Wasserpest: Auf der Suche nach alternativen Gegenmitteln

Rotfeder und Armleuchteralge

Wasserpest: Auf der Suche nach alternativen Gegenmitteln

Von Andreas Sträter

  • Wasserpest breitet sich in Ruhrseen aus
  • Ruhrverband will neue Gegenmittel testen
  • Im Fokus: ein überdimensionaler Epilierer und Bodendecker-Algen
  • Veränderungen der Strömung könnten Pflanzen am Sprießen hindern

Schon vor 15 Jahren hat der Ruhrverband Fische ausgesetzt, um der wuchernden Wasserpest im Essener Baldeneysee zu Leibe zu rücken. Doch der Erfolg war mäßig: "Unsere Taucher haben bisher nur Fraßspuren an den Pflanzen festgestellt", berichtet Sprecherin Britta Balt dem WDR. "Dieser kleine Fisch kommt gegen die Wuchsfreude der Elodea einfach nicht an."

Weil das Abmähen zu teuer und nicht nachhaltig ist, möchte der Ruhrverband in einem Forschungsprojekt nun alternative Möglichkeiten gegen die Unterwasserwälder in den Ruhrseen erproben.

Bodendecker-Algen sollen Licht entziehen

Armleuchteralgen

Armleuchteralgen: Wirksam gegen wuchernde Wasserpflanzen?

In dem beantragten Projekt wollen sich die Forscher Bodendecker-Algen genauer anschauen. Die heimischen Armleuchteralgen sollen dabei den Seegrund beschatten. Sie bilden Pflanzenteppiche und würden der Wasserpest das nötige Licht entziehen. Vorteil: Die geringe Wuchshöhe der Alge beeinträchtigt die Wassersportler nicht.

Armleuchteralgen: Test am Phoenixsee

Mit Erfolg getestet wurde die Alge bereits am künstlichen Phoenixsee in Dortmund, der im Jahr 2010 geflutet wurde. Auf großen Teilen des See habe sich diese Pflanzenart seitdem in kurzer Zeit ausbreiten können. Dennoch seien vereinzelt auch noch hochwüchsige Wasserpflanzen am Phoenixsee zu beobachten: "Diese bereiten augenblicklich aber keine Probleme", heißt es bei der Stadt Dortmund.

Rollenpflücker: Wie ein großer Epilierer

Erforscht werden soll auch der Einsatz eines überdimensionalen Epilierers. Der Rollenpflücker reißt die Algen mitsamt ihren Wurzeln aus dem Seeboden. Bei dem Gerät handelt es sich um einen Prototypen mit zwei Walzen, die über die Wasseroberfläche gezogen werden. Doch Geo-Ökologe Andreas Sundermann von der Bundesanstalt für Gewässerkunde in Koblenz warnt: "Durch das Entfernen können Blaualgen gefördert werden, die noch unangenehmer sind."

Strudel könnten Wasserpest vertreiben

Wasserpest kann auch durch erhöhte Strömungen in ihrem Wachstum gehindert werden. Die Ruhrseen sind künstlich aufgestaut, so dass der Fließverlauf der Ruhr noch vorhanden ist. Landzungen, Steine oder Anhäufungen unter Wasser könnten Strudelungen oder Verwirbelungen herbei führen, um somit die Pflanzen wegzuspülen.

Hydraulische Bedingungen sollen verändert werden

"Man muss sich das vorstellen wie bei einem Kind, das an einem Bachlauf einen Damm mit Steinen schichtet und somit den Bachverlauf verändert", verbildlicht Ruhrverbandssprecherin Britta Balt. Die hydraulischen Bedingungen zu verändern, sei allerdings hochkomplex. Experten müssten dies zunächst in mathemalischen Modellen berechnen und am Computer simulieren.

Veränderungen des Sediments

Die Teppiche der Elodea Alge (Wasserpest) schwimmen am 19.07.2017 auf dem Baldeneysee in Essen

Können Sediment-Veränderungen die Elodea-Teppiche reduzieren?

Letztlich werden auch Veränderungen des Sediments – das sind die Ablagerungen am Seegrund – unter die Lupe genommen. Es habe bereits Versuche gegeben, das Sediment mit einer Egge, einem Pflug oder einer schweren Polterkette zu bearbeiten. "Einen nachhaltigen Effekt haben wir nicht feststellen können", erläutert Balt dem WDR.

Wann die Tests beginnen können, hängt vom nordrhein-westfälischen Umweltministerium ab. Der Ruhrverband hofft, die Versuche mit den Armleuchteralgen und dem Rollenpflücker noch in diesem Jahr starten zu können.

Stand: 31.07.2017, 06:00