Vogelzählung: Befürchtungen haben sich bestätigt

Ein schimpfender Vogel "Star"

Vogelzählung: Befürchtungen haben sich bestätigt

Von Andreas Sträter

  • Anzahl der Gartenvögel weiter im Sinkflug
  • Gründe: kalter Frühling und Pestizide
  • Bundesweit wurden über 756.000 Vögel gezählt

Die Befürchtungen der Naturschützer haben sich erhärtet: Die Vogelbestände gehen weiter zurück. Bei einer bundesweiten Vogelzählaktion am Wochenende (12.-14.05.2017) hat der Naturschutzbund (Nabu) deutlich weniger Gartenvögel gezählt als im vergangenen Jahr. Wegen des kühlen Wetters im April und Anfang Mai seien viele Jungtiere in ihren Nestern verhungert, erläutert Nabu-Ornithologe Heinz Kowalski dem WDR.

Verlierer der Vogelzählung

Zu den Verlierern gehören bei dieser Zählung die Kohlmeise (minus 12 Prozent gegenüber 2016) und die Blaumeise (minus 13 Prozent). Auch die Bestände des Stars (minus 10 Prozent), der Elster (minus 9 Prozent) oder des Rotkehlchens (minus 13 Prozent) gingen zurück.

Als einen Grund für den Artenschwund nennt Kowalski die industrielle Landwirtschaft. Durch den Einsatz von Pestiziden gebe es immer weniger Insekten, weshalb es den Vögeln an Nahrung fehle, sagte der stellvertretende Vorsitzende des Nabu NRW.

Gewinner und Verlierer der Vogelzählung

In über 21.000 Gärten wurden am Wochenende im Auftrag des Naturschutzbundes Vögel gezählt. Einige Arten wurden seltener beobachtet, andere wieder häufiger.

Eine Hohlmeise auf einem Ast

Die Kohlmeise zählt zu den Verlierern der Vogelzählung. Gegenüber dem Vorjahr wurde die größte und verbreitetste Meisenart Europas seltener gesichtet. Das Minus beträgt 12 Prozent.

Die Kohlmeise zählt zu den Verlierern der Vogelzählung. Gegenüber dem Vorjahr wurde die größte und verbreitetste Meisenart Europas seltener gesichtet. Das Minus beträgt 12 Prozent.

Auch bei den Blaumeisen sieht es nicht besser aus (minus 13 Prozent). Die Vogelexperten des Naturschutzbundes (Nabu) erklären sich dies mit den schlechten Bruterfolgen einiger Arten. Das Frühjahr war außergewöhnlich nass und zu kalt, so dass viele Küken erfroren sind.

Der Star rangiert in der Rangliste der am häufigsten beobachteten Arten auf Platz vier. Er wurde jedoch seltener (minus 10 Prozent) beobachtet als noch im Jahr 2016.

Der Haussperling ist besser als Spatz bekannt und zählt zu den am weitesten verbreiteten Singvögel. Bei der Vogelzählung 2017 zählt er eher zu den Gewinnern, sagt Ornithologe Heinz Kowalick. Er wurde in diesem Jahr genauso häufig beobachtet wie im vergangenen Jahr. (Hinweis: In der ersten Fassung der Fotostrecke hatten wir hier versehentlich einen Zilpzalp gezeigt. Wir bitten diesen Fehler zu entschuldigen!)

2017 konnte die Ringeltaube bundesweit wieder häufiger beobachtet werden (plus 5 Prozent). Die Ringeltaube rangiert seit Jahren in den Top Ten der am meisten beobachteten Gartenvögel.

Der Mauersegler ähnelt den Schwalben, ist aber nicht mit ihnen verwandt. Der Vogel gehört zur Familie der Segler und wurde bei der Nabu-Zählung wieder häufiger beobachtet. Mit einem Plus von 25 Prozent zählt er zu den Gewinnern.

Mehr Nistkästen aufgestellt

Zu den Gewinnern zählt in diesem Jahr neben dem Mauerseglern (plus 25 Prozent) auch der Haussperling, die genauso häufig wie in 2016 gesichtet worden sind. "Der Haussperling, der ja auch als Spatz bekannt ist, wird nicht mehr als Schädlingsvogel betrachtet", sagt Kowalksi. Viele Menschen hätten Nistkästen aufgestellt, so dass der Spatz besser als andere Arten über die kalten Tage gekommen sei.

Weniger Lebensraum

Seit Jahren schon nehmen die Bestände typischer Vögel, die auf offenen Feldern und Wiesen leben ab. Das bestätigte nun die Bundesregierung auf Anfrage der Grünen. Die immer intensivere Landwirtschaft lasse selbst den früher fast überall anzutreffenden Arten keinen Raum mehr zum Leben. Insgesamt ist demnach in der EU die Zahl der Brutpaare in den landwirtschaftlichen Gebieten zwischen 1980 und 2010 um 300 Millionen zurückgegangen. Das ist ein Minus von 57 Prozent.

Zu den Verlierern der derzeitigen Agrarpolitik gehöre zum Beispiel die Feldlerche oder der Grünfink, den es vom Land nun vermehrt in die Gärten der Stadt ziehe, so Kowalski.

Über 32.000 Vogelbeobachter

Heinz Kowalski am Schreibtisch schaut mit Fernglas in den Garten

Ornithologe Heinz Kowalski beteiligte sich an der Zählaktion

Am Wochenende haben über 32.000 Menschen deutschlandweit eine Stunde lang Vögel betrachtet und sie für die gemeinsame Auszählung online gemeldet. Bis Montagmittag (15.05.2017) wurden 756.000 Vögel gemeldet.

"Darunter befinden sich sicherlich auch ein paar Fehlmeldungen, aber wir interessieren uns ja vor allem für die viel gezählten Allerweltsvögel, die der Hobby-Vogelkundler erkennt, und weniger für die Spezialvögel", sagt der Vogelkundler zur Methode. Allein in NRW haben sich über 6.500 Leute an der Aktion beteiligt.

Stand: 15.05.2017, 11:01