Warum einige Pilze noch immer radioaktiv belastet sind

Das Bild zeigt einige Pfifferlinge

Warum einige Pilze noch immer radioaktiv belastet sind

  • 31 Jahre nach Tschernobyl sind einige Pilze immer noch belastet.
  • Das gilt für Pilze aus dem Bayerischen Wald.
  • Verzehr von Zuchtpilzen ist kein Problem.

Es ist Pilzzeit. Das Einzige, was dem Pilzgenuss entgegensteht, sind die alljährlichen Warnungen vor Strahlenbelastung. Auch in diesem Jahr warnt das Bundesamt für Strahlenschutz. Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Um welche Pilze geht es?

Es handelt sich um bekanntere Sorten wie den Maronen-Röhrling oder den Gemeinen Erdritterling. Aber die Warnung gilt auch für Braunscheibige und Orangefalbe Schnecklinge, Rotbraune Semmelstoppelpilze und Braune Scheidenstreiflinge, also Pilze, die vielleicht nicht jedem etwas sagen. Im Bayerischen Wald, im Donaumoos südlich von Ingolstadt und in der Region Mittenwald wiesen diese Sorten eine Strahlungsbelastung auf, die weit über dem Grenzwert lag.

Dürfen diese Sorten im Supermarkt verkauft werden?

Nein. Wildpilze, die in den Handel kommen, müssen seit der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl im April 1986 einen Grenzwert bei der Radioaktivität einhalten. Die amtliche Lebensmittelüberwachung kontrolliert mit Stichproben, dass solche Pilze nicht verkauft werden.

Wie gefährlich ist es, radioaktiv belastete Pilze zu essen?

Nach Angaben des Bundesamtes für Strahlenschutz besteht beim Verzehr dieser Pilze in geringen Mengen kein Grund zur Beunruhigung. Die Strahlenbelastung zusätzlich zur natürlichen Strahlung, der wir etwa durch den Kosmos ausgesetzt sind, ist vergleichsweise gering. Ein Beispiel: Wer 200 Gramm Pilze zu sich nimmt, die um das Fünffache des Grenzwerts mit Cäsium-137 belastet sind, erhöht die Strahlenbelastung für seinen Körper, als würde er von Frankfurt nach Gran Canaria fliegen. Eine Röntgenuntersuchung oder ein Langstreckenflug belasten den Körper also mehr als eine Portion Maronen-Röhrlinge aus dem Bayerischen Wald.

Wie sieht es mit Zuchtpilzen aus?

Der Verzehr von Zuchtpilzen stellt in der Regel kein Problem dar. Zuchtchampignons oder Austernseitlinge werden meist in geschlossenen Räumen auf speziellen Böden angebaut. Dadurch ist die Belastung mit Radioaktivität und anderen Schadstoffen eher gering – in jedem Fall aber deutlich geringer als in freier Natur.

Sollte ich Pfifferlinge aus Osteuropa meiden?

Das Umweltinstitut München, ein Verein, der sich unter anderem gegen Atomkraft einsetzt, hat zwischen 1997 und 2009 gezielt Pfifferlinge aus Osteuropa untersucht. Nur drei Prozent der Proben lagen über dem Grenzwert. Das waren dann aber Einzelfälle, bei denen das Institut vermutet, dass Pilze aus den durch Tschernobyl verseuchten Regionen in unverdächtige osteuropäische Länder wie Litauen transportiert wurden. Da könnten sie dann eine neue Herkunftsbezeichnung bekommen haben und in den Handel gegeben worden sein.

Kann ich Pilze aus NRW bedenkenlos essen?

Grundsätzlich schon, wenn man sicher geht, dass es sich um eine genießbare Sorte handelt. Was die Strahlungsbelastung angeht, wurden nach der Tschernobyl-Katastrophe auch in NRW fünf Messstellen eingerichtet, in jedem Regierungsbezirk eine. Etwa 1.800 Proben werden jedes Jahr genommen – von Lebensmitteln über Trinkwasser und Pflanzen bis hin zu Futter. Bei Wildpilzen war die gemessene Strahlungsbelastung in den Jahren 2015 und 2016 extrem gering. Bei ganz wenigen Proben wurden erhöhte Werte festgestellt, etwa beim Steinpilz. Allerdings war auch diese Belastung weit vom Grenzwert entfernt.

Wer sich eine Pilzmahlzeit aus den NRW-Wäldern gönnt, muss also nicht davon ausgehen, seinen Körper einer erhöhten Strahlenbelastung auszusetzen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung rät allerdings trotzdem, nicht mehr als 250 Gramm Wildpilze pro Woche zu essen. Sie können nämlich auch giftige Schwermetalle wie Blei, Quecksilber und Cadmium enthalten.

Stand: 27.09.2017, 15:30