Darum ist die Angst vor Spinnen und Schlangen normal

Eine Große Winkelspinne krabbelt über eine Hand

Darum ist die Angst vor Spinnen und Schlangen normal

Von Ilka aus der Mark

  • Angst vor Spinnen und Schlangen offenbar angeboren
  • Spinnen stressen schon Babys
  • Gelerntes Verhalten? Eher unwahrscheinlich
  • Angst ist nicht gleich Phobie

Ist die Angst vor Spinnen und Schlangen angeboren? Das wollten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig und der schwedischen Uppsala University wissen – und haben ein aufschlussreiches Experiment dazu gemacht.

Gelernt oder angeboren?

Die Wissenschaftler teilen sich bei diesem Thema in zwei Lager: Die einen glauben, dass diese Angst gelernt ist – etwa bei den Eltern abgeguckt. Die anderen denken, die Angst vor Spinnen und Schlangen ist angeboren.

Diese zweite These konnten die Forscher jetzt mit einem Versuch untermauern – mit sechs Monate alten Babys. Der Grund, warum sie so junge Probanden wählten: Babys haben noch nicht so viel erlebt.

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein sechs Monate altes Baby die Spinnenangst bei jemand anderem abgeguckt hat, ist sehr gering.

Junge steht hinter einem Spinnennetz und betrachtet skeptisch eine Spinne, die darauf sitzt.

Schon sechs Monate alte Babys zeigen Angstreaktionen bei Spinnen

Stressreaktion bei Spinnenfotos

Die Forscher zeigten den Babys Fotos von Spinnen und Schlangen, aber auch von Blumen und Fischen. Alle Bilder waren gleich groß, hatten eine gleiche Farbigkeit und waren gleich beleuchtet.

Die Wissenschaftler wollten feststellen, ob die Babys auf die Bilder jeweils unterschiedlich reagieren. Und tatsächlich hatten sie Angst vor den Spinnen- und Schlangenfotos.

Die Forscher konnten eine direkte physiologische Angstreaktion bei den Babys nachweisen: Sie hatten beim Anblick der Spinnen- und Schlangenbilder vergrößerte Pupillen.

Eine Kreuzotter züngelt.

Vor Schlangen und Spinnen haben wir schon von Geburt an Angst

Das deutet darauf hin, dass eine Region im Gehirn besonders aktiv war, in der Noradrenalin produziert wird. Und das verursacht Stress. Bei den vermeintlich harmloseren Blumen oder Fischen hatten die Babys diese Reaktion nicht.

Angst vor Spinnen, aber keine Angst vor Bären

Aus früheren Studien ist bekannt, dass Babys Bilder von Nashörnern, Bären oder anderen vermeintlich gefährlichen Tieren nicht mit Angst assoziieren.

Die Leipziger Forscher glauben, dass die spezielle Angst vor Spinnen oder Schlangen damit zusammenhängt, dass potenziell gefährliche Reptilien und Spinnentiere mit dem Menschen und seinen Vorfahren seit 40 bis 60 Millionen Jahren koexistieren.

Und damit deutlich länger als mit den uns heute noch gefährlichen Säugetieren, die es ja noch nicht so lange gibt. Die Reaktionen auf Spinnen und Reptilien wie Schlangen konnte sich also über einen evolutionär sehr langen Zeitraum im Gehirn verankern.

Ein Braunbär schwimmt in einem See, der mit Entengrütze bedeckt ist. Nur der Kopf schaut heraus.

Vor großen Raubtieren haben Kinder weniger Angst als vor Spinnen

Angst ist noch keine Phobie

Die angeborene Angst vor Spinnen und Schlangen ist aber noch keine Erklärung für eine richtige Phobie. Allerdings ist der Weg zur Phobie durch die angeborene Angst geebnet.

Wenn noch weitere Faktoren dazukommen, kann aus der angeborenen Angst tatsächlich auch eine echte Phobie entstehen.

Zum Beispiel, wenn die Eltern panische Angst vor Spinnen haben oder wenn der Mensch eine genetische Veranlagung zu einer überaktiven Amygdala hat – das Angstzentrum im Gehirn.

Stand: 25.10.2017, 13:15