Libellen: Geheimnisvolle Flugakrobaten

Libellen: Geheimnisvolle Flugakrobaten

Von Katja Goebel

Sie heißen Binsenjungfer oder Schilfjäger und fliegen besser als Helikopter. Schon als Larven jagen Libellen mit tödlichem Werkzeug, um sich später in Herzform zu paaren. Ihr Sehsinn ist sensationell und ihr Stachel nur zum Eierlegen da.

Libelle auf einer Blüte

Beginnen wir mit einem Mythos: Einst erzählte man sich, dass Stiche einer Libelle sogar ein Pferd erlegen können. Auch die volkstümlichen Namen, die man der Libelle verpasst hat, sind meist zum Fürchten. Von "Augenbohrer", „Schlangenstecher" und "Teufelsnadel" ist da die Rede. "Das ist natürlich Quatsch", sagt Libellenexperte Willi Wünsch, Mitglied der Gesellschaft deutschsprachiger Odonatologen (Libellenforscher Anm. d. Red). "Libellen haben zwar einen Stachel, aber mit dem legen sie nur Eier."

Beginnen wir mit einem Mythos: Einst erzählte man sich, dass Stiche einer Libelle sogar ein Pferd erlegen können. Auch die volkstümlichen Namen, die man der Libelle verpasst hat, sind meist zum Fürchten. Von "Augenbohrer", „Schlangenstecher" und "Teufelsnadel" ist da die Rede. "Das ist natürlich Quatsch", sagt Libellenexperte Willi Wünsch, Mitglied der Gesellschaft deutschsprachiger Odonatologen (Libellenforscher Anm. d. Red). "Libellen haben zwar einen Stachel, aber mit dem legen sie nur Eier."

Aus den Eiern schlüpfen bald Larven, die je nach Art unterschiedlich lang im Wasser leben - von wenigen Monaten bis zu mehreren Jahren. Die Larven machen Jagd auf Beutetiere wie Mückenlarven. Dazu benutzen sie einen Fanghaken, der sich in Millisekunden in die Beute schlägt. Am Ende ihres Hinterleibs hat sie auch noch eine Art Harpune, die sie in Beutetiere schlagen kann. "Unvorstellbar, wie gefräßig diese Larven sind", erzählt Wünsch. "Ich habe mal in einer Zinkbadewanne ein Mini Biotop mit sechs Libellenlarven angelegt. Die fraßen pro Woche 500 Kaulquappen". Großlibellenlarven können aber auch über 100 Mückenlarven am Tag vertilgen.

Die großen Facettenaugen der Libelle bestehen aus bis zu 40.000 Einzelaugen. Sie ragen über die Körperbreite hinaus und können etwa 250 Bilder in der Sekunde auflösen. "Wenn sie Ihre Sehkraft um 170 Mal verstärken, dann haben sie den Blick einer Libelle", so Wünsch. "Und außerdem haben die Tiere einen Rundumblick von 270 Grad."

In Deutschland gibt es insgesamt 79 Libellenarten. Der Population geht es schlecht. "Über 60 Prozent der Arten sind gefährdet." Um auf die Bedrohung aufmerksam zu machen küren der BUND und die Gesellschaft deutschsprachiger Odonatologen seit 2011 die Libelle des Jahres. Mit der Feuerlibelle (Foto) wählten sie damals erstmals eine Art, die sich durch den Klimawandel vom Mittelmeerraum immer weiter Richtung Norden ausbreitet. Zur Libelle 2016 wurde übrigens die grün-metallisch glänzende "Gemeine Binsenjungfer" gewählt.

An Gewässern halten sich Libellen nur auf, wenn sie geschlechtsreif sind. Und so sind sie auch in unseren Gärten zu finden, um hier auf Beutefang - auch auf Käfer und Mücken zu gehen. Sie legen beim Flug kilometerlange Strecken zurück und kämpfen - je nach Art - auch schon einmal untereinander unerbittlich um ein Revier. Verfliegt sie sich doch einmal in die Wohnung, sollte man keine Scheu haben, das Tier behutsam - zum Beispiel mit einem größeren Gefäß - einzufangen und wieder in die Freiheit zu entlassen.

Und auch Vögel machen Jagd auf Libellen. Dieser Falke hat das große Insekt im Flug überwältigt.

Diese herzförmige Figur wird im französischen etwas romantischer als "Coeur d'Amour" (Herz der Liebe) bezeichnet.

Stand: 02.09.2016, 06:00 Uhr