Mensch bedroht Hai- und Rochenarten

Seltener Kuckucksrochen in einem Aquarium in Tönning, Nordseeküste

Mensch bedroht Hai- und Rochenarten

Von Detlef Schlockermann

In deutschen Gewässern sind insgesamt zehn Hai- und Rochenarten etabliert. Nur eine davon gilt als ungefährdet. Das geht aus einer Studie hervor, die erstmals einen umfassenden Überblick über so genannte Knorpelfischarten gibt.

Forscher der Universität Hamburg haben im Auftrag des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) mehr als 27.500 Nachweise von Knorpelfischen in Nord- und Ostsee ausgewertet. Die Ergebnisse sind alarmierend. Der gewöhnliche Stechrochen und der Glattrochen sind in deutschen Gewässern bereits ausgestorben bzw. verschollen. Nagelrochen und Dornhai sind vom Aussterben bedroht, Hundshai und Sternrochen sind teilweise stark gefährdet, Kuckucks- und Fleckrochen gelten als extrem selten. "Es ist besorgniserregend, dass der Kleingefleckte Katzenhai derzeit die einzige ungefährdete Knorpelfischart in den deutschen Meeresgebieten der Nord- und Ostsee ist", so das Fazit von so Ralf Thiel vom Centrum für Naturkunde der Universität Hamburg. Als Hauptgründe sehen die Forscher die Fischerei, die durch den Menschen veränderten Lebensbedingungen und den Klimawandel.

Katzenhai

Kleingefleckter Katzenhai - nicht gefährdet

Wirksame Schutzmaßnahmen gefordert

Die Forscher fordern ein internationales Netz aus Schutzgebieten. Außerdem sollen Fanggeräte verboten werden, die den Meeresboden berühren. Der gilt als besonders wertvoller Lebensraum für viele Arten. Dornhaie und vor allem Rochen halten sich beispielsweise überwiegend am Meeresboden oder bodennah auf. Dort ernähren sie sich von Weichtieren, Würmern, Krebstieren und Fischen. Die modernen Fangmethoden, bei denen die Netze den Meeresboden regelrecht durchpflügen, schaden solchen Arten deshalb besonders.

Was sind Knorpelfische?

Zur Gruppe der Knorpelfische gehören alle Haie und Rochen und die eigentümlich aussehenden Chimären oder Seekatzen. Ihr Skelett besteht - daher der Name - aus Knorpel, der durch die Einlagerung von prismatischem Kalk stellenweise eine hohe Festigkeit aufweist. Sie haben keine Gräten. Die Zähne sind nicht fest im Kieferknochen verankert, sondern sitzen in meist mehreren Reihen im Zahnfleisch und werden bei vielen Arten häufig ersetzt. Mit Hilfe spezieller Rezeptoren können sie selbst schwächste elektromagnetische Felder wahrnehmen. Anstelle von Schuppen besitzen Knorpelfische kleine Hautzähnchen.

Riesenhaie gelten als "Durchreisende"

Neben den insgesamt zehn in deutschen Gewässern heimischen Haien und Rochen, sehen Forscher und Fischer immer wieder auch andere Arten. Dazu gehört auch der vier Tonnen schwere Riesenhai, der 2015 im Gebiet der Doggerbank und in der Nähe des Sylter Außenriffs gesehen wurde.

Schwarzer Dornhai

Gehört zu den gefährdeten Arten: der schwarzer Dornhai

Für die aktuelle Studie seien erstmals Daten aus dem Zeitraum zwischen 1625 bis 2015 ausgewertet worden, lobte Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), diese erste umfassende Studie zu Haien in deutschen Gewässern. Dies erlaube eine fundierte Einschätzung zur Lage der Knorpelfischarten in deutschen Meeresgebieten.

Stand: 19.04.2017, 16:13