PAK - Gefährliche Stoffe im Alltag

Brennende Holzkohle

PAK - Gefährliche Stoffe im Alltag

Wenn bei Straßenbauarbeiten krebserregende Stoffe in der Fahrbahn festgestellt werden, ist die Aufregung groß. Was sind die sogenannten PAK und wo sind diese Stoffe noch enthalten?

Als im August die B9 in Bonn für die Sanierung gesperrt wurde und sich während der Bauarbeiten herausstellte, dass die Arbeiten wegen krebserregender Baustoffe (so genannter Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe, kurz: PAK) komplizierter sein würde, hat das - vor allem in Bonn - einige Menschen irritiert. Drohen ähnliche Situationen in anderen Regionen von NRW? Und wie groß ist das Problem der PAK? Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Was sind eigentlich PAK?

Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe entstehen bei der unvollständigen Verbrennung organischer Materialien: Also etwa Holz, Kohle und Öl, aber auch als so genannte Schlacken bei der Verkokung von Kohle und der Raffination von Erdöl. Diese Schlacken wurden lange im Straßenbau verwendet, inzwischen ist ihre Verwendung als Straßenbelag verboten.

Unter dem Begriff PAK wird eine Gruppe unterschiedlicher Chemikalien mit ähnlicher Struktur und Wirkung zusammengefasst. Viele PAK sind als krebserregend eingestuft. Sie verändern das Erbgut, sind schädlich für Menschen und Umwelt. Die Stoffe bleiben lange in der Umwelt und werden nach Angaben des Umweltbundesamtes (UBA) kaum abgebaut.

Wo begegnen wir PAK?

PAK sind vor allem in der Luft, sie binden stark an Ruß-, Boden- oder Staubpartikel und gelangen so in die Atmosphäre, daher sie sind auch in wenig besiedelten Regionen der Erde messbar. Auch in Baustoffen und Holzschutzmitteln können PAK enthalten sein, aber auch in der Nahrung: in geräucherten und gegrillten Speisen, in Kakao und Schokolade. Tabakrauch ist eine weitere Quelle.

Geräucherte Makrelen

Auch geräucherte Speisen können schädliche Stoffe enthalten.

Teilweise werden sie als Weichmacher Gummi und Kunststoffen beigemischt (Griffe von Handwerkszeug, Fahrradgriffe, Gummischuhe), so können sie über die Haut aufgenommen werden. Lange wurde PAK-haltiger Teer nicht nur als Straßenbelag, sondern auch beispielsweise in Teerpappen verwendet. Aber PAK entstehen auch bei natürlichen Prozessen wie Vulkanausbrüchen und Waldbränden.

Welches sind die Hauptquellen?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht die Hauptquellen von PAK in der Luftverschmutzung; durch Feuerungsanlagen und den Verkehr, aber auch durch Feuerstellen und Tabakrauch. Das Umweltbundesamt sieht die Hauptquellen in Industrieländern bei Kleinfeuerungsanlagen in Haushalten und mittleren Feuerungen in Gewerbebetrieben (93 Prozent).

Große Mengen von PAK können durch Lecks bei der Erdölförderung in die Umwelt gelangen. Beim Abbau von Kohle gelangt PAK-haltiger Staub in die Atmosphäre. Das Bundesamt für Gesundheit der Schweiz geht davon aus, dass die Hauptquelle, durch die Menschen PAK aufnehmen, die tägliche Nahrung ist.

Wie groß ist die Gefahr durch Straßenbeläge?

PAK in Straßenbelägen kommt eine eher geringe Bedeutung zu. Früher wurden PAK-haltige Teeröle als Straßenbelag eingesetzt. "Alle Straßen, die vor ca. 1980 gebaut wurden, könnten PAK enthalten", sagt Rudi Bull-Wasser von der Bundesanstalt für Straßenwesen (BAST). Betroffen seien davon eher die Kommunen, ihre Straßen sind nicht so stark befahren. Die meisten Autobahnen seien inzwischen saniert worden. "Gesundheitlich belastend ist diese Sanierung dann eher für eine kleine Gruppe von Menschen, nämlich die Straßenarbeiter", fügt Bull-Wasser hinzu.

"Vor Beginn von Sanierungsarbeiten ziehen wir standardmäßig einen bzw. mehrere Bohrkerne der Straße", erklärt Bernd Löchter von Straßen NRW. Nach genauer Analyse wissen die Experten dann, um was für eine Struktur mit welchem Belag es sich handelt. "Jede Straße ist anders", meint Löchter. Anschließend werden die entsprechenden Vorkehrungen - auch für die Entsorgung von PAK und den entsprechenden Schutz der Bauarbeiter - getroffen.

Was für Verbote und Grenzwerte gibt es?

Inzwischen sind zahlreiche krebserregende PAK in Produkten, die mit Haut und Schleimhäuten in Verbindung kommen können, verboten. EU-weit gibt es eine Beschränkung mit unterschiedlichen Grenzwerten für unterschiedliche Produktgruppen.

Wie kann ich PAK erkennen?

Gummiente mit einem Gift Schild um den Hals

Vorsicht, wenn Dinge aus Kunststoff stechend riechen!

Das ist nicht so leicht: Weil sie vorwiegend erst bei Verbrennungsprozessen entstehen, werden sie auf keiner Zutatenliste genannt. Bei Gummi- und Kunststoffprodukten gilt tatsächlich meist: Je billiger, desto eher enthalten sie PAK, das gilt vor allem für Import-Waren. Oft ist die Nase ein guter Ratgeber: "Wenn die Produkte stechend riechen, ist das oft ein Hinweis auf PAK", rät Annegret Biegel-Engler vom Umweltbundesamt. Einige Produkte riechen stark nach Öl, so wie an der Tankstelle. Einen Schnelltest auf PAK gibt es nicht.

Was kann jeder selbst tun?

Beim Grillen sollte die Kohle gut durch geglüht sein, am besten verwendet man Grillschalen, am besten aus Edelstahl, Keramik oder Emaille. Auch Tabakrauch sollte man möglichst meiden. Bei der Produktwahl können das GS-Zeichen und der Blaue Engel als kleine Orientierung dienen. Ganz vermeiden kann man PAK nicht, denn sie entstehen bei natürlichen Prozessen.

Stand: 05.09.2017, 06:00