Wenn der Sand knapp wird

Wenn der Sand knapp wird

Von Annika Franck

Droht eine weltweite Sandkrise? Davor zumindest warnen Forscher in einer aktuellen Studie. Sie zeigt: Sand geht uns alle an.

Strand und Dünen auf der Nordseeinsel Norderney

Wenn man am Strand spazieren geht, scheinen sie wie eine endlose Einheit: Das Meer und der Sand. Dabei wird gerade der Sand zu einer knapper werdenden Ressource. Darauf weisen Wissenschaftler in einer aktuellen Studie hin, veröffentlicht in der jüngsten Ausgabe des Wissenschafts-Journals "Science". Sand und Kies sind demnach die am meisten verwendeten Rohstoffe weltweit - noch vor fossilen Brennstoffen und Biomasse. "Die Nutzung hat umfassende Folgen für die Umwelt und für die Menschen", betont Autorin Aurora Torres vom Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung in Halle.

Wenn man am Strand spazieren geht, scheinen sie wie eine endlose Einheit: Das Meer und der Sand. Dabei wird gerade der Sand zu einer knapper werdenden Ressource. Darauf weisen Wissenschaftler in einer aktuellen Studie hin, veröffentlicht in der jüngsten Ausgabe des Wissenschafts-Journals "Science". Sand und Kies sind demnach die am meisten verwendeten Rohstoffe weltweit - noch vor fossilen Brennstoffen und Biomasse. "Die Nutzung hat umfassende Folgen für die Umwelt und für die Menschen", betont Autorin Aurora Torres vom Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung in Halle.

Sand steckt in vielen Produkten: In Seife, Reinigungsmitteln, in jedem Computer. Glas wird aus Sand hergestellt. Aber der größte Grund für den Sand-Hunger: Die anhaltende Verstädterung.

Denn immer mehr Menschen brauchen Wohnraum, bauen Geschäfts- und Bürohäuser, vor allem in den Großstädten und Metropolen der Welt. Ein Beispiel: Dubai (Verinigte Arabische Emirate).

Dafür braucht man Stahlbeton, und der besteht zu zwei Dritteln aus Sand. Für den Bau eines mittelgroßen Hauses benötigt man rund 200 Tonnen Sand.

Schön - aber nicht natürlich entstanden ist die Insel Sentosa vor Singapur. Länder wie Singapur erschaffen sich zusätzlichen Raum zu Leben und entspannen - natürlich aus Sand.

Doch der Sandabbau (wie hier vor der Küste von Sri Lanka) hat Folgen, zum Beispiel für die Wassertiere vor Ort, die aufgesaugt werden. Aber auch für die Korallenriffe, die dann absterben. "Es gibt eine Art Kaskaden-Effekt für das gesamte Öko-System", erklärt Torres. Durch den Sandabbau erodieren Meeresküsten und Flussufer. Strände verschwinden - und damit wertvoller Lebensraum.

Die Folgen können für den Menschen bedrohlich werden, weil sich gefährliche Krankheiten weiter ausbreiten können: "Beim Sandabbau entstehen oft Wasserbecken, die ein hervorragender Lebensraum für Malaria-Mücken ist", sagt Autorin Aurora Torres.

Inzwischen gibt es regelrechte "Sand-Kriege", beispielsweise in Indien, wo mafia-ähnliche Gruppen den Handel mit dem Rohstoff kontrollieren. Denn auch in Indien (Foto) wird viel gebaut.

In den Wüsten der Erde sollte genug Sand sein, könnte man meinen. Doch Wüstensand eignet sich nicht zum Bauen. Er ist durch den Wind zu glatt geschliffen, der Beton würde nicht fest und haltbar genug. Daher importieren zum Beispiel auch die Länder der arabischen Halbinsel Sand.

"Wir brauchen ein globales Denken über die Ressource Sand", fordern Aurora Torres und ihre Mit-Autoren - damit die Sand-Verschwendung ein Ende hat. Denn immer wieder entstehen in vielen Ländern Investitions-Ruinen wie der inzwischen stillgelegte spanische Flughafen der Stadt Ciudad Real.

Auch Deutschland gehört zu den Ländern, die Sand (aus Nord- und Ostsee) exportieren. "Aber Deutschland ist auch ganz gut darin, Baustoffe zu recyceln", gibt Aurora Torres zu. Allerdings entstünden dabei noch viele Treibhausgase. "Da müssen wir noch an nachhaltigeren Verfahren arbeiten", meint Torres. Der recycelte Beton ist oft zudem von schlechterer Qualität.

Reiner Sand ist in vielen Fällen - noch - die wesentlich billigere Möglichkeit. Noch sei Sand leicht und für viele Menschen zugänglich. Doch die Forscher warnen: zu wenig sei über die wahren Kosten und Folgen der Sandnutzung und -gewinnung bekannt. Sie fordern, Sand als Ressource anzusehen, die man international regulieren müsse - ähnlich wie bei Luft und Biodiversität. Geschehe das nicht, seien die Folgen des Kampfes um den begehrten Rohstoff nicht absehbar.

Stand: 11.09.2017, 15:50 Uhr