Darum ist Luftverschmutzung so gefährlich

Eine Umweltmessstation

Darum ist Luftverschmutzung so gefährlich

Von Benjamin Esche

Das Umweltbundesamt veröffentlicht am Dienstag (31.01.2017) neue Daten zur Luftverschmutzung in Deutschland. Soviel ist jetzt schon klar: Stickstoffdioxid sorgt für deutlich mehr Probleme als Feinstaub.

Am Dienstag (31.01.2017) veröffentlicht das Umweltbundesamt (UBA) aktuelle Daten zur Luftverschmutzung in Deutschland. Vorab ist schon klar: Das Jahr 2016 ist offenbar das Jahr mit der geringsten Feinstaubbelastung in diesem Jahrhundert. Dagegen ist Stickstoffdioxid das viel größere Problem. Welche Werte ziehen die Forscher bei ihren Messungen heran? Und wann wird es gefährlich? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Welche Luftschadstoffe werden gemessen?

Der Fokus liegt auf den sogenannten Indikator-Schadstoffen. Dazu zählen neben Feinstaub und Stickstoffdioxid auch Schwefeldioxid und Ozon. Die Forscher unterscheiden die Schadstoffe nach natürlichen und menschengemachten Quellen. Die Schadstoffkonzentrationen in der Luft werden mehrmals am Tag an mehr als 650 Messstationen in ganz Deutschland gemessen.

Die Auswertung und Beurteilung der Luftqualität erfolgt im Hinblick auf die in einer EU-Richtlinie definierten Grenzwerte. Die Ergebnisse werden zudem mit den wesentlich strengeren Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) verglichen.

Was sind die Ursachen der Luftbelastung?

Besonders der Straßenverkehr und die Industrie belasten unsere Luft. Stickstoffdioxid entsteht vor allem bei Verbrennungsprozessen in Dieselmotoren und Ofenanlagen und gelangt über Auspuff oder Schornstein in die Luft. "Das Hauptproblem sind Dieselautos im Straßenverkehr", sagt Ute Dauert, Luftexpertin beim Umweltbundesamt. So sind Dieselabgase für 67 Prozent der direkten Stickstoffdioxidemissionen im Straßenverkehr in den Innenstädten verantwortlich.

Bei Feinstaub sind die Quellen vielfältig. Sowohl in der Industrie und dem Straßenverkehr als auch in der Landwirtschaft wird er freigesetzt. Die Höhe der Schadstoffbelastung wird zudem von der Witterung beeinflusst. Ist es kalt, steigen die Emissionen gewöhnlich, weil stärker geheizt wird.

Wann wird es gefährlich?

Bei Stickstoffdioxid liegt der Jahresgrenzwert bei 40 Mikrogramm pro Kubikmeter. "Da sind wir an vielen Stellen deutlich drüber", sagt Luftexpertin Dauert. "In Städten wie München oder Stuttgart sind wir teilweise bei einem Wert von über 80 Mikrogramm." Der Ein-Stunden-Grenzwert von Stickstoffdioxid ist auf 200 Mikrogramm pro Kubikmeter festgelegt und darf nicht öfter als 18-mal im Kalenderjahr überschritten werden.

Die Belastung durch Feinstaub ist nach UBA-Angaben zwar rückläufig, doch die WHO-Empfehlungen werden immer noch nicht erreicht. Feinstaub wird nach seinem Durchmesser unterschieden. Es gibt die Feinstaubfraktion PM10 mit einem maximalen Durchmesser von 10 Mikrometern. Hier liegt der zulässige Jahresmittelwert bei 40 Mikrogramm pro Kubikmeter. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt einen Grenzwert von 20 Mikrogramm pro Kubikmeter.

Hinweisschild "Feinstaub-Alarm"

Feinstaub-Alarm in Stuttgart

Der Tagesgrenzwert beträgt 50 Mikrogramm pro Kubikmeter und darf nicht öfter als 35 mal im Jahr überschritten werden. Der ultrafeine Feinstaub PM2,5 hat einen Durchmesser von 0,1 Mikrometer. Hier liegt der Grenzwert bei 25 Mikrogramm pro Kubikmeter.

Welche Folgen hat Luftverschmutzung?

Die Gesundheit kann auf unterschiedliche Weise beeinträchtigt werden. Stickstoffdioxide schädigen Pflanzen und können aufgrund ihrer reizenden Wirkung besonders für Asthmatiker gefährlich werden. Sie wirken auf die Schleimhäute und die Atmungsorgane. "Allergien können dadurch verstärkt werden", erklärt Ute Dauert vom Umweltbundesamt.

Feinstaub kann ebenfalls die Schleimhäute reizen und Entzündungen in der Luftröhre und in den Bronchien hervorrufen. Durch Luftschadstoffe wurde bereits eine Zunahme von Herz- und Kreislauferkrankungen festgestellt.

Wie kann man sich vor Luftverschmutzung schützen?

Grundsätzlich kann man sich nicht schützen: "Wenn man sich draußen aufhält, ist man diesen Luftschadstoffen natürlich ausgesetzt", sagt Luftexpertin Dauert. "Dann wird zwangsläufig die schadstoffbelastete Luft eingeatmet." Jeder Mensch könne allerdings sein eigenes Verhalten anpassen und so verhindern, Schadstoffe freizusetzen. "Man kann einfach mal bei kurzen Wegen das Auto stehen lassen und mit dem Fahrrad fahren oder zu Fuß gehen", so die Expertin.

Die großen Rahmenbedingungen muss dann die Politik schaffen, um weniger Luftschadstoffe in den Städten zu erreichen. Dazu gehört nach UBA-Ansicht, dass alte Diesel-Fahrzeuge schrittweise aus den Innenstädten verbannt werden müssen. Saubere Fahrzeuge wie Elektroautos müssten dagegen gefördert werden.

Stand: 30.01.2017, 17:31