Weniger Sauerstoff in allen Ozeanen

Weniger Sauerstoff in allen Ozeanen

Von Susanne Schnabel

Durch den Klimawandel sinkt der Sauerstoffgehalt in den Weltmeeren. Einige Lebewesen sind dadurch bedroht, andere profitieren. Das belegt eine neue Studie.

Krabben sind auf dem Grund des Marianengraben im Pazifik zu sehen

Tief unten im Marianen-Graben, am tiefsten Punkt der Weltmeere, wimmelt vielfältiges Leben. US-Forscher haben im Dezember 2016 faszinierende Bilder aus elf Kilometern Tiefe mitgebracht. Die Krabben, Würmer und Schnecken benötigen Sauerstoff zum Überleben - und der könnte knapp werden.

Tief unten im Marianen-Graben, am tiefsten Punkt der Weltmeere, wimmelt vielfältiges Leben. US-Forscher haben im Dezember 2016 faszinierende Bilder aus elf Kilometern Tiefe mitgebracht. Die Krabben, Würmer und Schnecken benötigen Sauerstoff zum Überleben - und der könnte knapp werden.

In der britischen Fachzeitschrift "Nature" veröffentlichten am Mittwochabend (15.02.2017) die drei Ozeanographen Lothar Stramma, Sunke Schmidtko und Martin Visbeck des Geomar Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel eine umfassende Analyse zum Sauerstoffverlust in den Weltmeeren.

Der Sauerstoffgehalt hat den Kieler Forschern zufolge seit 1960 im Schnitt um mehr als zwei Prozent abgenommen, vor allem in der Tiefsee. Und das habe weitreichende Folgen für Fische oder andere Organismen in ohnehin schon sauerstoffarmen Meeresregionen.

Für die aktuelle Studie haben die Autoren hunderttausende historische und aktuelle Sauerstoffmessungen ausgewertet. Mit solchen sogenannten Kranzwasserschöpfern werden vom deutschen Forschungsschiff Meteor aus Wasserproben auf der ganzen Welt genommen.

Der Sauerstoffrückgang habe bereits den Lebensraum großer Hochseefische deutlich eingeschränkt. "Der Lebensraum des Blauen Marlins im tropischen Ostatlantik ist zwischen 1960 und 2010 um 15 Prozent geschrumpft", sagt Lothar Stramma. Der Blaue Marlin gehört nicht nur zu den größten, sondern mit Spitzengeschwindigkeiten von 80 Kilometern pro Stunde auch zu den schnellsten Fischen im Atlantischen Ozean. Für derartige Höchstleistungen ist er – wie andere große Hochseefische auch – auf eine großzügige Versorgung mit Sauerstoff angewiesen.

Während Fische und Meeressäuger unter dem Klimawandel und den Folgen leiden, weil das Wasser immer sauerstoffärmer wird, breiten Quallen ihren Lebensraum immer weiter aus und vermehren sich munter. Sie brauchen nämlich kaum Sauerstoff.

Genau wie Kalmare. Die Kopffüßer sind weniger anfällig gegen den rückgängigen Sauerstoff, denn ihr Blut enthält Hämocyanin. Das Biomolekül bindet und transportiert Sauerstoff durch den Körper - und zwar sehr effektiv. Die Forscher erwarten, dass auch sie ihren Lebensraum weiter ausdehnen.

Sauerstoffarmut kann außerdem zu massiven Algenblüten führen. "Sämtliche subtropischen Meeresgebiete, der Golf von Mexiko, aber auch die Ostsee gehören zu den sauerstoffschwachen Regionen", sagt Sunke Schmidtko. Bei weiter steigenden Temperaturen der Atmosphäre und damit auch des Wassers sei eine weitere Abnahme des Sauerstoffgehalts in den Ozeanen anzunehmen.

Die neu vorgestellten Messergebnisse sind wichtig für die Arbeit der rund 100 Wissenschaftler, die an der Kieler Christian-Albrechts-Universität und am Geomar "biogeochemische Wechselwirkungen" im tropischen Ozean erforschen. Stramma: "Vier Expeditionen mit dem deutschen Forschungsschiff Meteor widmen sich ab Anfang März der tropischen Sauerstoffminimumzone im Ostpazifik vor Peru. Dabei werden wir weitere Daten zur regionalen Entwicklung gewinnen, die uns auch helfen, die globalen Trends besser zu verstehen."

Stand: 16.02.2017, 16:27 Uhr