Aufforsten, aber richtig

Mann steht an Kakaobaum

Aufforsten, aber richtig

Von Alexandra Hostert

  • Aufforstung soll helfen, den Klimawandel abzumildern
  • Doch reine Baumplantagen haben Nachteile
  • Bei neuen Konzepten soll Aufforstung auch den Menschen vor Ort nützen

Wälder versorgen uns mit sauberem Wasser, frischer Luft und helfen, unser Klima im Gleichgewicht zu halten. Denn sie binden Kohlendioxid. Werden sie abgeholzt, wird viel Treibhausgas frei, das sonst in Pflanzen und Böden gespeichert wird. Durch Aufforstungsprojekte sollen in vielen Regionen Afrikas über Asien bis nach Südamerika wieder mehr Wälder entstehen.

Im besten Fall können diese Wälder auch die Artenvielfalt erhalten und der lokalen Bevölkerung nutzen. Wie das am besten gelingen kann, darüber diskutieren Experten bei vielen Veranstaltungen rund um die Weltklimakonferenz in Bonn.

Aufforstung von mehr als 150 Millionen Hektar

"Menschen lieben es Bäume zu pflanzen", so der deutsche Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth. "Sie wollen etwas tun, wenn sie all diese besorgniserregenden Nachrichten über das Klima und den Verlust der Artenvielfalt hören."

Mit der "Bonn Challenge", die 2011 von Deutschland und der Weltnaturschutzunion IUCN angeregt wurde, ist eine große internationale Aufforstungsinitiative entstanden. Bisher sollen 156 Millionen Hektar Land wieder aufgeforstet werden. Zuletzt haben die Länder Pakistan, Bangladesch, die Mongolei und Sri Lanka angekündigt mitzumachen und die Aufforstungsfläche soll bis 2030 weiter auf 350 Millionen Hektar wachsen.

Intelligente Aufforstung bietet viel Lebensraum

Einfach nur große Plantagen einer einzigen Baumart anzulegen, die schnell wächst und viel Kohlenstoff speichert, ist bei Aufforstung aber nicht genug: "Das wird dem Anspruch nicht gerecht, dass Landschaft mehr sein soll als ein reiner Holzacker", sagt Lorenz Petersen, Abteilungsleiter für Klima und ländliche Entwicklung bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit GIZ.

Lorenz Petersen bei einer Veranstaltung der GIZ zur Aufforstung.

Lorenz Petersen bei einer Veranstaltung der GIZ zur Aufforstung

"Vor allem, wenn die Bäume einer Plantage alle zum gleichen Zeitpunkt gepflanzt und dann zu einem bestimmten Zeitpunkt alles kahl geschlagen wird und  nichts stehen bleibt, widerspricht das dem Gedanken einer nachhaltigen Landnutzung." Viele solcher Holzplantagen bieten zudem kaum Lebensraum für Tiere oder trocknen die Böden aus.

Aufforstung- ein ethisches Problem?

Steven Lawry vom Center for International Forestry Research in Indonesien beschreibt, dass Aufforstung auch ethische Probleme mit sich bringen kann: "Manche Mechanismen erlauben in gewisser Weise, dass Menschen in den Industrienationen des Nordens viel Kohlendioxid ausstoßen und es hier wenig Anstrengungen zum Erhalt der Natur gibt. Denn sie transferieren die Kosten dieses Verhaltens in den Süden und erwarten, dass die Menschen dort Wald erhalten und Landnutzungen aufgeben."  Doch in vielen tropischen Ländern gibt es ein starkes Bevölkerungswachstum und Land ist knapp.

Gesunde Waldlandschaften sollen genutzt werden

Kautschukplantage in Liberia

Kautschukplantage in Liberia

Deshalb ist das Konzept der "Forest Landscape Restoration" entstanden. Dabei werden zerstörte Waldsysteme so aufgeforstet, dass gleichzeitig die natürlichen Funktionen des Ökosystems - wie das Speichern von Wasser - wiederhergestellt werden. Davon profitieren Menschen und Natur direkt vor Ort. Landschaften mit verschiedenen Bäumen, Büschen und kleinen Feldern entstehen. Wichtig bei diesem Ansatz ist auch, dass die Menschen den Wald auf nachhaltige Weise nutzen können. Zum Beispiel, indem Bauern zwischen den Bäumen Feldfrüchte anbauen oder Tiere weiden lassen.

Die Rechte müssen klar sein

Um ein Aufforstungsprojekt umzusetzen ist es zudem entscheidend, wem das Land gehört und wer es nutzen darf. Gerade solche rechtlichen Fragen und Probleme mit der lokalen Verwaltung sind in der Praxis der Programme aber ein großes Problem. "Aus dem Inneren des Amazonasgebiets wissen wir zum Beispiel, dass oft viele verschiedene Nutzungsrechte für dasselbe Land bestehen", sagt Waldexpertin Susanne Winter vom Umweltverband WWF.

Feuer verhindern

Der Schutz vor Waldbränden ist ebenfalls wichtig, um den Klimawandel zu mildern und Wald zu erhalten. Oft werden Feuer absichtlich gelegt, weil Menschen das Land anders nutzen wollen. "Wenn wir es durch bessere Landnutzungsplanung und Vorsorge schaffen würden, Waldbrände zu verhindern, dann können wir auf diese Weise einen großen Beitrag zum Klimaschutz erreichen", so Winter.

Feuerwehrleute im Einsatz in Portugal

Waldbrände sind eine bedeutende Quelle von Kohlendioxid

Die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit GIZ setzt ebenfalls darauf,  Bränden vorzubeugen: Sie unterstützt Bauern in Honduras dabei, Wälder nachhaltig zu bewirtschaften und die Produkte des Waldes zu verkaufen. Im Gegenzug sollen die Bauern den Wald vor illegalen Abholzungen und Waldbränden schützen.

Stand: 15.11.2017, 06:00