Immunsystem stärken – Tipps für eine gute Abwehr

Zeichnung: Antikörper greifen eine Virenzelle an.

Immunsystem stärken – Tipps für eine gute Abwehr

"Ich bin gesund, ich bin immun, mir kann das Virus gar nichts tun!" Schön wär’s. Gerade zum Jahreszeitwechsel merken wir: Die körpereigene Abwehr schwächelt! Bloß was können wir tun für ein fitteres Immunsystem?

Immunsystem stärken - Tipps für eine gute Abwehr

WDR 4 Mittendrin - In unserem Alter | 14.10.2017 | 14:00 Min.

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Immunsystem – was ist das eigentlich?

Das Immunsystem ist das Abwehrsystem des menschlichen Körpers gegen alle Krankheitserreger (Mikroorganismen wie Viren,  Bakterien, Parasiten) und Fremdstoffe, mit denen der Mensch in Berührung kommt. Das Immunsystem ist ein hochkomplexes Netzwerk aus verschiedenen Organen, Zelltypen und Molekülen. Bestandteile des Immunsystems sind mechanische und biochemische Barrieren und Abwehrmechanismen (z. B. der Haut und der Schleimhäute), Abwehrzellen in Blut und Lymphsystem (z. B. Lymphozyten), Proteine (als Botenstoffe) sowie sogenannte psychische Immunfaktoren.

Abwehrstark oder abwehrschwach?

Gerade zum Jahreszeitwechsel, wenn wieder viele Erkältungen grassieren, fragen wir uns: Warum gibt es Menschen, die jeden Schnupfen mitnehmen und andere, an denen auch die dicksten Infekte spurlos vorbeigehen? Ob krankmachende Keime leichtes Spiel bei uns haben oder locker abgewimmelt werden können, hängt damit zusammen, wie gut das System funktioniert. Wobei ein gut funktionierendes Immunsystem nicht automatisch bedeutet, dass wir tatsächlich seltener Krankheitssymptome zeigen. "Im Gegenteil", sagt der Allgemeinmediziner Prof. Attila Altiner, "auch häufigere Erkältungen könnten durchaus ein Zeichen dafür sein, dass Ihr Immunsystem gut funktioniert, weil drei Mal der Schnupfen sehr effektiv bekämpft wurde und es gibt, das ist auch ein bisschen Glück oder Pech, Saisonen in denen hat man nicht nur ein oder zwei Mal eine Erkältung bekommt, sondern drei Mal oder vier Mal. Das ist normal.“ 

Abhärten in Sauna und Kneippbecken?

Regelmäßige Saunabesuche, Kneippgüsse oder heißkalte Wechselduschen sind durchaus gesundheitsförderlich. Sie trainieren die Thermoregulation des Körpers und beleben den Kreislauf. Eine konkrete, messbare Stärkung des Immunsystems durch solche "Abhärtungsmaßnahmen" schließt der Immunologe Prof. Dieter Neumann-Haefelin allerdings aus: "Sie können das Abwehrsystem durch diese oberflächlichen Maßnahmen überhaupt nicht beeinflussen." Anders sieht es mit sportlicher Aktivität aus. Fachleute raten zu einem leichten (!) Training. Das stimuliere das Immunsystem und stärke es auf diese Weise nachhaltig. Bestätigung für alle, die schon immer wussten, dass mit Musik alles besser geht: Forscher der Frankfurter Goethe-Universität haben außerdem herausgefunden, dass eine Stunde intensives Singen (!) den Abwehrkräften neuen Schub geben kann.

Darm und Immunsystem

"Wenn man den Darm gut behandelt, bedankt er sich dafür." Diesen Rat gibt die junge Ärztin Giulia Enders in ihrem Bestseller "Darm mit Charme" den Lesern mit auf den Weg. Bestätigt wird das auch von der Ernährungswissenschaftlerin Dr. Brigitte Bäuerlein, die sich schon lange mit den Wechselwirkungen von Darm und Immunsystem beschäftigt: "Wir wissen, dass der Darm quasi 70 Prozent unseres Immunsystems unterstützt und bereitstellt. Und zwar helfen uns die kleinen Darmbakterien. Die sorgen dafür, dass der Darm leicht saures Milieu hat und somit auch Eindringlinge und Feinde gar keine Chance haben, irgendwie in den Körper zu gelangen." Je besser das Milieu – Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang auch von der Darmflora – desto fitter ist auch das Immunsystem.

Abwehrfreundliche Ernährung

Gemüse ist grundsätzlich gut für die Darmflora. Wer also regelmäßig Blumenkohl, Brokkoli, Möhren oder auch Sauerkraut isst, macht seinem Darm damit eine Freude. Ganz besonders freut er sich unter anderem über Rauke, Chicoree oder Radicchio. Außerdem tut man dem Milieu im Darm mit grünem Tee einen Gefallen. Aber auch Milchprodukte wie Joghurt oder Quark und Roggen- und Vollkornbrot sorgen für eine gute Darmflora. Verzichten sollte man dagegen auf Zucker in allen Variationen. "Das ist auch etwas, was den Darmbakterien nicht besonders gut tut. Viele vertragen ja auch insbesondere Fruchtzucker und Milchzucker nicht gut. Zucker facht auch Entzündungen an und bietet den Fäulnisbakterien, die im Darm sind, auch noch mal zusätzlich Nahrung." Und wenn der Darm mal grummelt und rumort, sollte man ihm einfach mal eine kleine Entspannungspause gönnen. Ihn vielleicht sogar mit eine Wärmflasche "besänftigen".

Überflüssige Nahrungsergänzungsmittel

Selbst ein gutes Immunsystem kapituliert hin und wieder vor Eindringlingen. Daran ändern auch Vitaminpräparate und andere Nahrungsergänzungsmittel wenig bis nichts. Die kann sich ohnehin sparen, wer sich ausgewogen ernährt und viel Obst und Gemüse isst. Das meiste von dem, was Drogisten, Apotheker und die Wellnessbranche uns zur Stärkung der Immunabwehr anböten, so der Immunologe Neumann-Haefelin, sei "fauler Zauber, das kann man vergessen". Beispiel Vitamin-C-Tabletten – für deren abwehrstärkende Wirkung, so der Allgemeinmediziner Altiner, gebe es keine Belege, eindeutig nachgewiesen sei aber: "wenn Sie die in sehr großen Mengen nehmen, dann bekommen Sie Durchfall davon."

Ausreichend schlafen - Stress vermeiden!

Regelmäßiges Joggen oder Radfahren (vielleicht sogar singend?) macht dem Immunsystem Beine, eine ausgewogene, vitaminreiche Ernährung schmeichelt dem Darm und der dankt es uns mit abwehrstärkender Aktivität – und trotzdem kann uns demnächst mal wieder eine Erkältung blöd erwischen. Dann allerdings ist ganz wichtig: Bloß nicht groß drüber ärgern! Denn Stress ist grundsätzlich Gift fürs Immunsystem, das können alle Experten bestätigen. Sie raten außerdem dazu, ausreichend zu schlafen, denn wer auf guten und ausreichenden (sprich: gesunden) Schlaf achtet, stärkt damit ganz automatisch seine Abwehrkräfte. Das ist wissenschaftlich belegt.

Stand: 12.10.2017, 00:00