Lavasee - Selfie am Abgrund

Lavasee Masaya in Nicaragua

Lavasee - Selfie am Abgrund

  • In Nicaragua ist in wenigen Jahren ein Lavasee entstanden
  • Besucher können bis fast an den Kraterrand fahren
  • Noch ist unklar, wie gefährlich der Lavasee ist
  • Eine deutsche Seismologin untersucht das Phänomen

Rund 450 Meter fällt der Krater Santiago vor den Füßen von Wilfried Strauch ab. Er steht auf einer Plattform, die nur Wissenschaftler betreten dürfen und schaut hinab in die Tiefe. Unter seinen Füßen ein See aus flüssiger Lava. Über 1000 Grad heiß, brodelt er wie eine Suppe, leuchtend, gelbrot. Meterhoch spritzt das Magma in die Höhe.

Der Deutsche Vulkanologe Wilfried Strauch war einer der ersten, der zusehen konnte, wie sich Ende 2015 der Erdboden öffnete und der See aus flüssiger Lava entstand. "Am Anfang hatte der so 30 Meter. Heute hat er etwa 60 Meter Durchmesser." Und er wird immer größer.

Lavasee - Selfie mit Höllenschlund

In Nicaragua gilt der Lavasee Masaya als Touristenattraktion. Vor allem, weil er so gut erreichbar ist. Wie gefährlich er wirklich ist, ist unklar. Klar ist, die Region ist erdbebengefährdet.

Lavasee Masaya in Nicaragua

Man sieht ihn schon von weitem: Masaya. Er gilt als einer der aktivsten Vulkane in Nicaragua.

Man sieht ihn schon von weitem: Masaya. Er gilt als einer der aktivsten Vulkane in Nicaragua.

Das Besondere an Masaya: Der Lavasee entstand erst vor wenigen Jahren.

Der Krater ist so gut erreichbar, dass Touristen mit Reisebussen bis fast an den Schlund gefahren werden.

Das macht den See zur Touristenattraktion.

Von einer eigens gebauten Plattform schaut man in die Tiefe – oder macht Selfies für Facebook & Co.

Das sollte jedoch nicht täuschen, Masaya gilt als einer der aktivsten Vulkane Nicaraguas. Fluchtrouten sind nicht aus Spaß ausgeschildert.

Immer wieder gibt es starke Beben, die Häuser zerstören. So wie hier in Masaya im Juli 2000.

Das Beben mit einer Stärke von 5,9 forderte sieben Menschenleben. Tags darauf zerstörte ein weiteres Beben in der Region das Elternhaus dieses Mädchens.

Die deutsche Seismologin Anne Obermann hat deshalb rund um den Vulkan Messstationen aufgestellt.

Anne Obermann will wissen, wie das unterirdische System aussieht. Erst dann lässt sich sagen, wie der See entstanden ist und welche Gefahr von ihm ausgeht.

Vulkan vor den Toren Managuas

Der Krater Santiago mit seinem Lavasee ist einer von fünf Kratern des Vulkan Masaya. Gerade mal 20 Kilometer liegt der Masaya von der Millionen-Hauptstadt Managua entfernt. Seit Anbeginn leben die Menschen hier im Schatten der gefährlichen Schlote. Durch Nicaragua zieht sich eine aktive Vulkankette entlang der Westküste von Nord nach Süd, wie eine Perlenkette.

Lavasee ist inzwischen eine Touristenattraktion

Lavasee Masaya in Nicaragua

Mit Selfiestick am Abgrund

Seitdem sich der Lavasee im Krater gebildet hat, ist er eine Attraktion. Bis fast an den Kraterrand können Reisebusse mit den Besuchern fahren. Tag und Nacht wird das Schauspiel fotografiert. Dass der Lavasee so gut zugänglich ist, macht ihn auch für Wissenschaftler so interessant.

Dichtes Netz von Messstationen

Die Deutsche Anne Obermann ist extra nach Nicaragua gereist. "Das ist etwas, was ich mir gar nicht richtig vorstellen konnte, das man dort praktisch direkten Zugang zum Erdinneren hat", sagt die Seismologin. Im Dezember 2016 hat sie rund um den Vulkan Masaya ihre Messstationen aufgestellt. Jetzt ist sie wieder gekommen, um ihre Geräte einzusammeln. Wenn sie weiß, wie das unterirdische System aussieht, kann sie sagen, wie der See entstanden ist und welche Gefahr von ihm ausgeht.

Offene Vulkane sind weniger gefährlich?

Lavasee Masaya in Nicaragua

Fluchtwege sind nicht aus Spaß ausgeschildert.

Der Vulkanologe Wilfried Strauch lebt seit fast 30 Jahren in Nicaragua. Er glaubt nicht, dass der See eine Bedrohung darstellt. "Eigentlich sind Vulkane gefährlicher, die verstopft sind", sagt der Deutsche. In Masaya sei der Vulkan aber offen, die Gase könnten ohne Probleme herauskommen.

Für seine Kollegin Anne Obermann beginnt nach der Feldarbeit jetzt die Auswertung am Rechner.

Autor des Radiobeitrags ist Marcus Gross.

Stand: 31.07.2017, 10:33