Naturschützer wollen Fischarten retten

Schwarm Flussbarsche

Naturschützer wollen Fischarten retten

In unseren Flüssen droht ein stilles Sterben: Etwa die Hälfte der Fischarten in Deutschland steht auf der Roten Liste. Naturschützer und Behörden kämpfen um ihre Rettung.

Naturschützer wollen Fischarten retten

WDR 4 Mittendrin - In unserem Alter | 07.10.2017 | 18:13 Min.

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Gefahr durch Staustufen und Kraftwerke

Stauwehre zerstückeln heute die meisten Flüsse und halten die Fische von ihren natürlichen Wanderungen ab, Wasserkraftwerke bilden eine zusätzliche Gefahr. Geraten die Tiere in die Turbinen von Kraftwerken, so werden sie oft getötet oder schwer verletzt. Mit Umgehungsrinnen, im Volksmund 'Fischtreppen' genannt, versucht man, den Fischen einen sicheren Weg durch die Staustufen zu ermöglichen. Dennoch werden die Tiere von der Strömung oft in die Turbinen gesogen. Der Fischereiverband NRW kritisiert besonders die kleinen Wasserkraftwerke an den Oberläufen der Flüsse. Diese hätten nur einen relativ geringen Energieoutput, richteten dafür aber massive Schäden bei den Fischen an.

Brutplätze fehlen

Naturbelassene Flüsse und Bäche findet man in Deutschland kaum noch: Wir haben sie gestaut, begradigt und vertieft, ihre Ufer befestigt. Die Folge: Wo sich Flüsse früher gemächlich durch zahllose Biegungen wanden, mit seichten Nebenarmen, Überschwemmungsgebieten und Auenlandschaften, fließt heute oft nur noch ein fast gerades Gewässer mit starker Strömung. Den Fischen fehlt dadurch wichtiger Lebensraum. Denn manche Fischarten legen ihren Laich nur in sauberem Kies in flachem Wasser ab, andere brauchen zum Ablaichen Überschwemmungsflächen oder Wasserpflanzen.

Bemühen um Renaturierung

Vielerorts bemüht man sich mit großem Aufwand, Flüsse und Bäche wieder zu renaturieren. Uferbefestigungen und Betonschalen werden entfernt, ein neues Bett mit naturnahen Flussschleifen und flachen Ufern ausgebaggert, Altarme wieder an den Fluss angebunden. Mit Erfolg: Es entstehen Flachwasserzonen, das Wasser fließt langsamer, Pflanzen und Tiere kehren zurück. Selbst in der Emscher, der berüchtigten ehemaligen 'Köttelbecke', gibt es mittlerweile wieder Fische. Dennoch kann der Urzustand der Flüsse im dicht besiedelten NRW nie wieder hergestellt werden.

Noch nicht rein, aber viel sauberer

Wer einen Film entwickeln will, sollte ihn einfach in den Rhein halten – noch in den 1980er und 90er Jahren war das ein gängiger Scherz. Die meisten Gewässer waren damals stark mit giftigen Abwässern belastet, in acht von zehn Flüssen war Baden gefährlich für die Gesundheit. Dank guter Kläranlagen und schärferer Gesetze hat sich die Wasserqualität seitdem deutlich verbessert. Von sauberem Wasser sind wir dennoch ein gutes Stück entfernt. Besonders Einträge aus der Landwirtschaft – wie Nitrat, Phosphat und Pflanzenschutzmittel – und daneben auch Stoffe wie Dioxine und Arzneimittel belasten unsere Flüsse und damit auch die Fische.

Erfolge durch Wiederansiedelung

Der Lachs beispielsweise galt seit den 1950er Jahren bei uns als ausgestorben. Dass es heute im Rhein und seinen Nebenflüssen wieder Lachse gibt, ist Naturschützern wie den Mitgliedern des Vereins "Atlantischer Lachs e.V." zu verdanken. An die 120 Ehrenamtliche haben sich in dem Essener Verein zusammengeschlossen, in der Nähe der Talsperre Hagen-Haspe haben sie die europaweit größte ehrenamtlich betriebene Lachs-Zucht aufgebaut. Dort züchten sie jedes Jahr an die vier Millionen Lachse und setzen sie in die Flüsse aus. Und ihre Bemühungen zeigen Erfolg: Mittlerweile kehren Lachse von ihrer weiten Wanderung ins Meer nach NRW zurück. Noch allerdings liegt die Rückkehrer-Quote bei weniger als einem Prozent, es gibt also noch viel zu tun für die ehrenamtlichen Helfer.

Stand: 05.10.2017, 00:00