Herdenschutzhunde: Wolfsabwehr auf vier Pfoten

Herdenschutzhunde: Wolfsabwehr auf vier Pfoten

Von Katja Goebel

In Zukunft könnten sich wieder Wölfe in Teilen von NRW ansiedeln. Manch ein Tierhalter im Land, der sein Vieh draußen weiden lässt, setzt heute schon auf spezielle Aufpasser - Herdenschutzhunde.

Beatrix Hewig hält ihre Pferde auf einem 13.000 Quadratmeter großen Wiesengrundstück im Rhein-Sieg-Kreis. Ihre drei Hengste stehen Tag und Nacht draußen. Sie sind mit Elektrozäunen gesichert und auch Kameras beobachten das Gelände. Doch als im Juli 2016 ein umherstreifender Wolf im nur 20 Kilometer entfernten Rösrath Ziegen riss, beschloss die Pferdebesitzerin, ihren Tieren spezielle Beschützer zur Seite zu stellen.

Pferde auf einer Koppel im Nebel

Seitdem bewachen zwei mazedonische Herdenschutzhunde die Pferdetruppe. "Wiehert eines der Pferde, laufen die Hunde sofort los", erzählt Beatrix Hewig. "Bellen die Hunde, sind die Pferde in Alarmbereitschaft. Das ist ein richtiges Zusammenspiel zwischen den Tieren." Seit die Hunde bei den Pferden sind, könne sie wieder ruhiger schlafen.

NRW will künftig Herdenschutz fördern

Diese alte Methode des Herdenschutzes könnte mit dauerhafter Ankunft des Wolfes bald wieder eine Renaissance erleben. Anfang Februar 2017 ist in NRW die "Förderrichtlinie Wolf" in Kraft getreten. Sie sieht unter anderem vor, Weidetierhalter künftig bei der Anschaffung von Herdenschutzhunden zu unterstützen. Voraussetzung ist allerdings, dass der Wolf tatsächlich in NRW sesshaft wird. Bisher streifen nur einzelne Tiere durch das Land.

Erfahrungen aus Brandenburg

Da ist man in Brandenburg schon weiter. Dort leben nach Angaben des Umweltamtes mittlerweile 22 Wolfsrudel (Stand Februar 2017). Seit fünf Jahren gibt es dort auch die "Arbeitsgemeinschaft Herdenschutzhunde". "Wir haben uns gegründet, um unsere Tiere besser zu schützen", so der Vorsitzende Knut Kucznik, der selbst Schäfermeister ist.

Der Verein hat sich auf die Zucht von zwei Rassen spezialisiert: auf den italienischen "Maremmano Abruzzese" und auf den französischen Pyrenäenberghund - imposante Arbeitshunde, die ihren Job ohne menschliche Aufforderung selbstständig erfüllen.

Schild am Weidenzaun warnt vor Herdenschutzhunden

Ein Schild warnt vor Herdenschutzhunden

Sie sollen Wölfe verbellen und notfalls angreifen, aber freundlich zu Menschen sein. Rund 370 dieser Arbeitshunde sind mittlerweile im Zuchtbuch der AG registriert. Der Erfolg ist unbestritten. "In Brandenburg gab es in den von unseren Hunden geschützen Herden nicht einen einzigen Übergriff."

Hohe Unterhaltskosten für Schäfer

Dass es nun auch in NRW eine Förderung für diese Arbeitshunde geben könnte, freut den Schäfer. Doch die darin festgeschriebene Übernahme von 80 Prozent der Anschaffungskosten decke die tatsächlichen Kosten nicht annähernd. Allein der Unterhalt liege pro Hund bei rund 1.000 Euro jährlich.

"Wenn Sie 600 Schafe haben, brauchen sie für je 100 Schafe einen Hund. Das sind 6.000 Euro im Jahr. Wenn man bedenkt, dass ein durchschnittlicher Schäfer 15.000 Euro im Jahr einnimmt, dann wird es bald keine Schäfer mehr geben."

Schäfer mit Herdenschutzhunden

Schäfermeister Knut Kucznik mit seinen Tieren

Der Wolf, so Kucznik, gehöre zwar zur Landschaft, doch wenn man Landschaftsschutz wolle, steige eben auch der Preis. Wenn NRW Naturschutzgebiete weiterhin pflegen lassen wolle, müsse auch der Schutz der Schafe einkalkuliert werden. In NRW gibt es nach Angaben der Schafszuchtverbände derzeit rund 202.000 Schafe.

Junge Wölfe wandern jetzt wieder

Wann der Wolf tatsächlich dauerhaft in NRW bleibt, können auch Wolfsexperten nicht genau sagen. Der Naturschutzbund (Nabu) in NRW rechnet in nächster Zeit zumindest mit weiteren Spuren durchziehender Wölfe. Im Januar und Februar 2017 gab es bereits drei Sichtungen auf NRW-Gebiet.

"Pferde durch Wölfe eher nicht gefährdet"

In Deutschland hat es bislang nur zwei Vorfälle von Wolfsangriffen auf Pferde gegeben. In beiden Fällen seien dabei Fohlen einer Konikherde angegriffen worden, die ohne menschliche Aufsicht in einem naturnahen Areal auf Nabu-Gebiet weideten, erklärt Thomas Pusch, Sprecher des Landesfachausschusses Wolf. Koniks sind robuste Ponys, die oft als Landschaftspfleger eingesetzt werden.

Junger Wolf wird von Mutter abgeleckt

In NRW haben sich noch keine Wolfsrudel niedergelassen

Die Wahrscheinlichkeit, dass die umherstreifenden Jungwölfe Pferde angreifen, hält Pusch zwar nicht für gänzlich ausgeschlossen, aber für eher unwahrscheinlich. "Da gibt es leichtere Beute für den Wolf als solche großen wehrhaften Tiere."

Stand: 20.03.2017, 06:00