Dank Regeln im Einklang mit der Natur

Schild an der Dellbrücker Heide, das auf das Naturschutzgebiet und die dort geltenden Regeln hinweist

Dank Regeln im Einklang mit der Natur

Von Sabrina Loi

  • Intakte Natur hat hohen Erholungsfaktor für Menschen
  • Natur braucht aber menschfreie Zonen zur Entwicklung
  • Häufige Störung durch Menschen kann tödlich sein
  • Folgen der Störung fallen den Naturbesuchern meist nicht auf

Nur wenig ist erholender für den Menschen, als sich in die Natur zu begeben. Umgekehrt ist der Mensch für die Natur häufig ein Störfaktor. Deshalb gibt es in Naturschutzgebieten bestimmte Regeln: Man darf sie beispielsweise nur auf offiziellen Wegen betreten und Hunde müssen an der Leine geführt werden.

Eingriff in die Natur zum Schutz der Tiere

Holger Sticht im Portrait: Mann mit kurzen dunklen Haaren und Augen steht in der Natur

Holger Sticht vom BUND

Naturschutzgebiete sollen Lebensraum für bestimmte Tiere und Pflanzen bieten. Dafür muss teilweise auch in die Natur eingegriffen werden, erklärt Holger Sticht, Landesvorsitzender des BUND in NRW: Nur indem beispielsweise Wiesen gemäht und Gehölz zurückgeschnitten wird, kann ein offener Lebensraum geschaffen werden, der für viele Tierarten wichtig ist.

So werden dynamische Effekte nachgestellt, die ansonsten durch Pflanzenfresser wie Wisente, Auerochsen oder Pferde hergestellt würden. Die Eingriffe finden nur zu Zeiten statt, wenn die im Gebiet lebenden Tiere nicht dabei gestört werden. Problematisch ist es jedoch, wenn Besucher die offenen Flächen als Liegewiesen missverstehen.

Naturschutzgebiete in NRW

In Deutschland gibt es 8.757 Naturschutzgebiete. Sie machen 3,9 Prozent der Gesamtfläche aus. Von den Naturschutzgebieten liegen über 3.000 allein in NRW - mehr als in jedem anderen Bundesland. Die Gesamtfläche hier beträgt über 2.720 Quadratkilometer. Das ist etwas größer als das Saarland und entspricht 8 Prozent der Landesfläche.

Zauneidechse in der Dellbrücker Heide

Die Zauneidechse gehört in NRW zu den stark gefährdeten Arten

Der BUND betreut unter anderem das Naturschutzgebiet Dellbrücker Heide bei Köln. Hier leben zum Beispiel verschiedene Heuschreckenarten und die Zauneidechse, die in NRW zu den stark gefährdeten Arten gehört. Aber auch viele Brutvögel brauchen offene Lebensräume wie diesen.

Störungen können tödlich sein

In Naturschutzgebieten ist das Verlassen der Wege generell verboten. Bewegen sich Spaziergänger oder frei laufende Hunde dennoch jenseits der Wege, können sie zum Beispiel Vögel in ihrem Lebensraum stören - mit fatalen Folgen: Flüchtet ein Elterntier und lässt die Brut für kurze Zeit zurück, kann sie auskühlen und überlebt dies möglicherweise nicht. Dem Spaziergänger, der im Zweifel nur einen davon fliegenden Vogel sieht, fällt das nicht unbedingt auf.

Teich in der Dellbrücker Heide

Im Teich leben gefährdete Arten wie Kreuzkröte und Pechlibelle

"Wenn wir zum Beispiel sagen, da ist ein Teich und da muss jeder hin können - egal ob das Naturschutzgebiet ist oder nicht - dann heißt das unweigerlich, dass ein großer Teil der Arten, die an solchen Teichen leben, dort nicht mehr vorkommen können. Dann ist der Zweck und Sinn eines solchen Naturschutzgebietes dahin."

Naturschutzgebiete dienen der Naturerfahrung

Trotzdem müssen Naturschutzgebiete für Besucher zu betreten sein, findet Sticht: "Wir müssen den Leuten zeigen, was hier so wertvoll ist." Nur so könne nachvollzogen werden, warum es die Reglementierungen gibt. Und schließlich dienen Naturschutzgebiete auch der Naturerfahrung. Diese müsse jedoch gelenkt werden.

Stand: 27.04.2017, 00:00