Die fünf spannendsten Fakten zu ... Superpflanzen

Pflanzen im Gegenlicht

Die fünf spannendsten Fakten zu ... Superpflanzen

Von Ilka aus der Mark

1. Superpflanzen reichern Gift an – und überleben trotzdem

Arsen, Cadmium oder Nickel: Superpflanzen reichern giftige Metalle in ihren Blättern an. In teils tödlichen Mengen – eigentlich. Selbstmord? Nein, nicht für sie. Denn das Gift schleusen sie so geschickt durch ihren Pflanzenkörper, dass es den lebenswichtigen Prozess der Photosynthese nicht stören kann. Die meisten Superpflanzen speichern die Schwermetalle in der äußeren Schicht der Blätter – die Photosynthese dagegen läuft in den inneren Blattschichten ab. Einige Superpflanzen nehmen die Schwermetalle sogar in extrem hoher Konzentration auf. Der Superbaum Pycnandra acuminata aus Neukaledonien etwa hat in seinem Pflanzensaft bis zu 25 Prozent giftiges Nickel gelöst. Und lebt und gedeiht trotzdem – darüber wundern sich selbst die Biologen.

2. Superpflanzen können sogar Gold ernten

Einige Superpflanzen ziehen auch extrem wertvolle Metalle aus dem Boden – zum Beispiel Nickel, Platin oder Palladium. Warum also nicht die teuren Metalle aus der Pflanze herausholen und verwerten? Platin statt Gemüse ernten – „Phytomining“ klingt nach einem lukrativen Geschäftsmodell. Und es wird bereits praktiziert: In Albanien etwa – zu Forschungszwecken. Albanische Bauern bewirtschaften Felder voller Mauersteinkraut. Früher als nutzloses Unkraut verschrien, wird es jetzt nach der Ernte verbrannt. Und aus seiner Asche Nickelsalze und Nickeloxide hergestellt – Rohstoffe für Handy-Akkus oder Euromünzen. Auch Phytomining mit den Rohstoffen Palladium und Platin könnte sich finanziell lohnen. Es gibt sogar eine Superpflanze, die Gold aus dem Boden zieht: Senf. Allerdings mit sehr geringem Ertrag – die Goldernte mit Pflanzen ist also eher zu vernachlässigen.

3. Superpflanzen sind Staubsauger für unsere Böden  

Viele Böden weltweit sind voller giftiger Schwermetalle, die sich durch Industrie,  Verkehr und Landwirtschaft über die Jahre dort abgelagert haben. Zum Anbau von Lebensmitteln und als Lebensraum brauchen wir aber intakte Böden – für die schnell wachsende Bevölkerung mehr denn je. Superpflanzen könnten uns helfen, indem sie die giftigen Schwermetalle aus den Böden ziehen. „Phytosanierung“ ist vor allem sinnvoll auf Flächen, die von Menschen nicht genutzt werden: etwa auf Industrie-Brachen oder Auenlandschaften. Hier könnten die Bodenstaubsauger ungestört und über einen längeren Zeitraum ihre „Arbeit“ verrichten.

Denn auch wenn Superpflanzen die Schwermetalle in hochkonzentrierter Form aufnehmen, dauert eine Sanierung mit Pflanzen trotzdem wesentlich länger als eine konventionelle. Machen die Landwirte mit, könnten Superpflanzen auch belastete Äcker wieder nutzbar machen. Biologen sehen ihr Potenzial aber eher bei gering bis mittel belasteten Böden – und nicht bei extrem stark verseuchten Flächen.

4. Mit dem Gift schalten sie Konkurrenten aus

Aber was bringt es den Superpflanzen, sich mit Gift „vollzusaugen“? Einen evolutionären Vorteil. Denn auf den nährstoffarmen und metallreichen Böden, wo sie wachsen, überlebt kaum eine andere Pflanze. Die Superpflanzen schalten ihre Konkurrenten sogar gezielt aus, vermuten Biologen: Wenn die mit giftigem Schwermetall vollgesogenen Blätter irgendwann abfallen, wird der Boden um sie herum zusätzlich mit Schwermetallen gespickt – und zwar in hochkonzentrierter Form. Das macht es anderen Pflanzen noch schwerer, sich hier anzusiedeln. Und noch einen Vorteil hat’s: Mit dem Gift in ihren Blättern schützen sich die Superpflanzen vor Schädlingen.

5. Superpflanzen könnten unsere Welt ein bisschen besser machen

Superpflanzen könnten helfen, die großen Sorgen der Menschheit etwas besser in den Griff zu bekommen. Umweltverschmutzung, Rohstoffknappheit, Mangelernährung – sie könnten sogar ein Mittel gegen die Armut sein. Denn Phytomining klappt dort besonders gut, wo sonst kaum etwas wächst – und wo sich auch normale Minen nicht lohnen: in abgelegenen Gebieten, im Regenwald, der für Minen erst abgeholzt werden müsste, oder auf Böden, deren Metallgehalt sehr gering ist. Besitzer von scheinbar wertlosem Land hätten dann wieder eine Chance. Nickelgewinnung mit Pflanzen funktioniert außerdem schon ab einer Konzentration von 0,1 Prozent Nickel im Boden – bei traditionellen Verfahren sind Nickelfirmen auf Erze mit dem zehnfachen Nickelanteil angewiesen.

Und Superpflanzen haben einen weiteren Vorteil: Sie schützen verseuchte Böden vor Erosion, indem sie mit den Wurzeln den Boden festigen. Und verhindern so, dass Wind und Regen den Boden weiter auswaschen und sich das Gift weiter ausbreitet. Superpflanzen sind nachhaltig in zweifacher Hinsicht– durch die schonende Sanierung von Böden und durch das Recycling der angereicherten Rohstoffe.

Stand: 10.02.2017, 08:30