Leuchtkäfer im Liebesrausch

Leuchtkäfer im Liebesrausch

Von Katja Goebel

Jetzt im Frühsommer haben Glühwürmchen ihren glanzvollen Auftritt. Die Käfer locken potenzielle Partner mit Lichtsignalen. Doch im Tanzspektakel lauern tödliche Trickser.

Glühwürmchen auf dem Getreidestängel

Jedes Jahr zum Sommeranfang kann man mit etwas Glück einen ganz besonderen Käfer bei der Brautschau beobachten: Glühwürmchen bevölkern nach Einbruch der Dunkelheit feuchte Wiesen, Waldlichtungen oder Gärten. So unscheinbar das Tierchen am Tage auch ist, am Abend hat es seinen glänzenden Auftritt dank Leuchtstoffmittel im Hinterleib.

Jedes Jahr zum Sommeranfang kann man mit etwas Glück einen ganz besonderen Käfer bei der Brautschau beobachten: Glühwürmchen bevölkern nach Einbruch der Dunkelheit feuchte Wiesen, Waldlichtungen oder Gärten. So unscheinbar das Tierchen am Tage auch ist, am Abend hat es seinen glänzenden Auftritt dank Leuchtstoffmittel im Hinterleib.

Der landläufige Name "Glühwürmchen" ist etwas irreführend, handelt es sich bei diesem Meister des Lichtertanzes doch um einen Käfer. Nur die Männchen können fliegen. Sieht man also abends über dem Garten kleine Lichter tanzen, sind es die männlichen Tiere.

Allerdings hat der Leuchtkäfer zu Beginn seines Lebens tatsächlich eine Statur, die an einen Wurm erinnert. Lang gestreckt ist der Körperbau der Leuchtkäfer-Larve. Sie lebt ein bis drei Jahre.

Dem Gärtner ist der Leuchtkäfer im Larvenstadium ein gern gesehener Helfer. Das Glühwürmchen frisst gerne Schnecken und tötet sie mit gezieltem Giftbiss.

Auch die Larven können übrigens schon leuchten - allerdings zum Schutz vor Fressfeinden.

Die Larven leben unter faulendem Holz, Laub oder Moos, auf feuchten Wiesen oder Waldrändern. "In einem aufgeräumten Garten werden Glühwürmchen wohl kaum zu finden sein", sagt Insektenkundler Karl-Heinz Jelinek vom Naturschutzbund (Nabu) in NRW. Die Weibchen gleichen auch erwachsen noch den Larven.

Vor der Paarung verpuppen sich die Glühwürmchenlarven und heraus schlüpfen dann die fertigen Leuchtkäfer. Im Endstadium sind die Weibchen meist größer als ihre männlichen Artgenossen, haben verkümmerte oder je nach Art gar keine Flügel und sind somit flugunfähig.

Beim Hochzeitsflug ihrer potentiellen Partner sitzen die Weibchen in Gebüschen oder auf Grasspitzen und warten dort auf ein Männchen, das ihnen gefällt. Auch die Weibchen leuchten und locken mit ihrem Licht die Männer an. Dazu recken sie das leuchtende Hinterteil in die Luft und können es wie eine Laterne schwenken.

Während die männlichen Glühwürmchen hierzulande auf ihrem kurzen abendlichen Lichterflug permanent leuchten, gibt es andere Arten - zum Beispiel in Südeuropa - die quasi "morsend" durch die Gegend fliegen und blitzende Lichtsignale von sich geben. Erwachsene Leuchtkäfer leben nur wenige Wochen. Sie fressen nicht mehr und sind ausschließlich mit der Fortpflanzung beschäftigt.

Wie können Glühwürmchen ihr Licht einschalten? In den Leuchtzellen an der Bauchseite des Hinterleibes der Tiere findet eine biochemische Reaktion statt, bei der die freiwerdende Energie in Licht umgesetzt wird. An der Unterseite seines Körpers hat der Leuchtkäfer helle Haut, sodass die Lichtsignale so gut sichtbar sind. "Stellt man den Glühwürmchen allerdings nach, können sie sofort ihr Licht ausschalten", erklärt Karl-Heinz Jelinek.

Bei ihrem Freiersflug fliegen die männlichen Glühwürmchen kreisend über Wiesen. "Sie müssen schnell sein, denn Fressfeinde lauern überall. Die männlichen Glühwürmchen können froh sein, wenn sie überhaupt einmal zur Paarung kommen."

So mancher Leuchtkäfer landet im Liebesrausch in einer tödlichen Falle - zum Beispiel im Spinnennetz.

Rund 2.000 Arten von Glühwürmchen gibt es weltweit. Jede Art hat ihre eigenen Lichtsignale. In Nordamerika gibt es eine Art, die sich auf eine mörderische Sitte spezialisiert hat. Dort lockt das Weibchen der Art mit falschen Leuchtsignalen Männchen anderer Arten an. Dieser Trick hat nur einen Zweck: Der getäuschte Freier wird verspeist. Doch nicht aus Hunger oder purer Mordlust - die Männchen verfügen über einen bestimmten Bitterstoff, den sich die Weibchen so gleich mit einverleiben, um sich damit besser vor Fressfeinden zu schützen.

Der Leuchttanz hat nur einen Beweggrund: Die Fortpflanzung. Nach der Paarung ist es schnell vorbei mit dem Glühwürmchen. Erst stirbt das Männchen. Das Weibchen legt noch Eier ab und stirbt dann ebenfalls. Glühwürmchen sind am besten am Sommeranfang zu beobachten. Nicht umsonst werden sie auch Johanniswürmchen genannt, weil sie häufig um den Johannistag am 24. Juni auftauchen.

Stand: 17.06.2017, 06:00 Uhr