Gedächtnisverjüngung dank Nabelschnurblut

Medizinische Versuch an Labormaus

Gedächtnisverjüngung dank Nabelschnurblut

  • Protein in menschlichem Nabelschnurblut soll Mäuse verjüngen
  • Mechanismen der Revitalisierung überwiegend ungeklärt
  • Auch erste klinische Studien beim Menschen

Jung durch Nabelschnurblut? Forscher von der Universität Stanford in Kalifornien haben alternden Mäusen menschliches Nabelschnurblut gespritzt - mit überraschenden Ergebnissen, wie sie in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins "Nature" von Mittwoch (19.04.2017) veröffentlichen.

Nicht bekanntes Protein entdeckt

"Hier wurde in Nabelschnurblut ein bisher in diesem Zusammenhang nicht bekanntes Protein entdeckt, das im Hippocampus - einer Hirnregion, die als 'Tor zum Gedächtnis' gilt – recht spezifisch Lernen fördert und alte Mäuse wieder wie junge lernen lässt“, erläutert Prof. Gerd Kempermann vom DFG Forschungszentrum für Regenerative Therapie Dresden.

Doch was genau heißt "verjüngt"? Schon lange experimentieren Forscher zu der Frage, inwiefern der Alterungsprozess gestoppt oder sogar umgekehrt werden kann. Bislang gibt es allerdings kaum systematische klinische Studien.

Ein sinnvoller Ansatz in der Altersforschung?

Spritze über Maus im Labor

Das Gedächtnis von Mäusen verjüngte sich

"Man darf durch die Ergebnisse nicht zu der Annahme verleitet werden, dass Altern und insbesondere erfolgreiches Altern nur von 'jungem Blut' abhinge", sagt Kempermann - der Alterungsprozess sei weitaus komplexer. "Die Arbeiten von Wyss-Coray sind aber bedeutend, weil sie zeigen, dass es überhaupt Faktoren im Blut gibt, die in der Lage sind, bestimmte Aspekte von 'Jugend' zu vermitteln", so Kempermann.

Frühes Forschungsstadium

Doch inwiefern lassen sich diese Ergebnisse auf den Menschen übertragen? "Mäuse sind keine kleinen Menschen", sagt Gerd Kempermann und auch Hannelore Ehrenreich vom Max-Planck-Institut in Göttingen, betont, dass es für allgemeine Schlussfolgerungen noch zu früh sei.

Zunächst einmal müssten die Ergebnisse durch andere, unabhängige Arbeitsgruppen reproduziert werden. "Zweitens müssten die Experimente auch auf weitere Spezies, beispielsweise nichtmenschliche Primaten, ausgedehnt werden, und drittens vor allem erste klinische Studien an Menschen durchgeführt werden", so Ehrenreich.

Stand: 19.04.2017, 19:00