Insekt des Jahres 2017: Die Gottesanbeterin

Gottesanbeterin

Insekt des Jahres 2017: Die Gottesanbeterin

Von Detlef Reepen

Die Europäische Gottesanbeterin wird das Insekt des Jahres 2017. Wissenschaftlich heißt sie Mantis Religiosa und kommt inzwischen in fast allen deutschen Bundesländern vor. Sie gilt als bedrohte Art und profitiert dennoch vom Klimawandel. Ein Porträt des spektakulären Raubinsekts.

Die Jury möchte mit der Entscheidung auf "Ausbreitung der Gottesanbeterin in Folge des Klimawandels aufmerksam machen". Das "charismatische Tier" würde zwar in der Roten Liste als bedrohte Art geführt, diese Einstufung könne "aufgrund der Ausweitung aber durchaus hinterfragt werden", sagte Professor Thomas Schmitt von der Senckenberg-Forschungsgesellschaft und Vorsitzender der Jury bei der Pressekonferenz in Berlin am Dienstag (29.11.2017).

Jedenfalls fasziniert die Europäische Gottesanbeterin alle, die sie einmal zu sehen bekommen: Sie ist mit 7,5 bis 6 Zentimeter Größe gut mit bloßem Auge zu sehen, ihre großen Facettenaugen auf dreieckigem, voll beweglichem Kopf  haben etwas von Science Fiction-Raumanzug. Auf ihren zwei Hinterbeinpaaren scheint sie halbwegs aufrecht zu stehen, auch wenn das streng biologisch nicht richtig ist.

"Religiöse Seherin" ist ein Raubinsekts

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Scheinbar andächtige Haltung

Die Europäische Gottesanbeterin trägt auch in vielen anderen Sprachen einen religiösen Bezug. Denn sie hält ihre Vorderbeine, die Fangarme, oft angewinkelt und hat den Kopf wie in Trance gesenkt, als ob sie beten würde. Mantis Religiosa bedeutet in etwa "Religiöse Seherin". Die scheinbare Andacht ist allerdings biologisch das Verhalten einer Räuberin: Tatsächlich kann sie lange Zeit bewegungslos an einem Platz verharren, um dann blitzschnell zuzuschlagen.

Häufig muss das Männchen dran glauben

Gottesanbeterin

Gut getarnt

Wenn die Gottesanbeterin ein Beutetier - das können sogar kleine Frösche und Mäuse sein! - in ihrer oder seiner Nähe weiß, lässt es das Insekt in Reichweite kommen und schlägt dann ultraschnell zu: "Dieser Vorgang des Fangschlags dauert nur 50-60 Millisekunden, etwa sechsmal schneller als ein Lidschlag des menschlichen Auges", sagt Thomas Schmitt. Und für noch ein Fressverhalten ist die Gottesanbeterin berühmt-berüchtigt: Nicht wenige Weibchen fressen die Männchen nach der Begattung auf, um wertvolle Nährstoffe für die Erzeugung von rund 200 Eiern zu "recyceln".

Keine invasive Art

Gottesanbeterin sitzt auf einer Hand

Nicht aus Terrarien entsprungen

Die zu den Heuschrecken gehörende Fangschrecke ist übrigens nicht über Terrarienbesitzer zu uns gelangt. Sie wurde nicht versehentlich eingeschleppt oder ausgesetzt, sondern hat sich von ganz allein aus Südeuropa bis in den Nordosten ausgebreitet. Sie braucht warme Lebensräume; Weinberge und alte Tagebauen sind Lieblingsbiotope für die Gottesanbeterin. Schon im 18. Jahrhundert wurde sie in Deutschland registriert, tauchte aber zwischenzeitlich unter und wird jetzt - mit der Erderwärmung - in fast allen Bundesländern außer dem äußersten Norden von Insektenkartierern gemeldet.

Stand: 29.11.2016, 11:15