Dämmstoffe aus Pilzen - eine ökologische Revolution?

Dämmstoffe aus Pilzen - eine ökologische Revolution?

Von Christof Voigt

  • Dortmunder Tüftler stellen Werkstoffe aus Pilzen her
  • Weiterentwicklung zum Holzersatz geplant
  • Dortmunder Labor "Fablab" versteht sich als offene Werkstatt

Das Gemeinschaftslabor für Zukunftsfragen liegt in einem Hinterhof in der westlichen Dortmunder Innenstadt. "Fablab" wird das Labor, das eigentlich "Dezentrale" heißt und zum Oberhausener Fraunhofer Institut gehört, von den Hobby- und Profi-Tüftlern genannt.

Werkstatt für kreative Forscher

"Fablab steht für Fabrication Laboratory, also Fabrikationslabor, wir sind eine offene Werkstatt, in die jeder kommen kann", erklärt Julia Krayer. Die 30-jährige Designerin studiert im Zweitstudium Interdisziplinäre Gestaltung an der Folkwang Universität in Essen und arbeitet hier als wissenschaftliche Mitarbeiterin.

Pilze als Werkstoff

Ausgebackenes Mycel - Verpresst ist der Stoff hart wie Sperrholz

Irgendwann will sie aber mit den Ideen, die sie hier entwickelt, Geld verdienen. Sie plant ein eigenes Unternehmen. Es könnte Teil einer kleinen ökologische Revolution auf dem Werkstoffmarkt werden.

Austernpilze für die Wissenschaft

Auf einem Tisch des Labors stehen Austernpilze, wie es sie in jedem Supermarkt gibt. Aber ihr Geheimnis steckt nicht in den Fruchtkörpern, also dem, was in den Supermarkt-Regalen liegt und in der Pfanne landen, sondern im eigentlichen Pilz – dem Mycel, hier ein etwa fußballgroßer Klumpen, aus dem die Austernpilze sprießen.

Pilze als Werkstoff

Die Pilzforscher im Fablab: Frauke Uppenkamp, Uwe Heuer, Julia Krayer

Für diese Klumpen rührt Julia Krayer einen Nährboden an an, der dann mit dem Mycel des Pilzes geimpft wird. Vor allem Kaffeesatz nimmt sie dafür, ein bisschen Stroh, einige Hände voll Buchenspäne, fertig. Der Nährboden wird dann in spezielle Säcke gefüllt, in denen der Pilz in zwei bis drei Wochen durch den Boden wächst und eine feste Struktur bildet.

Flexibles Material

Dann rückt Julia Krayer dem Pilz mit Gewalt zu Leibe. Immer wieder knallt sie den Sack mit dem festen Mycelballen auf den Tisch. "Wir machen das das Material jetzt klein, damit wir es gleich in Formen füllen können."

Der zerbröselte Pilz lässt sich in jede beliebige Form pressen, theoretisch auch in jeder Größe. "Und dort wächst er dann auch wieder zusammen und bildet eine Einheit", sagt Frauke Uppenkamp. Die 25-jährige studiert "Medizinische Biologie" an der Uni Essen-Duisburg und ist vor einem Jahr auf den Dortmunder Pilz gekommen.

Unerschöpfliche Möglichkeiten

Damals hatte sie ein Studienfreund mit ins Fablab genommen. Seitdem ist sie von den Möglichkeiten der Pilze fasziniert. "Das Material hat viele tolle Eigenschaften. Man kann eine Art Leder aus Pilzen herstellen oder verseuchte Böden mit Pilzen dekontaminieren. Außerdem hat es gute Dämmwerte. Man kann es mit Styropor vergleichen." Außerdem eignet sich der Stoff, um Sperrholz daraus zu machen, er ist frei von Formaldehyd und enthält nur natürliche Zusätze. 

Baustoff der Zukunft?

Noch steht die Forschung mit den Pilzen am Anfang. Aber es ist gut möglich, dass in ein paar Jahren Möbel, Dämmstoffe oder Verpackungsmaterialen aus Dortmunder Pilzen hergestellt werden.

Stand: 26.04.2017, 11:30