Wilderer missbrauchen Peilsender von Forschern

Wolf steht im Schnee

Wilderer missbrauchen Peilsender von Forschern

Von Detlef Reepen

  • Peilsender, mit denen Forscher freilebende Tierarten untersuchen, werden immer häufiger illegal genutzt
  • Besonders Wilderer spüren mit deren Hilfe die Tiere auf und töten sie
  • Kanadischer Forscher fordert deshalb moderne verschlüsselte Funktechnik zum Schutz der Tiere

Professor Steven Cooke von der Universität Carleton in der kanadischen Hauptstadt Ottawa hat das Thema aufgebracht. Er nennt vier Gruppen, die solche Signale von beobachteten Tieren nutzen wollen.

Wilderer und Wolf-Verfolger

Detlef Reepen

WDR 5-Experte Detlef Reepen

Wilderer sind die schlimmste Gruppe. Denn wenn Biologen mehr über eine bedrohte, aber versteckt lebende Tierart herausfinden wollen, zum Beispiel über Gorillas, Waldelefanten, Leguane oder Moschushirsche, dann "besendern" sie einzelne Individuen. Das sind aber dann genau die Tierarten, an die auch die Wilderer heranwollen - weil sie Elfenbein wollen oder das Fleisch der Wildtiere.

Dazu kommen speziell in den USA und Alaska noch selbsternannte "Wolf-Verfolger". Das sind Menschen, die das Raubtier aus ihrer Umgebung entfernen wollen. Dazu knallen sie die Tiere einfach ab.

Angler

Weißer Hai mit Sender an der Rückenflosse

Hai mit Sender an der Rückenflosse

Auch Fischer und Angler holen mit Hilfe der Biologen gezielt Fische aus dem Wasser. Das ist Professor Steven Cooke durch seine Forschungen über die so genannten "Muskys" aufgefallen. Bei uns heißt die Art "Muskellunge". Es handelt sich um einen zwei Meter langen Fisch. Einigen Exemplaren hatten Cooke und seine Kollegen Sender unter der Haut eingepflanzt. Sie wollten sehen, wo die Fische ihre Eier ablegen, wo sie ruhen und wo sie ihre Beute jagen. Angler haben dann die Sendersignale abgefangen und sich dann genau da ans Ufer gestellt, wo sie die Tiere am besten erwischen konnten. Die Muskys sind nicht geschützt, aber es ist natürlich trotzdem nicht Sinn der Sache, dass Angler mit Hilfe der Biologen die interessantesten Muskys aus dem Ökosystem entfernen.

Wildlife-Guides

Die vierte Gruppe stellen die Touristen-Führer, die ihren zahlenden Kunden zuverlässig versteckt lebende Tierarten zeigen wollen. Sie töten zwar keine Exemplare. Die ständigen Störungen durch Touristengruppen können aber eine so starke Belästigung sein, dass das Überleben der Tiere gefährdet ist.

Welche Tiere sind akut durch das Abhören gefährdet?

Orchideenbiene mit Radio-Peilsender

Orchideenbiene mit Radio-Peilsender

Haie leben teilweise in großer Tiefe, wo es absolut dunkel ist. Über die Lebensweise wusste man bis vor kurzem fast nichts. Aber Haie sind inzwischen vom Aussterben bedroht, die meisten der gut 500 Arten weltweit zumindest. Durch die Radiosender weiß man jetzt: wie lange halten sie sich in welcher Tiefe auf, was machen sie da, welche Wanderungen unternehmen sie und in welcher Wassertiefe. Mit diesen Daten können dann Konzepte entwickelt werden, um sie vor dem Tod als ungewollter Beifang in Fischernetzen zu schützen.

Nun sind die Haie durch die Forschungen zusätzlich in Not. Die Fischer, die sich die Sender zunutze machen, wollen vielleicht gar nicht das Haifleisch. Denn für viele Arten gibt es gar keinen Markt – auch weil das Fleisch nicht gut schmeckt. Wenn man weiß, wo der Hai ist, findet man aber auch seine Beutefische besser. Wenn die Fischer dann ihre riesigen Netze auswerfen, sterben nicht nur Nutzfische, auch viele Haie verenden qualvoll als Beifang.

Gibt es eine Lösung für das Problem?

Symbolbild: Geöffnetes Vorhängeschloss auf einer Tastatur steht für Datensicherheit und Verschlüsselung

Verschlüsselter Digitalfunk könnte helfen

In manche der von Forschern verwendeten Radiosignale müssen sich die illegalen Nutzer regelrecht einhacken. Aber bei den Wölfen beispielsweise müssen die Wolfs-Verfolger sich einfach nur ein Empfangsgerät besorgen. Das ist dann meist eine Antenne, wie sie früher zum Fernsehempfang genutzt wurde. Damit können sie den Wolf Geradezu einkreisen – und abknallen.

Deshalb fordert Stephen Cooke auch, dass die Biologen von dieser ganz primitiven Übertragungstechnik verabschieden und sich verschlüsselte Technik zulegen.

Stand: 01.03.2017, 11:14