige Sauerstofflieferanten", erläutert Andreas Sundermeier von der Bundesanstalt für Gewässerkunde in Koblenz dem WDR. "Sie bieten Fischen Unterschlupf- und Laichmöglichkeiten." Dieter Hanelt, Professor für aquatische Ökophysiologie der Universität Hamburg, bekräftigt: "Elodea-Wasserpflanzen sind Nahrungsgrundlage für alle Pflanzenfresser und damit unbedingt nötig in einem funktionierenden Ökosystem."

Auch Kleinstlebewesen wie Wasserflöhe und Ruderfußkrebse mögen die Wasserpest, weil sie sich in ihnen vor ihren Fressfeinden verstecken können. Negative Auswirkungen habe die Wasserpest nur für die Freizeitnutzung der Gewässer, sagt Geo-Ökologe Sundermeier.

Mähboot auf dem Baldeneysee

Das Mähboot vom Ruhrverband mäht am 19.07.2017 auf dem Baldeneysee in Essen

Mähboot auf dem Baldeneysee in Essen

Deshalb wird auf dem Baldeneysee aktuell an fünf Tagen in der Woche ein Mähboot eingesetzt, das die Pflanze in einer Tiefe von 1 bis 1,20 Metern abschneidet. Doch das bringt kaum etwas, denn bei Sonnenschein kann die Elodea am Tag bis zu 30 Zentimeter wachsen.

Stand: 31.07.2017, 06:00