Biologen werten 300.000 Twitternachrichten zum Great Barrier Reef aus

Great Barrier Reef

Biologen werten 300.000 Twitternachrichten zum Great Barrier Reef aus

Von Alexandra Hostert


  • Australische Forscher analysieren Twitter-Nachrichten von Touristen
  • Sie suchen in den Tweets Informationen über Fische und Korallen im Great Barrier Reef
  • Auswertungen von Sozialen Medien können klassisches Umweltmonitoring ergänzen

Sonne, Meer, Natur - und das Smartphone immer dabei. Für viele der perfekte Urlaub. Wenn Touristen dann besondere Naturschauspiele beobachten oder beeindruckende Tiere sehen, posten sie ihre Erlebnisse oft in Sozialen Medien. Australische Wissenschaftler der Griffith University in Brisbane haben jetzt rund 300.000 Tweets aus dem Gebiet des Great Barrier Reef in einer Studie analysiert und konnten zeigen: Manche der Nachrichten enthalten wertvolle Informationen über den Zustand der Umwelt.

Wie bunt sind die Korallen?

Um die Tweets zu finden, die für die Forschung interessant sind haben die Wissenschaftler die Nachrichten nach Schlüsselbegriffen aus verschiedenen Kategorien untersucht: Ortsangaben, Namen von Tieren, Begriffe zum Zustand der Korallen - wie "bunt" oder "bleich" - oder Worte, die die Wasserqualität beschreiben. Dazu kamen Begriffe wie "tauchen" oder "segeln", die beschreiben, was die Touristen vor Ort gemacht haben.

Nutzen, was Menschen sowieso schreiben

Mit dieser Auswertung von bereits existierenden Twitter-Nachrichten gehen die Forscher einen anderen Weg als klassische Citizen-Science-Projekte, bei denen Laien-Wissenschaftler ihre Naturbeobachtungen direkt an die Forscher melden.

Great Barrier Reef

Ist das Wasser klar oder trüb? Das beschreiben viele Urlauber auf Twitter

Auch am Great Barrier Reef gibt es eine spezielle Smartphone-App, mit der Urlauber den Wissenschaftlern gezielt übermitteln können, welche Tiere sie gesehen haben. "Aber die Besucher benutzen sie nicht genug“, sagt Susanne Becken, die Leiterin der Studie. "Pro Jahr werden damit etwa 2.500 Beobachtungen geschickt. Twitter ist natürlich viel umfangreicher, aber beinhaltet auch sehr viel irrelevante Information".

Eine gute Technik ist entscheidend

Bei der aktuellen Studie fanden die Forscher mit ihrer automatisierten Auswertung in der riesigen Datenmenge rund 13.000 Tweets, die potentiell nutzbar für die Forschung waren und so andere Methoden des Umweltmonitorings ergänzen können. Jetzt wollen die Wissenschaftler ihre Analysetechnik weiter verbessern, um in Zukunft noch mehr Einträge aus Sozialen Medien genauer analysieren zu können. Ein großes Ziel ist es, bei den nächsten Studien auch Fotos auszuwerten.

Touristenfotos im Laufe der Jahre

Besonders in entlegenen Regionen, wo es kein intensives Monitoring von Tieren und Pflanzen durch Wissenschaftler gibt, könnten die Sozialen Medien wertvolle Hinweise geben, so Susanne Becken. Außerdem sind die neuen Auswertungen für Orte interessant, die sehr häufig von Touristen fotografiert werden. Hier könnte man an den Touristenfotos Veränderungen der Natur ablesen, hoffen die Forscher.

Stand: 26.08.2017, 06:00