Studie: Fürsorgliche Hundemütter schaden Welpen

Hundemutter mit Welpen, Golden Retriever

Studie: Fürsorgliche Hundemütter schaden Welpen

  • "Verwöhnte" Welpen scheitern als Blindenhunde.
  • US-Studie zum Einfluss der Hundemutter.
  • Welche Rolle spielen genetische Einflüsse?

Hunde, die als Welpen von ihren Müttern mit besonderer Fürsorge aufgezogen wurden, schaffen die Ausbildung zum Blindenhund seltener als die, die sich anstrengen oder mit Frust fertig werden mussten. Das ist das Ergebnis einer amerikanischen Studie, die jetzt veröffentlicht wurde. Die Forscher von der University of Pennsylvania warnen aber vor schnellen Schlussfolgerungen.

Das Forscherteam unter der Leitung von Emily Bray hat Hündinnen und ihren Nachwuchs beobachtet, um nachzuvollziehen, welchen Einfluss frühe Erfahrungen auf die erwachsenen Tiere hat. Bisher hat man das an Nagetieren, Menschenaffen und - in Grenzen - auch an Menschen untersucht, nicht aber an Hunden.

Die "Helikopter-Hündinnen" sind gestresster


Die 23 Mütter und 98 Welpen lebten in der Zuchtstation einer Organisation, die Blindenhunde aufzieht und trainiert. Diese Hunde schienen den Forschern besonders geeignet, weil der Maßstab zur Beurteilung der "Erziehung" einfach ist: Entweder werden sie Blindenhunde, oder sie scheiden vorher aus.

Die Forscher quartierten sich in der Station ein und beobachteten das Verhalten der Tiere rund um die Uhr: Stillt die Mutter im Liegen oder im Stehen? Wie lange leckt sie die Welpen? Außerdem wurden Speichelproben genommen, um die Menge des Stresshormons Cortisol zu messen. Ergebnis: Fürsorgliche Mütter waren von vorneherein gestresster als die gelassenen Tiere. Sie reagierten auch heftiger, wenn ihnen die Welpen weggenommen wurden.

Kleine Herausforderung, große Wirkung?

Der Nachwuchs dieser Hündinnen schaffte es tatsächlich seltener, das Trainingsprogramm der Blindenschule zu absolvieren. Besonders die Tiere, deren Mütter sich zum Stillen hinlegten, waren benachteiligt. "Wenn eine Mutter auf dem Bauch liegt, haben die Welpen freien Zugang zur Milch", so ein beteiligter Forscher. "Wenn sie steht, müssen die Welpen sich anstrengen."

"Es scheint, dass Welpen schon in diesem frühen Alter lernen müssen, mit kleinen Herausforderungen umzugehen", so Expertin Bray. "Wenn sie das nicht tun, dann schadet es ihnen später."

Intelligenz und Temperament spielen auch eine Rolle

Archiv: 26.10.2016. Ausbildung eines Blindenhundes, Blindenhund mit Ausbilderin am Straßenrand

Anspruchsvolle Ausbildung für Blindenhunde

Das Forscherteam hat aber nicht nur den Umgang der Mütter mit ihren Welpen untersucht, sondern auch ältere Hunde beobachtet. Dabei ging es um Auffassungsgabe und Temperament, also darum, wie lange sie brauchten, um eine Aufgabe zu lösen oder wie sie auf eine ungewohnte Situation reagierten. Die, die dabei gut abschnitten, waren - wenig überraschend - auch die, die als Blindenhunde reüssierten.

(Noch) keine Kritik an "Helikopter-Eltern"

Fürsorgliche Mutter, gescheiterter Nachwuchs: Es scheint eine Verbindung zu geben. Allerdings sind die Forscher vorsichtig mit Schlussfolgerungen. "Wir wissen nicht, ob die Welpen später ängstlicher sind, weil sie verhätschelt wurden und Ängste ihrer Mutter übernommen haben", heißt es, "oder ob sie eine genetische Veranlagung geerbt haben."

Fragen, denen Bray weiter nachgehen will. "Beim Bemuttern gibt es wohl eine schwierige Balance", sagt sie. "Es ist einfach zu sagen, 'Überfürsorgliche Mütter sind schrecklich'. Aber wir kennen die Mechanismen noch nicht genau, wir wollen auch nicht, dass das Pendel in die andere Richtung ausschlägt."

Stand: 07.08.2017, 21:00