Das Verschwinden der Insekten

Schwalbenschwanz

Das Verschwinden der Insekten

Von Alexandra Hostert

  • Immer weniger Insekten, auch in NRW
  • Insekten fehlt Nahrung und Lebensraum
  • EU-Verbot einiger Pestizide zu ihrem Schutz beantragt

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hat vor einem Insektensterben in Deutschland gewarnt. Die Folgen seien schwerwiegend: "Mit den Insekten schwindet auch die Nahrungsgrundlage für Vögel und Fledermäuse", sagte Hendricks den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland am Wochenende.

Wenn Professor Christoph Scherber aus Münster seinen Studenten heute Schmetterlinge zeigen will, hat er ein Problem. "Flächen zu finden, auf denen man den Studierenden überhaupt mehr als fünf Tagfalterarten zeigen kann, ist nicht leicht. Wir müssen Tagesexkursionen machen – bis nach Thüringen oder Bayern –, um zu zeigen, was es eigentlich in Deutschland gibt", sagt der Tierökologe.

Rückgänge von mehr als 75 Prozent

Es gibt immer weniger Insekten – das beobachtet nicht nur Scherber. Wie groß ihr Rückgang insgesamt ist, kann noch niemand genau beziffern, aber einzelne Untersuchungen zeigen erschreckende Ergebnisse.

Ökologe Christoph Scherber von der Universität Münster auf einem Versuchsfeld.

Christoph Scherber untersucht die Vielfalt von Insekten

In Deutschland stehen von den über 500 Wildbienenarten über 40 Prozent auf den Roten Listen der gefährdeten Arten. Auch früher häufige Schmetterlinge wie der Schwalbenschwanz sind heute in vielen Gebieten bedroht. In Großbritannien ging die Verbreitung von Libellen in den letzten 40 Jahren bei etwa 60 Prozent der Arten zurück.

Großes Aufsehen erregte besonders eine Studie des Entomologischen Vereins in Krefeld: Sie zeigte, dass im Naturschutzgebiet Orbroich die Masse der Insekten von 1989 bis 2013 um mehr als 75 Prozent gesunken ist.

Insekten fehlt die Nahrung

Wolfgang Wägele, Direktor am Forschungsmuseum König in Bonn, will das Insektensterben noch genauer untersuchen: "Am stärksten betroffen sind vermutlich Gebiete in unmittelbarer Nähe von intensiv bewirtschafteten Agrarflächen."

Das Problem dieser Agrarflächen: In Mais- oder Getreidefeldern finden die meisten Insekten kaum Nahrung. Wiesen mit blühenden Wildblumen oder Brachflächen sind heute aber selten. Dieser Verlust von Lebensraum und Nahrung ist eine wichtige Ursache für das Insektensterben, so das Bundesamt für Naturschutz im Agrarreport 2017.

Umstrittene Neonicotinoide

Bestimmte Pestizide, die eigentlich ausschließlich Schädlinge töten sollen, sind nach der Ansicht vieler Forscher ein weiteres Problem: die Neonicotinoide. Studien geben Hinweise, dass sie auch nützlichen Insekten wie Bienen schaden können. Schon seit 2013 sind einige dieser Wirkstoffe in der EU deshalb nur noch eingeschränkt erlaubt. Inzwischen gibt es bei der Europäischen Kommission Initiativen, Neonicotinoide dauerhaft zu verbieten.

Stand: 17.07.2017, 10:22