Detektivarbeit in der Mückenforschung

Gnitze, Kriebelmücke auf menschlicher Haut

Detektivarbeit in der Mückenforschung

Für die meisten sind sie lediglich Plagegeister: Mücken. Die Insekten können aber auch gefährliche Krankheiten übertragen. Deshalb sind Mücken inzwischen auch Gegenstand der Forschung.

Lange konnten Mücken bei uns einfach so vor sich hin summen und Blut saugen – unbeobachtet und unbehelligt von der Wissenschaft. Bis zum Ausbruch der Blauzungenkrankheit im Jahr 2006. Sie befällt vor allem Schafe und Rinder. Die klassischen Stechmücken gehören damals nicht zum Kreis der möglichen Überträger, die viel kleineren Gnitzen aber schon. Und der Verdacht bestätigte sich.

Für Doreen Walther vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung in Müncheberg war das ein Schlüsselmoment für die Forschung. "Um die Frage zu klären, wann kommen wo welche Stechmücken vor." Das wusste damals kaum jemand. "Von daher ist es wirklich eine Basisarbeit, die wir im Moment leisten."

Arm, übersät mit Mückenstichen

Mücken haben nicht ohne Grund einen schlechten Ruf

Mücken als Träger von Viren

Im Labor wollen die Forscher herausfinden, ob und wenn ja welche Mücken ein bestimmtes Virus nicht nur aufnehmen, sondern es mit ihrem Speichel auch wieder abgeben können. "Wir wissen zum Beispiel, dass die in Deutschland gefangene Tigermücke das Zika Virus übertragen kann. Dass die gemeine Hausmücke das Westnilvirus übertragen kann, und wir sind jetzt gerade dabei, auch die Rheinschnake zu untersuchen", sagt Egbert Tannich vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg.

Tigermücke

Kann gefährliche Krankheiten übertragen: die Tigermücke

Tropenkrankheiten in Deutschland?

Für ein entsprechendes Szenario müsste eine Mücke mit der Fähigkeit, ein bestimmtes Virus zu übertragen, erstmal auf genau dieses Virus treffen. "Spannend wird es erst, wenn eine etablierte Tigermückenpopulation zum Beispiel in einer Region auftritt, in die ein infizierter Reiserückkehrer zum Beispiel aus den Tropen mit Dengue oder Chikungunya infiziert zurückkommt", so Doreen Walther. Dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass Mücke und Reiserückkehrer zusammen treffen nicht mehr Null. Sie ist sehr gering, aber nicht mehr Null."

Eine asiatische Buschmücke sitzt am 23.09.2005 auf einem Finger. Diese Mücke verbreitet sich in Deutschland, vorallem im Süden von Nordrhein-Westfalen und im Norden von Rheinland-Pfalz und ist Überträger des in Einzelfällen tödlichen West-Nil-Virus.

Ein anderer Einwanderer: Die Asiatische Buschmücke

Wie fängt man eigentlich Mücken?

Inzwischen leisten viele Bürger wichtige Arbeit für den bundesweiten "Mückenatlas". Denn die Forscher merkten schnell, dass das Einfangen der Mücken keine leichte Arbeit ist. Sie riefen deshalb ein Citizen Science Projekt ins Leben. Dort arbeiten interessierte Laien wie Gisela Huber aus Köln mit. Sichtet sie zuhause eine Mücke, wird sie eingefangen.

Mücke im Glas

Insekten sterben im Gefrierschrank

An der Wand erschlagen nützen die Tiere natürlich nicht viel. Deshalb müssen sie schonend gefangen werden. Dafür hat Gisela Huber immer ein Marmeladenglas parat. "Die Tiere sitzen oft ganz ruhig irgendwo an der Wand oder an der Fensterscheibe", sagt Gisela Huber. Glas drüber, Insekt gefangen. "Und wenn es mehrere waren, hab ich die Gläser beschriftet." Danach werden die Mücken im Gefrierfach getötet und in einer Schachtel zu den Forschern geschickt. Gisela Huber beteiligt sich als Hobby-Mückenfängerin mittlerweile regelmäßig, so wie viele andere auch. Über 5.000 Einsendungen sind so allein im Jahr 2016 zusammengekommen.

Autorin des Radiobeitrags ist Lena Mörsch.

Stand: 31.07.2017, 13:51