Das Verschwinden der Schmetterlinge

Das Verschwinden der Schmetterlinge

Von Annika Franck

Viele Menschen würden Fliegen, Mücken und Wespen zunächst nicht wirklich vermissen. Mit den Insekten verschwinden aber filigrane, farbenfrohe und faszinierende Schmetterlinge.

Schachbrettfalter

Die Deutsche Wildtierstiftung beklagt einen bundesweiten dramatischen Rückgang der Schmetterlinge. In Hamburg stellte der Verband am Montag (21.08.2017) erste Ergebnisse seiner neuen Studie vor. (Unser Bild zeigt einen Schachbrettfalter).

Die Deutsche Wildtierstiftung beklagt einen bundesweiten dramatischen Rückgang der Schmetterlinge. In Hamburg stellte der Verband am Montag (21.08.2017) erste Ergebnisse seiner neuen Studie vor. (Unser Bild zeigt einen Schachbrettfalter).

So ist etwa die Zahl der Tagfalter, die zu den Wiesenarten zählen, seit den 1970er Jahren um 73 Prozent zurückgegangen. (Hier im Bild: Der Große Feuerfuchs).

Experten sehen zwei Probleme: Einerseits nimmt die Zahl der Arten ab - immer mehr Schmetterlinge stehen auf der Roten Liste für bedrohte Arten. Zum Beispiel der Trauermantel, den man nur noch selten in Deutschland zu sehen bekommt.

Andere Arten, wie das bekannte Tagpfauenauge, sieht man zwar noch. Aber insgesamt sinkt die Zahl der Schmetterlinge gewaltig, Experten sprechen vom einem Rückgang der Biomasse. Beide Entwicklungen sollten "ein Alarmsignal für Deutschland sein", betont Biologe Josef Reichholf, der die Studie für die Deutsche Wildtierstiftung zur Situation der Schmetterlinge verfasst hat.

"Die Funktion von Schmetterlingen im gesamten Ökosystem wird häufig unterschätzt", meint Reichholf. Sie sehen nicht nur schön aus. Ihr Erscheinen und ihre Vielfalt sind vielmehr ein sichtbarer Gradmesser für den Zustand des Ökosystems. Schmetterlinge sind wichtige Pflanzenbestäuber und dienen als wichtige Nahrungsquelle für Vögel und Säugetiere.

Rund 3.700 Schmetterlingsarten gibt es in Deutschland. Besonders bedroht ist die Gruppe der Tagfalter, von ihnen gibt es rund 190 Arten, davon steht circa die Hälfte auf der Roten Liste, zum Beispiel auch der Große Schillerfalter.

Noch nicht abschließend erforscht ist die Frage, was die Anzahl der Schmetterlinge und die Schmetterlingsarten so reduziert hat. Für Josef Reichholf ist "unstrittig, dass der landwirtschaftlichen Nutzung eine Schlüsselrolle" zukomme. Schließlich ist der Rückgang der Tagfalter, die in Wäldern leben wesentlich geringer als der Arten, die in der Feldflur heimisch sind. Dazu zählt beispielsweise der - gefährdete - Rundaugen-Mohrenfalter.

Mit verantwortlich für den Rückgang der Schmetterlinge ist laut Deutscher Wildtierstiftung die industrielle Landwirtschaft. Problematisch sehen die Naturschützer vor allem die Entwicklung des großflächigen Maisanbaus sowie die Stalltierhaltung mit der damit verbundenen Güllewirtschaft. "Wir brauchen eine naturverträgliche Landwirtschaft", fordert Fritz Vahrenholt, Vorstand der Wildtier Stiftung.

In Städten ist der Schmetterlingsrückgang (hier der Große Perlmutterfalter) nicht so deutlich spürbar. Und viele Bewohner können helfen, Lebensraum für Schmetterlinge zu schaffen oder zu erhalten: Mit schmetterlingsfreundlich gestalteten Balkonen, Gärten und Grünflächen.

Stand: 21.08.2017, 11:00 Uhr