Kampf gegen Tigermücken: Sterilisation statt Chemiekeule

Tigermücke

Kampf gegen Tigermücken: Sterilisation statt Chemiekeule

  • Asiatische Tigermücke ist längst in Deutschland heimisch
  • Sie kann Gelbfieber und Dengue-Fieber übertragen
  • Forscher in Speyer wollen sie mit Sterilisation bekämpfen

Im Kampf gegen die Asiatische Tigermücke in Deutschland wollen Wissenschaftler die Männchen in großem Maßstab sterilisieren. Wenn die Weibchen mit diesen unfruchtbaren Männchen kopulierten, bekämen sie keine lebensfähigen Nachkommen, sagt der Biologe Norbert Becker, Direktor des Instituts für Dipterologie in Speyer, das sich den zweiflügligen Insekten widmet.

In gebrauchten Reifen eingeschleppt

Die Asiatische Tigermücke gilt als besonders gefährlich, weil sie Viren überträgt, die zwar kein Zika, wohl aber Gelbfieber oder das Dengue-Fieber auslösen können. In Teilen Südeuropas sind die Krankheiten auch schon aufgetreten. Über die USA war Aedes albopictus ursprünglich nach Europa gelangt, in Lkw, auf Güterzügen und in gebrauchten Reifen wurde sie dann bis nach Bayern und Baden-Württemberg eingeschleppt.

Bestrahlung der Mücken-Männchen

In Italien ist die Mücke fast flächendeckend verbreitet. Wissenschaftler in Bologna haben schon vor Jahren eine Methode entwickelt, die Mücken-Männchen zu sterilisieren: Die Puppen der Männchen, die kleiner sind als die der Weibchen, werden im Netz ausgesiebt und dann in der Petri-Schale mit Gamma-Strahlen sterilisiert.

Die ausgewachsenen Tiere könnten dann mit den fruchtbaren Männchen noch konkurrieren, "aber das Sperma ist zu 99 Prozent nicht okay", so Becker. Das heißt: Die Eier der Weibchen entwickeln sich gar nicht oder nur sehr fehlerhaft.

Erste Erfolge in Heidelberg

Das Institut für Dipterologie hat vor zwei Jahren eigens "deutsche" Tigermücken für die Zucht nach Bologna geschickt. Deren Eier wurden dort behandelt, die ausgewachsenen Männchen in Käfigen zu jeweils 1.000 Stück nach Deutschland gebracht. Im vergangenen Sommer wurden sie in Heidelberg zum ersten Mal freigelassen, die Folge: Die Schlüpfrate soll um 15 Prozent gesunken sein.

Hoffen auf die "Helfer auf Flügeln"

Becker, Experte für zweiflüglige Insekten, will aber mehr: Eine "Bekämpfung plus Reduzierung der Schlüpfrate müsste nach unseren Berechnungen zum Zusammenbruch der Population führen."

Norbert Becker, Direktor des KABS

Biologe Becker an einer Mücken-Brutstätte

Mit der Beseitigung von Brutstätten wie Eimer voller Regenwasser und dem Einsatz von Tabletten, die mit einem für Mückenlarven tödlichen Bazillus versetzt sind, könnte man die Population um 80 oder 90 Prozent reduzieren. "Das hängt aber davon ab, wie die Bevölkerung mitmacht", so Becker. "Für den Rest brauchen wir Helfer auf Flügeln."

Groß-Einsatz nötig

Die müssten jetzt aber im großen Maßstab gezüchtet werden, damit die Methode fruchtet - eine Herausforderung für die Kollegen in Bologna. Becker erinnert sich an einen ersten Versuch in Hessen mit Rheinschnaken. Der damals zuständige Experte hat 30.000 behandelte Tiere in einem Gebiet ausgesetzt, wo vermutlich eine Milliarde schlüpften. "Da hat man überhaupt nichts gemerkt."

Stand: 17.07.2017, 13:49