Wie Gewitter ohne Regen entstehen

Gewitter über Bonn

Wie Gewitter ohne Regen entstehen

Von Ildiko Holderer

  • Waldbrände in Portugal durch Trockengewitter?
  • Trockenblitze auch in Deutschland möglich
  • Trockengewitter nur unter bestimmten Bedingungen

"Gewitter ohne Regen ist ohne Segen" - für Portugal scheint die alte Bauernweisheit bittere Wahrheit zu sein. Vermutlich durch ein Trockengewitter sind dort Waldbrände ausgelöst worden. Wie können Gewitter ohne Niederschlag entstehen?

Trockenblitze und Trockengewitter

"Zunächst einmal müssen wir zwischen Trockenblitzen und Trockengewittern unterscheiden", sagt Franz-Josef Molé vom Deutschen Wetterdienst. "Als trockene Blitze werden Blitze zwischen Wolke und Erde bezeichnet, die sich ohne jeglichen Niederschlag in der Nähe entladen. Dieser Blitztyp entfacht am ehesten Waldbrände, insbesondere natürlich nach großer Trockenheit oder Dürre", erläutert der Meteorologe.

Auch in Deutschland können Trockenblitze vorkommen - nämlich dann, wenn der Regen aus der Gewitterwolke entfernt vom Blitzeinschlag fällt. Trockengewitter hingegen sind in Deutschland äußerst selten.

Gewitter und Niederschlag

"Gewitterwolken haben fast immer Niederschlag im Gepäck", erklärt Franz-Josef Molé vom Deutschen Wetterdienst. Durch Aufwinde in den Gewitterwolken gelangt das Wasser zunächst nicht nach unten. Es kondensiert, gefriert und schließt sich mit anderen Wasserpartikeln zusammen. Die Aufwinde halten das gefrorene Wasser so lange oben, bis es zu schwer wird.

Dann kommt das Wasser bei uns als Regen oder Hagel an. "Je größer das Hagelkorn ist, desto stärker sind auch die Aufwinde", sagt Molé. Teilweise können diese 100 km/h erreichen.

Längerer Weg für den Regen

"Von Trockengewitter kann man sprechen, wenn in sehr trockener Luftmasse zwischen Wolkenuntergrenze und Boden der gesamte Regen verdunstet", sagt Molé. Diese Trockengewitter kommen vor allem über der Iberischen Halbinsel - also Spanien, Portugal, Andorra und Gibraltar - und im Westen der Vereinigten Staaten vor.

Das liegt daran, dass in diesen Gebieten die Luft meist trocken und warm ist. Die Feuchtigkeit muss also weiter nach oben ziehen als bei uns, damit sich die Gewitterwolken bilden können. "Während die Strecke zwischen Wolkenuntergrenze und Boden bei uns meist um die 1.500 Meter beträgt, sind es beispielsweise in Portugal oder Spanien oft bis zu 4.000 Meter", erklärt Molé. 2,5 Kilometer mehr Strecke also, auf der der Regen bei trockener und warmer Luft verdunsten kann.

In Portugal haben die Ermittler die Ursache für die Waldbrände gefunden: Durch einen Blitzeinschlag soll ein Baum in Brand geraten sein. Ob es sich dabei aber tatsächlich um einen Trockenblitz oder um einen Blitz in einem Trockengewitter gehandelt hat, ist noch unklar.

Stand: 19.06.2017, 16:05