Die Kleine Anfrage: Warum werden Meerestiere nicht von Algen und Muscheln bewachsen?

Blauhai jagt Makrelen unter Kelp-Bueschel

Die Kleine Anfrage: Warum werden Meerestiere nicht von Algen und Muscheln bewachsen?

Von Tomma Schröder

Die Hai-Haut mit ihren winzigen Zähnchen ist nur eine Variante, wie sich Meeresbewohner Algen- und Muschelbewuchs vom Leib halten. Bei vielen Fischen ist es die schleimige Haut, die vor ungebetenen Gästen schützt.

Wer schon einmal versucht hat, mit bloßen Händen einen Fisch zu fangen, weiß dass sich Fischhaut ganz besonders anfühlt. Selbst wenn man den Fisch schon in der Hand hat, schafft er es mit wenigen Bewegungen und seiner glitschig-schleimigen Haut zumeist wieder zu entkommen. Doch dieser Schleim schützt ihn nicht nur vor fischenden Menschenhänden, sondern auch vor ungebetenen Gästen.

Biofilm hält unerwünschte Gäste ab

"In dem Schleim sind entsprechende Substanzen vorhanden, die das gleiche tun wie wir, wenn wir giftige Anti-Fouling-Farben auf Schiffsrümpfe aufbringen", erklärt die Bionikerin Antonia Kesel von der Hochschule Bremen.  Allerdings mit einem entscheidenden Unterschied: Der biomolekulare Schutz reichert sich nicht wie die Giftstoffe im Wasser an, sondern zersetzt sich sehr schnell.

Körperpeeling am Meeresboden

Eine andere Strategie verfolgen die Wale. Auch sie haben zwar einen Schutzfilm auf der Haut. Darüber hinaus reiben sie sich die Haut aber auch am Meeresboden ab und befreien sich so von Pocken und Co. Auch die Luftsprünge, für die etwa die Orcas berühmt sind, könnten zu dieser aktiven Körperpflege gehören. Es wird vermutet, das Muscheln und Pocken beim Aufklatschen auf das Wasser abgesprengt werden.

Und der Haifisch, der hat Zähne

Groenlandhai (Somniosus microcephalus), Detailaufnahme von Hautstrukturen , den sogenannten Hautzaehnen

Detailaufnahme von Haihaut mit "Hautzähnen"

Eine sehr ausgefeilte Verteidigung gegen den Bewuchs durch Muscheln und Algen haben Haie. Sie haben winzig kleine bewegliche Zähnchen auf der Haut. Weil diese zudem von kleinen Rillen überzogen, also uneben sind, können sich keine Organismen daran festsetzen.

Haihaut aus der Dose

Die Bionikern Antonia Kesel hat sich die Haut der Haie ganz genau angesehen und eine Farbe entwickelt, die die Struktur der Haihaut nachbilden und dadurch Schiffsrümpfe ohne Giftstoffe vor Bewuchs schützen soll. Die erste "Haihaut aus der Dose" ist für Sportboote bereits auf dem Markt.

Stand: 03.08.2017, 12:03