Forscher wollen Insektensterben stoppen

Christoph Scherber, Ökologe, schaut sich mit Studentin Pflanzen auf einem Versuchsfeld an.

Forscher wollen Insektensterben stoppen

Von Alexandra Hostert

  • Forscher wollen das Insektensterben stoppen
  • Zentrale Forderung: Mehr Vielfalt in der Landschaft
  • Saatgutmischungen sollen Landwirten und Insekten nützen 

Die Zahl der Insekten ist in Deutschland den letzten Jahrzehnten zurückgegangen, in einzelnen Fällen um mehr als 70 Prozent. Wer diesen Trend stoppen und Insekten schützen will, darf nicht allein auf Naturschutzgebiete setzen. Davon ist Christoph Scherber von der Universität Münster überzeugt.

"Wir wollen die Landwirtschaft bunter machen. Denn wir müssen Insekten auch auf den landwirtschaftlichen Flächen fördern, damit sie überleben", sagt der Tierökologe. Dazu experimentiert Scherber mit "Pflanzenteams". Das sind Mischungen verschiedener Pflanzenarten, die Landwirte auf demselben Acker anbauen können.

Blütenvielfalt für Insekten 

Auf ihrem Versuchsfeld in Münster untersucht Scherbers Arbeitsgruppe Kombinationen von Ackerbohnen mit Weizen und von Erbsen mit Gerste. Die Blüten der Erbsen und Bohnen locken Bienen, Hummeln, Schwebfliegen und andere Insekten in die Felder. Mit ihrem Nektar können diese Blüten Insekten die Nahrung geben, die sie in Monokulturen von Gräsern oder Getreide nicht finden.

Christoph Scherber, Ökologe, mit Insektenfangnetz.

Christoph Scherber auf Insektenfang

Im Rahmen des EU-Projekts "Diversify" will Scherber in Zukunft noch weitere solcher Mischungen von zwei oder mehr Pflanzen testen: „Das Ziel ist, zu einer Art Gleichgewicht zwischen landwirtschaftlicher Produktion und Vielfalt von Insekten zu kommen." Am Ende sollen die Pflanzenteams also gleichzeitig Landwirten gute Erträge bringen und Insekten Lebensraum bieten.

Wildkräuter am Ackerrand helfen Insekten

Viele Forscher fordern, das Verschwinden der Insekten zu stoppen. 2016 unterzeichneten deshalb 77 Insektenforscher bei einer Fachtagung in Stuttgart eine Resolution an Bundesumweltministerin Barbara Hendricks und forderten Sofortmaßnahmen: Unter anderem sollten an den Ackerrändern wieder mehr Wildkräuter blühen. Denn schon kleine Flächen, die nicht bewirtschaftet würden, könnten große Vorteile für die Artenvielfalt bringen.

Auch das Bundesamt für Naturschutz betont, es müsse selbst in Regionen mit intensiver Landwirtschaft ein Mindestmaß an Artenvielfalt geben - zum Beispiel von Wildblumen wie Acker-Rittersporn und Sommer-Adonisröschen, die früher häufig zu finden waren. Damit Landwirte naturverträglicher anbauen, sei es aber auch nötig, dass sie mehr finanzielle Anreize dafür bekämen.

Stand: 18.07.2017, 06:00