Libellen hautnah

Libellen hautnah

Wer mit einem Libellen-Experten auf Exkursion geht, taucht schnell in den Mikrokosmus der Insekten ein. Eine Fotostrecke.

Libellen bei der Paarung

Sie halten den Rekord beim Liebesakt: Bis zu sieben Stunden hängen Weibchen und Männchen der Pechlibelle im Paarungsrad aneinander. Nur eine von rund 60.000 Fotodokumentationen des Hobby-Libellenforschers Heinz-Willi Wünsch aus Bergheim. Er hat nicht nur alle 79 Libellenarten in Deutschland fotografiert, er sammelt riesige Datensätze über Verbreitung und Verhalten der Tiere.

Sie halten den Rekord beim Liebesakt: Bis zu sieben Stunden hängen Weibchen und Männchen der Pechlibelle im Paarungsrad aneinander. Nur eine von rund 60.000 Fotodokumentationen des Hobby-Libellenforschers Heinz-Willi Wünsch aus Bergheim. Er hat nicht nur alle 79 Libellenarten in Deutschland fotografiert, er sammelt riesige Datensätze über Verbreitung und Verhalten der Tiere.

Der 59-Jährige hat es sich seit fast einem Jahrzehnt zur Aufgabe gemacht, alle Libellenarten Deutschlands abzulichten. Heraus gekommen sind dabei Aufnahmen, die Seltenheitswert haben. Fachzeitschriften, Universitäten und Wissenschaftler greifen gerne auf das Archiv des Libellenliebhabers und Fotografen zurück. Wünsch kennt viele Ecken in NRW, wo man noch ungestört Libellen beobachten kann. Doch der Lebensraum der Libelle schrumpft.

"Arten, die an stillen Gewässern leben, brauchen zum Beispiel sauberes, flaches Wasser, viel Sonne und ein großes Nahrungsangebot. Ein großes Problem ist die Überdüngung der Agrarflächen. Toxische Substanzen landen im Grundwasser und kommen an anderer Stelle wieder hoch. Gewässer können schnell umkippen." Auch würden immer mehr Flächen trocken gelegt. "Moorspezialisten unter den Libellen findet man nur noch an wenigen Stellen."

Wer mit Wünsch auf Exkursion geht, bekommt etwas geboten. Unterwegs an einem Teich in der Zülpicher Börde, fängt der Libellenliebhaber mit gekonntem Kescherschwung eine echte Rarität. Die Gabel-Azurjungfer gehört zu den seltensten Arten in Deutschland - doch Wünsch weiß, wo man sie sogar in Nordrhein-Westfalen noch finden kann.

Nur ein paar Meter weiter sitzt das Männchen einer Vierfleck-Libelle auf seinem Aussichtsposten. Mit seinen Facettenaugen aus 30.000 Einzelaugen hat er einen Blickwinkel von 280 Grad und kann auf 20 Meter Entfernung alles sehen, was an ihm vorbei fliegt und was sich hinter ihm befindet. Er wartet aber auf ein Weibchen, doch die Konkurrenz ist groß. Um sich dennoch paaren zu können, haben Libellen eine ausgeklügelte Technik entwickelt, die erst seit wenigen Jahren bekannt ist. Bei der Paarung kann das männliche Tier zunächst die weibliche Eikammer leer räumen, falls dieses sich vorher schon einmal verpaart hat. "Er entfernt Eier und Spermien vom Vorgänger, um bloß seine eigenen Gene zu sichern", erklärt Wünsch.

Kurze Zeit später lässt sich eine große Königslibelle zur Eiablage nieder. Dazu sticht sie einen Ast an und bohrt mit ihrem Legestachel ein Loch hinein.

Heinz-Willi Wünsch ist auch oft in der Nacht an Gewässern unterwegs. Um diesen Schlupf dieser Königslibelle zu dokumentieren, stand der 59-Jährige über vier Stunden im Wasser. Langsam nur schält sich das erwachsene Tier aus der Larvenhülle. Bis zu einer Stunde hängt es dann Kopf über, um Kraft für den letzten Akt zu sammeln.

Wer der großen Königslibelle zu nahe kommt, läuft Gefahr verspeist zu werden. Hier hat eine Königslibelle sich das Weibchen einer Feuerlibelle geschnappt. In ihrer Not presst das Opfer noch ihre letzten Eier aus dem Hinterleib, bevor es gefressen wird. Auch so ein Foto, auf den Libellenfan Wünsch stolz ist.

Es gibt Libellenarten, die aus Angst vor Fressfeinden nur im Kollektiv zur Eiablage ans Wasser kommen - so wie diese Azurjungfern.

Um den besten Aussichtspunkt zu haben, suchen sich die Tiere auch manchmal den Forscher selbst aus. Hier hat es sich eine grüne Flussjungfer auf dem Haupthaar gemütlich gemacht.

Stand: 18.06.2017, 06:00 Uhr